Alternativerklärung zur Alien-Megastruktur: Erklären interstellare Trümmer das Verhalten von KIC 8462852

03395
Erklären Objekte und Trümmer im interstellaren Raum die Abschwächungsereignisse in der Lichtkurve des Sterns KIC 8462852 (Illu.)

Copyright: NASA/JPL-Caltech

Washington D.C.  (USA) – Händeringend suchen Astronomen nach einer Erklärung für das ungewöhnliche Verhalten im Helligkeitsmuster des rund 1.500 Lichtjahre entfernten Sterns KIC 8462852 (…GreWi berichtete). Während bislang sämtliche natürlichen bzw. astrophysikalischen Erklärungen nicht alle Merkmale erklären konnten und deshalb schon eine künstliche Struktur um den Stern als mögliche Erklärung diskutiert wurde, präsentieren US-Astronomen nun eine neue Beobachtung, die interstellare Trümmer als Erklärung favorisiert.

Während Planeten, die vor der „Sonnenscheibe“ ihres Sterns vorüberziehen, ihre Existenz durch einen periodisch wiederkehrenden Helligkeitsabfall um etwa 1 Prozent des normalen Sternenlichts verraten, konnte der zweimalige und unregelmäßig wiederkehrende Abfall des Lichts um bis zu 20 Prozent bislang nur schwer mit bekannten astrophysikalischen Phänomenen erklärt werden – weswegen einige Astronomen sogar schon künstliche Strukturen, die eine fernen Super-Zivilisation rund um den Stern errichtet hatte, als Erklärung für das Verhalten der Lichtkurve nicht mehr ausschließen wollten.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den tägichen GreWi-Newsletter bestellen +

Wie Valeri Makarov vom US Naval Observatory und Alexey Goldin von Teza Technologies in Chicago jetzt vorab via ArXiv.org berichten, haben sie sich bei ihren Beobachtungen auf die schwächeren Abdimmungsereignisse in der Lichtkurve des Sterns konzentriert und festgestellt, dass diese weder durch den Stern selbst noch durch etwas in seiner direkten Umgebung verursacht werden: „Mit jedem dieser Abschwächungsereignisse im Licht des Sterns geht auch ein kleiner Sprung des Lichts selbst einher.“ Diese Beobachtung führt das Forscherduo zu der Schlussfolgerung, dass es exakt auf der Sichtachse zwischen Erde und KIC 8462852 einen weiteren, sich abschwächenden Stern gibt.

Während KIC 8462852 weiterhin für die großen Abschwächungsereignisse verantwortlich ist, so belege doch der Umstand, dass genau in dieser Blickrichtung auch ein zweiter Stern „schwächelt“, dass diese Ereignisse weder von Asteroidengürteln, Kometen- und Planetentrümmern oder einer künstlichen Megastruktur um den Stern erklärt werden können. „Tatsächlich kann es also nichts sein, dass nur KIC 8462852 selbst umkreist. Es muss also etwas sein, dass sich zwischen uns und dem Stern befindet“, so die Forscher.

Makarov und Goldin selbst vermuten, dass es sich um einen „Schwarm aus interstellaren Kometen“ handeln könnte. Obwohl es möglicherweise sehr viele dieser sternenlosen Kometen geben könnte, ist es sehr schwer, sie zu entdecken, da sie sehr weit entfernt, kalt und dunkel wären.“

Selbst Jason T. Wright von der Pennsylvania State University, der als erster die Idee einer außerirdischen Struktur ins Spiel gebracht hatte, zeigt sich von der Grundidee der Autoren fasziniert. „Das könnte ein Volltreffer bei der Suche nach einer Erklärung sein“, erklärt er gegenüber dem „New Scientist„. Allerdings sei die Bezeichnung „Kometen“ irreführend, da diese per Definition immer an einen Stern gebunden sind. Dennoch deute ein weiterer abschwächender Stern tatsächlich auf eine Erklärung (dann vielleicht auch für die starken Abschwächungsereignisse) im interstellaren Raum hin.

Auch Wright hatte erst kürzlich angesichts des Nachweises einer stetigen Abschwächung des Licht des Sterns über einen Zeitraum von mindestens 100 Jahren erklärt, dass diese eigentlich nur mit Materie im interstellaren Raum zu erklären wäre (…GreWi berichtete). Allerdings sei bislang keine Gas- und Staubwolke in dieser Blickachse bekannt. Makarov und Golding schlagen hingegen vor, rund zehn Jahre abzuwarten, bis sich der jetzt von ihnen postulierte zweite Stern perspektivisch genügend weit von KIC 8462852 wegbewegt haben wird und man dann genauere Aussagen über jene Objekte treffen könne, die das Licht der beiden Sterne aus Blickrichtung unserer Erde immer wider abschwächt.

© grenzwissenschaft-aktuell.de