Götter-Astronauten: Doktorarbeit zu Dänikens „Paläo-SETI-Mythologie“ als Buch erschienen


Umschlagsabbildung: „Götter-Astronauten“ von Jonas Richter vor dem Hintergrund eines Porträts von Erich v. Däniken.

Copyright: LIT (Buch) / Tatjana Ingold (Däniken), Kollage: grewi.de

Münster (Deutschland) – Eine Doktorarbeit, die sich mit „Erich von Däniken und (seiner) Paläo-SETI-Mythologie“ auseinandersetzt ist jetzt in Buchform erschienen und beschreibt die weltanschaulichen Grundannahmen, auf denen Dänikens Argumentation beruht. Grenzwissenschaft-Aktuell sprach mit den Autor und verlost ein Exemplar des Buches.

„Waren die Götter Astronauten? Diese Position vertritt die Prä-Astronautik oder Paläo-SETI, eine grenzwissenschaftliche Laienforschung. Erich von Däniken ist auf diesem Gebiet der erfolgreichste Autor. Er behauptet, dass Außerirdische vor Urzeiten die Erde besucht und die Entwicklung der Menschheit beeinflusst haben. Sie seien als Götter verehrt worden, und Spuren ihres Wirkens fänden sich bis heute – würden aber von der Menschheit missverstanden“, so der Klappentext des Verlags.

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Grenzwissenschaft-Aktuell (GreWi) hat den Autoren, Dr. Jonas Richter, der seine Dissertation 2015 an der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen verfasste, zu seiner Arbeit befragt.

GreWi: Herr Richter, wie kamen Sie auf das Thema ihrer Dissertation?

Jonas Richter

Jonas Richter: „Die Arbeit wurde angeregt durch meinen Professor im Fach Religionswissenschaft, Andreas Grünschloß. Er hatte sich mehrfach mit ufologischen Mythen und Religionen befasst, und wusste, dass das prä-astronautische Weltbild zumindest teilweise in diesen Kontexten relevant ist – und dass es bisher keine umfassende Aufarbeitung von Dänikens Schriften gibt. So kam ich zu meinem Dissertationsthema.“

GreWi: Können Sie den Inhalt Ihrer 365 Seiten starken Arbeit für den interessierten Leser kurz zusammenfassen?

Richter: Anhand von Dänikens Sachbüchern geht meine Arbeit unter anderem den Fragen nach, welches Erkenntnisinteresse hinter seiner Paläo-SETI-Forschung steht und was sich über seine Methodik und Argumentation sagen lässt, was Däniken von Religionen erwartet und wie er ihr Verhältnis zur Wissenschaft sieht, welche Rolle seine eigene Religiösität für sein prä-astronautisches Weltbild spielt. Ein anderer Abschnitt ist dem Vergleich von Däniken mit einigen anderen Autoren, aber auch mit der raelianischen UFO-Religion gewidmet.

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GreWi: Was liefert ihre Arbeit, was andere frühere Kommentare und auch Kritiken an Däniken bislang noch nicht geliefert haben?

Richter: „Als kulturgeschichtliche Untersuchung zu Däniken schließt die Arbeit eine große Lücke in der bisherigen Forschung.“

GreWi: Darf bzw. kann man sich im akademischen/philosophichen Kontext mit „Däniken & Co“ nur kritisch auseinandersetzen: sprich: Seine Hypothesen „nur“ in Form von angebl. „Mythen“, Neo-Religionen und Sekten (Raelianer) diskutieren? Was, wenn der besprochene Autor (Däniken, EvD) einer solche Auslegung seiner intensionen und Aussagen gänzlich wiederspricht?

Richter: Ich sehe kein Problem damit, dass EvD und ich unterschiedlicher Ansichten sein können. Er darf natürlich meinen Aussagen widersprechen, warum auch nicht? Genauso darf ich doch aber auch eine eigene Meinung vertreten.

Im akademischen Bereich muss man sich – mit jedem Thema – gründlich, reflektiert, ergebnisoffen und methodisch sauber auseinandersetzen. Kritisch, aber nicht in dem Sinne, dass man etwas kritisiert, sondern dass man alle Annahmen überprüft und hinterfragt – auch die eigenen. Natürlich passieren da Fehler, wir sind alle nur Menschen. Aber solche Fehler offen anzusprechen und zu überwinden ist Teil des wissenschaftlichen Ideals.

Aus meiner Sicht gibt es keine Basis dafür, Dänikens Geschichtsbild als historische Tatsache zu behandeln – wie er selbst sagt, gibt es bislang keinen Beweis, es ist also hypothetisch, ein ausgedehntes Gedankenspiel. Das ich von der Paläo-SETI-Mythologie spreche, ist meines Erachtens keine Reduktion (dein „nur“ klingt danach), sondern eine vollwertige Betrachtungsweise. Selbstverständlich kann man sich Paläo-SETI auch unter anderen Gesichtspunkten vornehmen, z.B. als Laienwissenschaft oder als soziales Phänomen.

Däniken ist als Thema in der Religionswissenschaft ungewöhnlich, allerdings habe ich auch keine Stigmatisierung erlebt. Ich wurde im Fach wegen meines Themas nicht ausgegrenzt oder schief angeschaut. Hätte ich versucht, zu beweisen, dass Däniken Recht hat, wäre das wahrscheinlich anders gewesen, aber in der Religionswissenschaft wird meistens agnostisch verfahren: Es geht nicht darum, welche Religion im Besitz der Wahrheit ist, sondern darum, die Geschichte, Strukturen und Funktionsweisen von Religion(en) besser zu verstehen.

Sie sprechen neben dem akademischen Kontext die Philosophie gesondert an, aber ich kenne mich damit zu wenig aus, um dazu etwas sagen zu können. Däniken hat selbst 1995 in „Der Jüngste Tag hat längst begonnen“ den Begriff „Paläo-SETI-Philosophie“ verwendet, aber später nicht wieder aufgegriffen. Jedenfalls hat EvD nichts dazu geschrieben, was genau er damit bezeichnen will, und inwiefern sich diese Philosophie von seiner sonstigen Prä-Astronautik unterscheiden soll.

Ich vermute, er hat damit nichts anderes gemeint als das, was er seit Jahrzehnten betreibt, und „Philosophie“ ist in dem Zusammenhang vielleicht eher umgangssprachlich als „modellhafte Betrachtungsweise“ zu verstehen.

GreWi: Haben Sie Ihre Arbeit auch Herrn v. Däniken selbst zukommen lassen – und wenn ja, hat er sich dazu geäußert?

Richter: Nein, wobei ich sie auch nicht geheim gehalten habe. Ich habe das Thema niemandem aufgedrängt, aber wenn es sich im Gespräch mit Leuten aus der Szene ergab, hab ich natürlich auch erwähnt, dass ich über Dänikens Sachbücher promoviere.

– Eine Leseprobe aus dem Buch finden Sie HIER und HIER

Jonas Richter: „Götter Astronauten – Erich von Däniken und die Paläo-SETI-Mythologie“
LIT Verlag, 366 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-643-13655-8 Preis: 39.90 EUR

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