Anomalie oder Menschenwerk? Kornkreisforscher und Kornkreismacher im Skeptiker-Interview

2014 bat die Zeitschrift „Skeptiker“ (1/2014), das Vereinsorgan der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“ (GWUP), sowohl den Kornkreis-Forscher Andreas Müller als auch den Kornkreis-Macher und -Kritiker Harald Hoos zum Interview rund um das Phänomen der Kornkreise. Mit Genehmigung der Skeptiker-Redaktion veröffentlicht Grenzwissenschaft-Aktuell.de im Folgenden die beiden Interviews erneut – geben Sie doch Einblick in die Argumentation und Hintergründe zweier entgegengesetzter Arten, sich mit dem Phänomen-Kornkreise auseinanderzusetzen.

Kornkreise
Kornkreise (Englisch: crop circles) sind Muster in Getreidefeldern, die durch das Umlegen oder Umknicken von Getreidehalmen an bestimmten Stellen entstehen. Ähnliche Muster können natürlich auch durch gezieltes Mähen oder Pflanzen unterschiedlicher Gräser erzeugt werden, solche offensichtlich von Menschen angelegte Formationen werden aber nicht als Kornkreise im eigentlichen Sinn bezeichnet. Das Gesamtbild eines Kornkreises kann in vielen Fällen erst aus der Vogelperspektive erfasst werden. Häufig handelt es sich um präzise, streng geometrische und sehr ästhetische Figuren, es sind aber auch ganz andere Muster bekannt – das Spektrum reicht von unregelmäßigen und nur schwer interpretierbaren Strukturen bis hin zu detaillierten, sofort wieder erkennbaren Zeichnungen und lesbaren Textnachrichten.

Über Ursachen und Bedeutung von Kornkreisen wird viel spekuliert, sodass es nicht wundert, dass zahlreiche sehr unterschiedliche Erklärungsmuster bereits diskutiert wurden. Sind es Landespuren außerirdischer Flugobjekte oder gar Botschaften einer übernatürlichen oder außerirdischen Intelligenz? Oder handelt es sich um ein bisher nicht bekanntes, aber rein irdisches Naturphänomen? Vorgeschlagen wurden unter anderem atmosphärische Plasmawirbel, die sich analog zu gewissen Erscheinungen der Strömungsmechanik in ausgefeilten geometrischen Mustern selbst organisieren, sowie intensive und sehr kurzzeitige Hitzeeinwirkungen, verursacht etwa durch Mikrowellenstrahlung oder Kugelblitze. Sicher ist nur, dass manche Kornkreise im Schutze der Nacht von Menschenhand angelegt wurden. Zahlreiche Künstler haben sich zu ihren Taten bekannt und ihre Fähigkeiten vor laufenden Kameras demonstriert. Am bekanntesten dürften Doug Bower und Dave Chorley sein, die nach eigenen Angaben von 1978 bis 1991 in Südengland gute 200 Kornkreise anlegten und sich 1991 der Presse offenbarten. Sind nun aber alle Kornkreise nichts anderes als das Werk von Fälschern und Spaßvögeln (sowie Sachbeschädigung und Landfriedensbruch, falls der Kornkreis ohne Einverständnis des Landwirts angelegt wurde)?

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Dem widersprechen zahlreiche Kornkreisforscher. Viele der sogenannten Cereologen sind der Ansicht, dass sie mit hoher Sicherheit menschengemachte von echten Kornkreisen unterscheiden können. Sie katalogisieren und untersuchen Kornkreise unter Einsatz wissenschaftlicher Messgeräte und mathematischer Analysen der zugrunde liegenden Geometrie. Nicht immer scharf ist die Grenze zu New-Age-Anhängern, die das Kornkreis-Phänomen für sich vereinnahmt haben und innerhalb der Formationen mit esoterisch anmutenden Techniken auffallen, von denen Pendeln und Wünschelrutengehen noch die seriösesten sein dürften.

Unabhängig von Ursache und Bedeutung der Kornkreise bleibt ein faszinierendes Phänomen mit einer langen Geschichte, die nicht erst, wie vielfach angenommen, mit Bower und Chorley Ende der 1970er Jahre beginnt, sondern sich eindeutig bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. So erinnert eine Beschreibung aus einem Brief an die renommierte Wissenschaftszeitschrift Nature aus dem Jahr 1880 frappierend an einen einfachen modernen Kornkreis – freilich vermutet der Autor John Rand Capron einen Wirbelsturm als Ursache.

Ob aber nun Kunstwerk oder Naturschauspiel, moderner Trend oder zeitlose Erscheinung: Kornkreise beeindrucken durch ihre vergängliche Schönheit und die sie umgebende Aura des Mysteriösen.

Quelle/Copyright: Skeptiker 1/2014

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