Astronom fordert Suche nach künstlichen Mega-Bauwerken um nahe Pulsare


Der Vela Pulsar, ein Neutronenstern, der nach einer Supernova-Explosion übriggeblieben ist

Copyright: NASA

Tbilissi (Georgien) – Die Idee gewaltiger künstlicher Strukturen, mit denen ferne Superzivilisationen die Energie ihres Stern direkt anzapfen könnten, wurde erstmals in den 1960er Jahren von Freeman Dyson und Nikolai Kardaschow in Form sogenannter Dyson-Strukturen formuliert und wird seit 2015 am Beispiel des einzigartigen Lichtmusters des fernen Stern als eine potentielle Erklärung dafür diskutiert (…GreWi berichtete). Jetzt vermutet ein georgischer Astronom, dass wir bislang an den falschen Orten nach derartigen künstlichen Megastrukturen gesucht haben.

Während bislang lediglich Sterne nach Hinweisen auf mögliche Dysons-Strukturen (Dyson-Sphären oder –Schwärme) untersucht wurden, erläutert Prof. Zaza Osmanov von der Freien Universität Tbilissi in einem vorab via ArXiv.org, dass genau dies der Grund sein könnte, weshalb wir bislang keine derartigen Strukturen entdeckt haben.

Schon im vergangenen Jahr veröffentlichte Osmanov einen Fachartikel, in dem er den bisherigen Vorstellungen von Dyson-Strukturen als ganze Sphärenschalen oder Schwärmen widerspricht und erläutert, warum entsprechend entwickelte Zivilisationen vermutlich viel eher ringförmige Strukturen zur direkten Energiegewinnung um ihr Zentralgestirn herum bevorzugen könnten.

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Statt um Sterne, vermutet der Astronom darüber hinaus, dass Pulsare – also schnell rotierende Neutronensterne – die sehr viel effizienteren Objekte für derartige Bauwerke wären und errechnete zudem die notwendigen Dimensionen dieser Strukturen in Abhängigkeit der Rotationsgeschwindigkeit ihrer Pulsare.

In seinem aktuellen Artikel führt Osmanov nun aus, wie die von ihm beschriebenen Megastrukturen – so sie existieren – auch gefunden werden könnten.

Dies könnte demnach durch die Entdeckung bestimmter Energiesignaturen im infraroten Spektrum geschehen und beschreibt Verfahren, die schon mit heute vorhandenen Instrumenten entsprechende infrarote Strahlung im uns unmittelbar umgebenden lokalen Universum finden könnten.

Die bisherigern Berechnungen von Kardashow zugrundeliegend, wonach eine Dyson-Sphäre einen Abstand von rund einer Astronomischen Einheit (AE/AE = Abstand zw. Erde und Sonne) zu seinem Stern haben und damit innerhalb dessen habitabler Zone liegen müsste und die Strukturen damit bei Temperaturen von 200 bis 300 Kelvin im infraroten Spektrum sichtbar machen würde, verlagert auch Osmanov entsprechende Strukturen in die habitable Zone vergleichsweise langsam rotierender Pulsare – Pulsare also mit einer Rotationsperiode von etwa einer halben Sekunde.

Laut Osmanovs Berechnungen würde eine ringförmige Struktur mit entsprechender Distanz zu ihrem Pulsar Temperaturen von etwa 390 Kelvin (116.85 °C) abstrahlen, wäre damit als solche im Infrarotspektrum sichtbar und schon heute etwa mit dem Very Large Telescope Interferometer (VLTI) oder dem Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE) auffindbar, die auf diese Weise Distanzen von bis zu 652 Lichtjahren absuchen könnten.

Innerhalb von 0,2 Kiloparsec (kpc; 1 Parsec = 3,26 Lichtjahre) Distanzen vermutet der Wissenschafter 64 ± 21 derart untersuchbare Pulsare. Würde dieser Radius mit Hilfe zukünftiger IR-Teleskope auf bis zu 1 kpc ausgedehnt, lägen schon 1600 ± 530 in unserer optischen Reichweite.

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