Leitender NASA-Missionswissenschaftler: „Auf Pluto könnte es einen verborgenen Ozean und Leben geben“

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Blick auf die Pluto-Oberfläche mit der darüberliegenden vielschichtigen und komplexen Atmosphäre.
Copyright: NASA/JHUAPL/SwRI/Gladstone et al./Science (2016)

San Antonio (USA) – Vor dem Hintergrund einer Artikelreihe zu den Ergebnissen des Vorbeifluges der NASA-Sonde „New Horizons“ an Pluto im vergangenen Juli hat sich der die Mission leitende Wissenschaftler Alan Stern zuversichtlich darüber gezeigt, dass es unter der eisigen Oberfläche des ehemals neunten Planeten im Sonnensystem heute noch einen verborgenen Wasserozean – und darin vielleicht sogar Leben geben könnte.

Obwohl Pluto rund 40 mal weiter von der Sonne entfernt ist als der etwas größere Erdenmond, belegen die weiterhin eintreffenden Daten des New-Horizons-Vorbeifluges, dass Pluto bis heute geologisch aktiv ist. Tatsächlich könnte Pluto sogar dem deutlich wärmeren Erdnachbarn Mars die Show stehlen, wenn es um die geologische Aktivität der Himmelskörper geht. Dafür sprechen zumindest die jetzt im Fachjournal „Science“ veröffentlichte Artikelreihe der NASA-Wissenschaftler, die u.a. die Berge auf Pluto, Gletscherflüsse, gewaltige Eis- und vulkanartige Kraterberge (…GreWi berichtete) aber auch die komplexe und erstaunlich kompakte Atmosphäre aus Stickstoff, Kohlenmonoxid und Methan beschreibt.

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Der Antrieb der Aktivität liegt wahrscheinlich im natürlichen Zerfall radioaktiver Elemente im Plutogestein und anderer Quellen, die – davon zeigt sich Stern gegenüber „Discovery News“ überzeugt – auch einen unterirdischen Ozean mit ammoniakreichem Wasser in flüssiger Form halten könnte.

„Wir kennen bereits ein gutes halbes Dutzend Welten, darunter die Saturn- und Jupitermonde Enceladus, Europa und Ganymed, die derart verborgene Ozeane besitzen. Und jetzt, so scheint es, gibt es einen solchen Ozean auch im Innern des Pluto“, so Alan Stern vom Southwest Research Institute (SRI).

Über die Wahrscheinlichkeit von Leben auf Pluto erläutert der Planetenwissenschaftler folgendes: „Immer dann, wenn flüssiges Wasser vorliegt, so beginnen sich Astrobiologen für einen Ort im All zu interessieren. Das ist auch das, was ich derzeit in dieser Frage unterschreiben kann.“

Für erdartiges Leben benötige ein Planet Wasser, eine Energiequelle und die richtige chemischen Elemente und natürlich genügend Zeit, fügt auch der Planetenwissenschaftler William McKinnon von der Washington University in St. Louis hinzu:

„Alles, was wir derzeit zu Pluto sagen können ist, dass wir glauben, dass auch Pluto einen Ozean besaß und dass dieser Ozean bis heute existieren könnte“, so McKinnon ebenfalls gegenüber „Discovery News“. „Ein solcher Ozean befände sich jedoch tief im Innern des Pluto in vollständiger Dunkelheit. Aber er befände sich zwischen einer oberen Schicht aus darauf schwimmendem Eis und felsigem Untergrund. Das Wasser stünde also mit Gestein in Kontakt. Um das Wasser flüssig zu halten, müsste auch genügend Wärme abgegeben werden. Natürlich kann man nichts ausschließen, aber jegliche Überlegungen über Leben auf Pluto sind (derzeit noch) reine Spekulation.“


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Pluto und sein größter von fünf Monden, Charon – aufgenommen von der NASA-Sonde „New Horizon“ am 14./15. Juli 2015

Copyright: NASA/JHUAPL/SwRI

Aus den Missionsdaten geht auch hervor, dass auch der größte Plutomond Charon einst einen inneren Ozean besaß, der Mond jedoch seit rund zwei Milliarden Jahren geologisch inaktiv ist und der einstige Ozean heute fest zugefroren ist (…GreWi berichtete).

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