Antares: Astronomen erstellen bislang bestes Bild von der Oberfläche und Atmosphäre eines fernen Sterns


Anhand neuer Beobachtungsdaten gelang Astronomen diese Rekonstruktion der Oberfläche des roten Überriesen Antares.

Copyright: ESO/K. Ohnaka

Antofagasta (Chile) – Mit dem Very Large Telescope Interferometer der Europäischen Südsternwarte (ESO) ist chilenischen Astronomen die bislang genaueste Abbildung des 600 Lichtjahre entfernten Sternenriesen Antares gelungen. Bislang gab es eine wie nun vorgestellte Geschwindigkeitskarte für Material in der Atmosphäre nur von unserer eigenen Sonne.

„Im Falle von Antares offenbarte die Geschwindigkeitskarte unerwartete Turbulenzen in der gigantisch ausgedehnten Atmosphäre des Sterns“, berichten die Astronomen um Keiichi Ohnaka von der Universidad Católica del Norte und haben die Ergebnisse ihrer Beobachtungen aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/nature23445) veröffentlicht.

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Bereits bekannt, da auch schon von Aug‘ aus zu erkennen, war die rötliche Farbe des im Sternbild Skorpion gelegenen relativ kühlen roten Überriesens im Endstadium, der in nicht allzu ferner Zeit als Supernova explodieren wird.

Größenvergleich zwischen dem Roten Riesen Antares (l.), dem orangenen Stern Arcturus und unserer Sonne (o.r.).
Copyright: gemeinfrei

„Seit rund 50 Jahren ist es eine offene Frage der Astronomie, wie Sterne die Antares in dieser Phase ihrer Entwicklung derart rasch an Masse verlieren“, erläutert Ohnak. Mit den neuen Aufnahmen ist den Astronomen nun ein wichtiger Schritt in Richtung der Beantwortung dieser Frage gelungen. „Die nächste Herausforderung besteht nun darin, herauszufinden, was diese turbulente Bewegung antreibt.“

Auf der Grundlage der Beobachtungsdaten erstellte das Team nun die erste zweidimensionale Geschwindigkeitskarte der Atmosphäre eines fernen Sterns. Dabei entdeckten die Astronomen turbulentes Gas geringer Dichte in weit größerer Entfernung vom Stern, als es die bisherigen Modelle vorhersagen.


Künstlerische Interpretation der neuen Daten (Illu.).

Copyright: ESO/M. Kornmesser

Daraus schließen Sie, „dass die Bewegung nicht das Ergebnis von Konvektion ist, also von Vorgängen, bei denen Energie durch Materiebewegungen aus dem Zentralbereich in die äußere Atmosphäre eines Sterns transportiert wird – ein durchaus häufiger Vorgang bei Sternen.“ Offenbar sei ein neuer, bislang noch unbekannter Mechanismus nötig, um die Bewegungen in der ausgedehnten Atmosphäre von Roten Überriesen wie Antares zu erklären.

„In Zukunft wird es möglich sein, diese Beobachtungstechnik auf unterschiedliche Arten von Sternen anzuwenden und deren Oberflächen und Atmosphären in nie gekannter Detailschärfe zu untersuchen.  Bis jetzt waren derartige Untersuchungen nur für die Sonne möglich“ so Ohnaka abschließend. „Mit unserer Arbeit erhält die stellare Astrophysik eine völlig neue Dimension. Wir haben ein komplett neues Fenster für die Beobachtung von Sternen geöffnet.“

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