Fachartikel zum treibstofflosen Antrieb „EmDrive“ vor Veröffentlichung

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Computermodell des Partikelflusses beim EmDrive.

Copyright: Harold White / Eagleworks

Houston (USA) – Beim sogenannten „EmDrive“ handelt es sich um ein Konzept, das elektrische Energie mittels Mikrowellen in Schubkraft umwandeln soll – ohne dabei ein Treibmittel zu benötigen. Während Kritiker das Prinzip ins Reich der Pseudowissenschaft verbannen, verweisen selbst NASA-Wissenschaftler auf ihre erfolgreichen Tests, bei der auch ohne Treibmittel eine Schubkraft des Antriebs gemessen wurde. Wie das möglich sein könnte, ist weiterhin umstritten. Jetzt kündigt einer der führenden Wissenschaftler dieser Experimente die Veröffentlichung eines Artikels in einem anerkannten Fachjournal an.

Wie Paul March vom Eagleworks-Labor für fortgeschrittene Antriebstechnologien am Johnson Space Center der NASA auf die Behauptung eines Diskussionsteilnehmers im NASA-Spaceflight-Forum, die EM-Erforschung bei Eagleworks sei „gestorben“, erläuterte, unterliege der neue Fachartikel bereits dem Peer-Review-Prozess eines Fachjournals. Allerdings verlaufe diese Expertenbegutachtung und -Diskussion (wie üblich) schleppend.

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Während March noch nicht Preis gibt (Informationsstand: 28. März 2016), um welches Journal es sich genau handelt, unterstreicht er erneut, dass der mit dem Modell in Laborgröße gemessene Minimalschub nicht durch andere Effekte erklärt werden könne.

GreWi wird weiterhin berichten…

Hintergrund
Beim „EmDrive“ (ElectroMagnetic Drive), handelt es sich um das Konzept des britischen Wissenschaftlers und ehemaligen EADS-Atrium-Ingenieurs Dr. Roger Shawyer, das elektrische Energie mittels Mikrowellen in Schubkraft umwandeln soll – ohne dabei allerdings ein Treibmittel zu benötigen.

Trotz der Behauptungen chinesischer Forscher, das Konzept bereits erfolgreich getestet zu haben, verbannten die meisten westlichen Wissenschaftler den „EmDrive“ ins Reich der Phantasie und Pseudowissenschaft – da es schließlich dem physikalischen Impulserhaltungsgesetz widerspreche.

2014 hat jedoch selbst die NASA das Konzept überprüft und in einem Fachartikel ebenfalls bestätigt, dass der Antrieb „prinzipiell tatsächlich funktioniere“ (…GreWi berichtete).

Da der „EmDrive“ ohne Treibstoff auskommt und die notwendigen Mikrowellen mittels Solarenenergie erzeugt werden können, könnte der Antrieb völlig neue Wege und Möglichkeiten der Raumfahrt aufzeigen, da das Konzept „eine (Antriebs-)Kraft erzeugt, die keinem klassischen elektromagnetischen Phänomen zugeschrieben werden könne“.

Der Antrieb bediene sich dabei möglicherweise subatomarer Teilchen, so die Vermutung der NASA-Wissenschaftler. Andere Forscher, wie auch der Erfinder des EmDrive, vermuten hinter dem auf den ersten Blick an das Konzept eines Perpetuum mobile erinnernden Antrieb einen Effekt der speziellen Relativitätstheorie (SRT).

Bislang beläuft sich der angeblich gemessene Schub noch im Bereich von Mikronewton und damit tatsächlich derart gering, dass die beteiligten Wissenschaftler alles daran setzten, auch unvorhergesehene Effekte und Phänomene als falsche Schubmessung auszuschließen. Sollte sich die Schubentwicklung sozusagen aus dem Nichts jedoch bestätigen und der EmDrive auf Raumschiffproportionen vergrößert werden können, könnte – so zeigen sich Raumfahrtvisionäre zuversichtlich – die etwa Reise zum Rand unseres Sonnensystems auf wenige Monate im Vergleich zu den derzeit noch notwendigen Jahrzehnten reduziert werden.

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