Geologen bestätigen erstmals Existenz Flusssystem-artiger Wasseradern im Erdinnern

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Symbolbild: Flussdelta

Copyright: NASA

Berlin (Deutschland) – Bislang galt die Existenz von Flusssystem-artigen Strukturen im Erdinnern unter Geologen als unzutreffend und wurde und wird deshalb auch gerne gegen die Aussagekraft von Rutengängern und der Radiästhesie zu Felde geführt. Jetzt haben internationale Geowissenschaftler zwar nicht deren radiästhetischen Aus-Wirkungen – dafür aber die Existenz von Flusssystemen gleichenden Strukturen tief im Erdinnern nachgewiesen.

Wie das Team um Prof. Dr. Oliver Plümper von der Universiteit Utrecht und Prof. Dr. Timm John von der Freie Universität Berlin gemeinsam mit Kollegen der Universitäten von Lausanne und Genua aktuell im Fachjournal „Nature Geoscience“ (DOI: 10,1036 / NGEO2865) berichten, fanden sie Hinweise dafür, „dass Wasser im Erdinneren durch Flusssystem-artige Strukturen fließt und somit die Wasserkreisläufe der Erde in Balance hält.“

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Neben dem allseits bekannten Wasserkreislauf der Erde aus Ozeanen, aus denen Wasser zu Wolken verdunstet, auch über Land abregnet und – häufig durch Flüsse – wieder zurück in die Meere geführt wird, existiere in tief verborgenen Schichten ein zweiter Kreislauf, über den bislang nur wenig bekannt war.

„Innerhalb der tektonischen Platten der Erde werden Wassermoleküle in den gesteinsbildenden Mineralen gewissermaßen gefangen“, erläutert die Pressemitteilung der FU Berlin und führt weiter aus: „Dort, wo Platten kollidieren, bewegt sich eine der Platten mitsamt den Wassermolekülen unter die andere Platte und versinkt in das Erdinnere. Ohne einen chemischen und physikalischen Mechanismus, durch den Wasser wieder an die Erdoberfläche gelangt, würden die Meere Schätzungen zufolge binnen 1,5 Milliarden Jahren geleert sein. Doch das Wasser der Meere verschwindet nicht, wie zu beobachten ist. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern der beiden Universitäten untersuchte zum besseren Verständnis der Bewegung im zweiten Wasserkreislauf Gesteine aus Italien, die durch Gebirgsbildungsprozesse aus den Tiefen der Erde wieder herausgehoben wurden.“

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Wie im Großen, so im Kleinen: Komplexe wasserführende Kanal-Strukturen von mehreren Metern (l.), Zentimetern (m.) und Nanometern (r.) durchziehen weitflächig Gesteinsschichten.

Copyright: Plümper, John et al.

Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass sich im tiefen Wasserkreislauf im Erdinnern Wasser langsam durch das gesamte Gestein und ohne die Bildung von kanalisierenden Fließstrukturen bewegt. „Wir erweiterten die herkömmlichen Forschungsansätze um eine auf eine elektronenmikrokospische Untersuchung beruhende numerische Modellierung“, so Plümper. „Durch diesen interdisziplinären Ansatz konnten wir die Existenz und den Aufbau eines komplexen Musters von kanalisierenden Fließstrukturen innerhalb der Gesteine belegen.“

Die Forscher fanden Kanäle in Größenordnungen zwischen dem nanoskaligen Bereich und mehreren Metern Länge, die sich zu Beginn der Wasserfreisetzung im Gestein bilden und erklären dazu zusammenfassend: „Diese Kanäle gleichen versteckten Flusssystemen, durch die Wasser das feste Gestein des Erdinnern durchfließt; sie verbinden sich zu großen Aufwärtskanälen, durch die Wasser – häufig infolge vulkanischer Aktivitäten – zurück an die Oberfläche gelangt.“

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