Fossile Fußspuren auf Kreta stellen Theorien zur menschlichen Evolution in Frage


Die fossilen Fußspuren von Trachilos auf Kreta.

Copyright: Andrzej Boczarowski

Warschau (Polen) – Jahre lang galten versteinerte Fußspuren nahe Trachilos auf Kreta unter Wissenschaftlern als die Spuren eines Säugetiers. Eine neue Studie der fossilen Spuren zeigt nun jedoch, dass es sich um die Abdrücke eines Frühmenschen zu handeln scheint. Mit einem Alter von 5,7 Millionen Jahren stellen die Abdrücke damit die bisherige Vorstellung der frühen menschlichen Evolution in Frage – stammen sie doch aus einer Zeit, in der bisherige Theorien unsere Vorfahren alleinig in Afrika ansiedeln. Damit stützen auch die Spuren von Trachilos jüngste Funde in Südosteuropa und heizen die Debatte über die „Wiege der Menschheit“ mit Sicherheit erneut an.

Seit den Funden des Australopithecus in Süd- und Ostafrika Mitte des 20. Jahrhunderts, gilt Afrika als „Wiege der Menschheit“. Tatsächlich scheinen immer neue Funde – nicht zuletzt die eis offenbar schon vor 3,7 Millionen Jahren aufrecht gehenden Frühmenschen mit menschenartigen Füßen (…GreWi berichtete) diese Theorie zu bestätigen, laut der der Mensch einst in Afrika entstand, danach hier aber für mehrere Millionen von Jahren isoliert blieb, bevor er sich auf den Weg nach Asien und Europa machte.

Die nun von den Forschern um Gerard Gierlinski und Grzegorz Niedzwiedzki vom Polnischen Geologischen Institut im Fachjournal „Proceedings of the Geologists‘ Association“ (DOI: 10.1016/j.pgeola.2017.07.006) veröffentlichte neue Analyse der 2002 von Gerald Gierlinski auf Kreta entdeckten Spuren, datieren die Wissenschaftler jedoch auf ein Alter von 5,7 Millionen Jahren – und weisen dennoch schon menschenartige anatomische Merkmale der Füße auf und deuten damit auf eine offenbar komplexere Historie der Entstehung und Entwicklung des Menschen.

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Während also der Fuß des kürzlich an der Fundstelle Laetoli im nördlichen Tansania entdeckten Australopithecus schon menschenartige Eigenschaften aufweist, glichen die Füße des rund 4,4 Millionen Jahre alten Ardipithecus ramidus, der in Äthiopien gefunden wurde, mit dem seitlich abstehenden großen Zeh (Halloux) noch eher dem von Menschenaffen bzw. menschlichen Händen, weshalb dieser als direkter Vorfahre der späteren Homininen und der menschenähnliche Fuß damals als noch nicht entwickelt galt.

Alternativ, so schränken die Forscher ihre Deutung der Spuren als die von Frühmenschen selbst ein, könnte es sich auch um Spuren einer bislang gänzlich unbekannten Primatenart handeln.

Detailansicht eines der Abdrücke.
Copyright: Andrzej Boczarowski

Die 2002 von Gierlinski nahe Trachilos im westlichen Kreta entdeckt Fußspuren, zeigen nun jedoch eindeutig menschenähnliche Eigenschaften auf – und das, obwohl sie mit 5,7 Millionen Jahren deutlich älter sind als die des Ardipithecus ramidus, geschweige denn des Australopithecus aus Laetoli. Allerdings sind die Spuren auch jünger als die anderer Frühmenschenfossilien, wie sie in Kenia oder dem Tschad gefunden wurden.

Damit stützen auch die Spuren von Trachilos jüngste Funde in Südosteuropa, deren Alter Wissenschaftler kürzlich auf 7,2 Millionen Jahre datiert hatten (…GreWi berichtete).

Zum Fundort erläutern die Forscher: „Zur Zeit, als die Fußspuren von Trachilos hinterlassen wurden, einer Periode die als das Späte Miozän bezeichnet wird, gab es die Saharawüste noch nicht und savannenartige Landschaften reichten von Nordafrika bis in den östlichen Mittelmeerraum. Zudem war Kreta noch mit den heutigen griechischen Festland verbunden. Deshalb ist es auch nicht schwer vorstellbar, wie sich frühe Homininen sowohl in Afrika als auch im südöstlichen Europa ausgebreitet haben konnten.“

„Auch die neuerliche Entdeckung bzw. Neudatierung der Spuren von Trachilos stellen also das bisherige Bild der frühen menschlichen Evolution in Frage und heizen die Debatte um die ‚Wiege der Menschheit‘ sicherlich erneut an“, so Prof. Per Ahlberg von der Universität Uppsala und Mitautor der Studie abschließend: „Ob nun auch die Wissenschaftsgemeinde diese Spuren als Beweis für die damalige Anwesenheit von Frühmenschen auf Kreta während des Miozäns akzeptieren wird, bleibt abzuwarten.“

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