Astronomen bestimmen ferne Zwerggalaxie als Quelle wiederkehrender Radioblitze

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Die Radioteleskope der Very Large Array in New Mexico.

Copyright: Hajor (via WikimediaCommons), CC BY-SA 3.0

Ithaca (USA) – Nur wenige Tage, nachdem Astronomen die Ortung von sechs weiteren schnellen Radioausbrüchen, sogenannten Fast Radio Bursts (FRBs), aus identischer Quelle wie 11 vorangegangene Signale bestätigen konnten (…GreWi berichtete), hat ein anderes Astronomenteam erstmals den Ursprung dieser bislang einzigen, sich wiederholenden Radioquelle in einer lichtschwachen Zwerggalaxie verorten können.

Wie das Team um Shami Chatterjee von der Cornell University aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/nature20797) berichtet, gelang ihnen die bislang genaueste Verortung der Signale mit Hilfe der Radioteleskope von Arecibo auf Puerto Rico, der Karl G. Jansky Very Large Array in New Mexico und des europäischen VLBI Networks.

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Die immer noch unbekannte Quelle der Radioblitze mit der Bezeichnung FRB 121102 befindet sich im Innern einer lichtschwachen, rund 2.5 Milliarden Lichtjahre entfernten Zwerggalaxie im Sternbild Fuhrmann (Auriga). Diese Zwerggalaxie strahlt sowohl schwache Radiosignale wie auch visuelles Licht ab. Weitere Beobachtungen mit dem Teleskop Gemini North auf dem Mauna Kea auf Hawaii zeigen, dass sie gerade einmal ein Zehntel der Größe und weniger als ein Tausendstel der Masse unserer eigenen Heimatgalaxie, der Milchstrasse besitzt.

04554Die Quelle der bislang einzigen wiederkehrenden schnellen Radioausbrüche mit der Bezeichnung FRB 121102.
Copyright/Quelle: Chatterjee et al. / Nature

„Diese Galaxie ist geradezu kümmerlich“, kommentiert Shriharsh Tendulkar von der kanadischen McGill University und führt weiter aus: „Und das ist ungewöhnlich, da es in Zwerggalaxien deutlich weniger Sterne gibt und somit die Wahrscheinlichkeit darauf gering ist, dass gerade eine Zwerggalaxie die Quelle dieser FRBs ist. Das trifft auch auf Neutronensterne zu, die derzeit als Hauptkandidat für eine astrophysikalische Quelle der Signale gelten.“

Jetzt hoffen Astronomen auf das Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment (CHIME), eine neue Radioteleskopanlage, mit der noch in diesem Jahr in der kanadischen Provinz British Columbia gezielt nach den Quellen der schnellen Radioblitze gefahndet werden soll.

Während Astronomen die Quelle der Signale also zusehends eingrenzen, ist immer noch offen, woher die Blitze stammen und ob es sich um  eine astrophysikalische Quelle – etwa einen Neutronenstern –  oder vielleicht auch um ebenso ungewöhnlich kurze wie intensive künstliche Signale einer fernen außerirdischen Zivilisation handelt.

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