Entwarnung: Polumkehr steht nicht mittelbar bevor

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Künstlerische Darstellung einer Polumkehr.

Copyright: Huapei Wang (with material courtesy of NASA’s Earth Observatory) and edited by MIT News

Cambridge (USA) – Forscher geben Entwarnung: Zwar nimmt die Intensität des Erdmagnetfeldes seit 200 Jahren auf eine Art und Weise nachweisbar ab, dass diese Entwicklung in Zukunft wohl auf eine Polumkehr hinausläuft, während derer unserer Planet kaum vor schädlicher solarer und kosmischer Strahlung geschützt wäre, dennoch steht dieses Ereignis nicht in absehbarer Zeit bevor.

Ein stark abgeschwächtes geomagnetisches Feld, könnte über lange Zeiträume andauern, bevor das Magnetfeld wieder in einen stabilen Zustand eintritt. Während dieser Zeit wären nicht nur Lebewesen auf der Erdoberfläche erhöhter Strahlung ausgesetzt, diese könnte auch jede Form elektronischer Geräte – vom  Herzschrittmacher bis zu den Energienetzwerken – schädigen und den inneren Kompass von Wandertieren dramatisch stören.

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Wie Forscher um Huapei Wang vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) nun jedoch aktuell im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1505450112) berichten, stehe eine solche Polumkehr zumindest in absehbar mittelfristigen Zeiträumen trotz des sich abschwächenden Magnetfeldes nicht an.

In ihrer Studie haben die Forscher den Durchschnittswert der Stabilität des Erdmagnetfeldes während der vergangenen fünf Millionen Jahre ermittelt und dabei festgestellt, dass der aktuelle Wert nahezu dem doppelten Wert dieses historischen Durchschnittswertes entspricht. „Das bedeutet, dass das derzeitige Erdmagnetfeld noch wirklich weit davon entfernt ist, einen derart instabilen Zustand zu erreichen, der zu einer Polumkehr führen würde.“

Tatsächlich gab es in der Erdgeschichte bereits mehrere Umkehrungen des geomagnetischen Feldes in unterschiedlichen Intervallen: „Manchmal gab es 40 Millionen Jahre lang keine Umpolung, dann gab es wieder gleich 10 innerhalb von nur einer Million Jahren“, erläutert Wang und führt weiter aus. „Im Durchschnitt kommt es alle einige hunderttausend Jahre zu zwei Umkehrungen. Die Letzte Polumkehr ereignete sich vor rund 780.000 Jahren. Tatsächlich ist also eine nächste Umkehr eigentlich überfällig.“

Ein deutliches Anzeichen für eine bevorstehende Umkehr ist ein deutlich unter den historischen Mittelwert abgeschwächtes Feld. Die derzeitige Intensität des Erdmagnetfeldes nehme zwar ab, liege aber noch ungewöhnlich deutlich über diesem historischen Durchschnitt: „Das Feld schwächt sich derzeit also auf den Langzeit-Mittelwert ab und nicht von diesem Mittelwert Richtung Null“, so die Wissenschaftler.

Wann die Umkehr jedoch genau zu erwarten ist, können auch die Forscher nicht sagen: „Was wir derzeit sagen können, dass es bei der derzeitigen Abschwächungsrate wohl noch weitere 1.000 Jahre dauern wird, bis die Intensität des geomagnetischen Feldes auf dem Langzeit-Mittelwert abgefallen ist“, so Wang abschließend. „Von da an könnte sich die Intensität dann auch wieder erhöhen oder weiter abfallen – das sind geodynamische Prozesse, die niemand so genau vorhersagen kann.“

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