GreWi-Fallanalyse: Kugel-UFO über Steinkreis fotografiert?


Zeigt dieses Handyfoto ein UFO (s. Detailvergrößerung) am Himmel über dem Steinkreis von Avebury im englischen Wiltshire?

Copyright/Quelle: Shawn Randall

Saarbrücken (Deutschland) – Immer wieder erreichen mich Leserzuschriften mit der Bitte um eine Erklärung für ungewöhnliche Erlebnisse, Erfahrungen oder gar Foto- und Filmaufnahmen. Die neue Reihe GreWi-Fallanalyse stellt die Ergebnisse der Untersuchung dieser Fälle vor. Heute: Das Foto eines vermeintlichen kugelförmigen UFOs über einem Steinkreis von Avebury.

Oft sagt ein Bild mehr als tausend Worte. So schien es zunächst auch angesichts einer Aufnahme, die mir (Andreas Müller, GreWi-Hrsg.) Mitglieder einer Reisegruppe schickten, die im Sommer im englischen Wiltshire unterwegs war.

Detailvergrößerung im Original (o.) und kontrastverstärkt (u.).
Copyright/Quelle: Shawn Randall (Bearb. grenzwissenschaft-aktuell.de)

Aufgenommen wurde das Foto am 8. August 2017 gegen 21 Uhr aus dem Innern des Steinkreises von Avebury in Richtung des nahegelegenen Hackpen Hill mit der Kamera eines Mobiltelefons. Und tatsächlich wirkt das ungewöhnliche Bilddetail nicht zuletzt vor dem dunklen Wolkenhintergrund recht beeindruckend.

Allerdings: Während der Aufnahmen selbst hatte niemand das eigentlich doch vergleichsweise auffallende „Objekt“ am Himmel direkt gesehen. Umso aufgeregter war die Gruppe denn auch, als es bei der Durchsicht der Bilder entdeckt wurde.

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Die Auswertung der Bilddaten zeigt, dass das Bild ohne Blitzlicht mit einem Samsung-Telefon Modell G-900V aufgenommen wurde. Die Reflexion des Blitzlichts eines Insekts oder sonstigen Schwebeteilchens direkt vor der Kamera, wie sie für viele sogenannter „Orbs“ verantwortlich sind, kann also als Erklärung in diesem Fall ausgeschlossen werden.

Zugleich liefert aber die Lichtsituation der Aufnahme selbst – gegen das durch die dunklen Wolken mehr oder weniger auf eine Punktquelle reduzierte Sonnenlicht fotografiert – einen Ansatzpunkt in Richtung einer Lichtreflexion (Lens Flare) als mögliche Erklärung für das fragliche Bilddetail.


Das Originalbild

Copyright/Quelle: Shawn Randall

Während das potentielle UFO-Detail im ersten Moment auch bei mir Interesse weckte, kamen mir zugleich diese Art der Verteilung der vermeintlichen das „Objekt“ umgebenden Lichter auch bekannt vor.

Tatsächlich findet das UFO-Detail in diesem Fall denn auch eine schnelle technische Erklärung in einem angesichts der Fotosituation – Aufnahme in Richtung einer hellen Lichtquelle (Sonne) vor sonstigem dunklen Hintergrund – bekannten fotografischen Effekt. Dieser sorgte schon oft für zunächst sensationell erscheinende UFO-Fotos.


Weitere Beispiele für ganz ähnliche Foto-UFOs

Quelle: https://www.metabunk.org/orbs-with-dots-pdaf-focus-pixels-in-sun-reflection-lens-flare.t8872/

Es handelt sich hierbei um die Reflexion des Sonnenlichts auf dem Sensor hinter der Kameralinse.

Bei diesen sog. PDAF-Pixeln (Phase Detection AutoFocus) handelt es sich um absichtlich vom Licht abgeschirmte Pixel auf dem Bildsensor. Mit Hilfe diesen jeweils paarweise angeordneten „blinden“ Pixeln, bzw. der Messung des Lichts zwischen diesen beiden, kann die Kamera erkennen, ob Licht aus zwei Richtungen kommend im Fokus liegt.

Hierzu ist der lichtsensible Bildchip mit einem Netz dieser Pixelpaare überzogen (s. Abb.) und es ist dieses Verteilungsmuster auf dem Chip, das der Anordnung der „Lichter“ auf unserem vermeintlichen „Kugel-UFO“ entspricht, auch wenn diese Anordnung angesichts verschiedener Sensoren variieren kann.

Detailvergrößerung eines Bildsensors mit den PDAF-Pixeln (grün).
Quelle

Was wir im Foto also als Lichtpunkte sehen, ist das Abbild der hellen Sonne, das vom Sensor reflektiert wird. Die PDAF-Pixel zeichnen sich deshalb als hellere Lichtpunkte ab, da sie mit Hilfe eines Überzugs maskiert wurden und somit das durch die Linse einfallende Sonnenlicht stärker reflektieren. Diese Reflexion spiegelt sich dann wieder in der Linse und wird zurück auf den Bildsensor geworfen, wo sie für die entsprechenden „UFO-Lichter“ innerhalb (…und in anderen ähnlichen Fällen auch mal rund um) der eigentlich runden Lichtreflexion sorgt.

Das die diese „Lichter“ umgebende runde Reflexion in unserem Bildbeispiel selbst geradezu räumlich „kugelrund“ erscheint, liegt wiederum im Lichtverlauf der gesamten Lichtsituation der Aufnahme und spiegelt buchstäblich den Hell-Dunkelverlauf des Bildes wieder. Hierbei handelt es sich um eine klassische Linsenspiegelung des Sonnenlichts. Dieser Umstand wird umso deutlicher, als dass der Kreis zusätzlich von einer klassischen linsenförmigen und farbigen Reflexion (Blendenfleck) umgeben ist (s. Abb. l.). Bei entsprechender Lichtsituation können beide Details gerade mit Mobiltelefonkameras im Handumdrehen gezielt herbeigeführt werden.


Detailvergrößerung im Original (o.) und kontrastverstärkt (u.).

Copyright/Quelle: Shawn Randall (Bearb. grenzwissenschaft-aktuell.de)

Die Lösung des Rätsels um die vermeintliche „UFO-Kugel“ über dem Steinkreis von Avebury erklärt denn auch, warum das „UFO“ während der Aufnahme selbst von den anderen anwesenden Zeugen und auch vom Fotografen selbst nicht gesehen wurde.

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Wenn auch zunächst etwas enttäuscht über die dann doch rein technisch-profane, aber selbst für den optisch-fotografischen Laien nachvollziehbare Erklärung für das durchaus zunächst „beeindruckende Bilddetail“, stimmten wir alle dann doch darin überein, dass die Erklärung das vermeintliche UFO einwandfrei erklärt und wie wichtig es ist, potentielle natürliche, technische und/oder astrophysikalische Phänomene zunächst zu überprüfen und sie vor allem auch zu (er-)kennen, bevor man ein Foto zu einem „UFO-Beweis“ erklärt, der es in Wirklichkeit gar nicht ist. Nur auf diese Weise ist es dann auch möglich, „gute“ von „schlechten“ bzw. falschen Beweisen zu unterscheiden und sich auf die guten Beweise zu konzentrieren.

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