Grundsatzurteil: Bundestag muss Einsicht in UFO-Akte geben

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Das Gebäude des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig.

Copyright: Ansgar Koreng / CC BY-SA 3.0 DE

Leipzig (Deutschland) – Vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig kam es heute zu einer Grundsatzentscheidung in Sachen Informationsfreiheit mit weitreichenden Konsequenzen: Die Verwaltung des deutschen Bundestages muss Zugang zur sogenannten „UFO-Akte des Bundestages“ (…GreWi berichtete) geben. Von der Entscheidung ist jedoch nicht nur die Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste in Sachen UFOs, Außerirdische und ein mögliches Interesse der Bundesregierung an deren Erforschung betroffen. Das Urteil bezieht sich auch auf alle anderen Expertisen der Wissenschaftlichen Dienste, die der Bundestag mit großem juristischen Aufwand geheim halten wollte.

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In einer Pressemitteilung erläutert das Bundesverwaltungsgericht das Urteil wie folgt:

Bundestag muss Zugang zu Ausarbeitungen der Wissenschaftlichen Dienste gewähren

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute entschieden, dass die Bundestagsverwaltung Zugang zu den Ausarbeitungen der Wissenschaftlichen Dienste gewähren muss.

Der Kläger im Verfahren BVerwG 7 C 1.14, ein Journalist einer überregionalen Tageszeitung, begehrt unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz Ablichtungen von Dokumenten der Wissenschaftlichen Dienste und des Sprachendienstes des Deutschen Bundestages, die in den Jahren 2003 bis 2005 auf Anforderung des früheren Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg erstellt und von diesem für seine Dissertation verwendet wurden. Der Kläger im Verfahren BVerwG 7 C 2.14 verlangt Einsicht in die auf Anforderung einer Bundestagsabgeordneten von den Wissenschaftlichen Diensten erstellte Ausarbeitung „Die Suche nach außerirdischem Leben und die Umsetzung der UN-Resolution zur Beobachtung unidentifizierter Flugobjekte und extraterrestrischer Lebensformen“. Der Bundestag lehnte beide Anträge ab: Das Informationsfreiheitsgesetz, das grundsätzlich jedermann gegenüber Behörden des Bundes einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen gewährt, sei nicht anwendbar, weil die Unterlagen der Mandatsausübung der Abgeordneten zuzurechnen und deswegen vom Informationszugang ausgenommen seien. Das Oberverwaltungsgericht hat sich dieser Rechtsauffassung angeschlossen und die Klagen in zweiter Instanz abgewiesen.

Das Bundesverwaltungsgericht ist dem nicht gefolgt. Der Deutsche Bundestag ist, soweit es um Gutachten und sonstige Zuarbeiten der Wissenschaftlichen Dienste geht, eine informationspflichtige Behörde. Er nimmt in dieser Hinsicht Verwaltungsaufgaben wahr. An dieser rechtlichen Einordnung ändert sich nichts dadurch, dass die Abgeordneten diese Unterlagen für ihre parlamentarischen Tätigkeiten nutzen, auf die das Informationsfreiheitsgesetz keine Anwendung findet. Das Urheberrecht steht weder der Einsicht in diese Unterlagen noch der Anfertigung einer Kopie entgegen.
BVerwG 7 C 1.14 – Urteil vom 25. Juni 2015

Vorinstanzen:
OVG Berlin-Brandenburg 12 B 21.12 – Urteil vom 13. November 2013
VG Berlin 2 K 185.11 – Urteil vom 14. September 2012

BVerwG 7 C 2.14 – Urteil vom 25. Juni 2015

Vorinstanzen:
OVG Berlin-Brandenburg 12 B 3.12 – Urteil vom 13. November 2013
VG Berlin 2 K 91.11 – Urteil vom 01. Dezember 2011

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