Erste Nahaufnahmen von Pluto und seinem Mond Charon

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Eisige Hügel und Berge prägen die Landschaft auf dieser ersten Nahaufnahme der Pluto-Oberfläche.
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Copyright: NASA/JHU APL/SwRI

Washington (USA) – Die NASA-Sonde „New Horizon“ hat die ersten Aufnahmen von ihrem Vorbeiflug am Pluto-System in nur rund 12.000 Kilometern Entfernung zur Erde gefunkt. Die Bilder übertreffen sämtliche bisherigen Aufnahmen des einst neunten Planten des Sonnensystems und offenbaren zahlreiche faszinierende Oberflächenmerkmale.

„Die neuen Daten zu Pluto und Charon sind einfach atemberaubend“, zeigt sich der Hauptuntersucher der Mission, Alan Stern vom Southwest Research Institute (SwRI) begeistert. Besonders eine Nahaufnahme eines Geländes in der Äquatorregion, südlich der herzförmigen hellen Region, fasziniert die Forscher derzeit. Der Bildausschnitt zeigt zahlreiche Hügel und eine Bergkette von bis zu 3,500 Metern Höhe. „Diese Berge auf Pluto sind wahrscheinlich vor rund 100 Millionen Jahren entstanden“, so die NASA. „Das belegt, dass diese Region, die etwa ein Prozent der Oberfläche des Zwergplaneten einnimmt, bis heute noch geologisch aktiv ist. Es ist damit eine der jüngsten Oberflächen, die wir bislang überhaupt im Sonnensystem gefunden haben.“

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Im Gegensatz zu den Eismonden der großen Gasplaneten, wird Pluto nicht durch Schwerkraftinteraktion mit einem deutlich größeren Körper durchgewalgt. Es muss also andere Prozesse geben, die für die Auffaltung dieser Berge verantwortlich sind. „Das könnte unsere Vorstellung davon, was geologische Aktivität auf Eiswelten wie Pluto neu definieren könnten“, erläutert John Spencer vom SwRI.

Erste Spektralanalysen zeigen zudem, dass es auf der Pluto-Oberfläche neben Wassereis auch Methaneis gibt. Allerdings unterscheidet sich offenbar die Zusammensetzung der Oberfläche von Region zu Region.

Auch die erste Ansicht des Pluto-Mondes Charon offenbart ein dort geradezu „jugendliches“ Terrain. Besonders überrascht zeigen sich die NASA-Wissenschaftler von dem Umstand, dass Charon nur auffallend wenig Einschlagskrater aufweist.

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Der größte von fünf Pluto-Monden, Charon in der Nahaufnahme.
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Copyright: NASA/JHU APL/SwRI

Ein Streifen von Klippen und Senken von rund 1.000 Kilometern Länger legt nahe, dass Charons Kruste das Ergebnis innerer geologischer Prozesse ist. Das Bild zeigt zudem einen Canyon von 7 bis 9 Kilometern Tiefe. Die dunkle Verfärbung der Polregion erklären sich die Forscher indes durch eine dünne Schicht von Ablagerungen.

Neben dem sogenannten Doppelplaneten-System Pluto und Charon hat „New Horizons“ auch die vier weiteren, aber deutlich kleineren Plutomonde Nix, Hydra, Styx und Kerberos ins Visier genommen.

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Der Pluto-Mond Hydra
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Copyright: NASA/JHU APL/SwRI

Auch zu einem dieser Monde, Hydra, liegt schon ein erstes Foto vor, dass die unregelmäßige Form des gerade einmal 43 x 33 Kilometern großen Mondes zeigt. Die Aufnahme legt zudem nahe, dass Hydras Oberfläche von Wassereis überzogen ist.

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