Mini-Handabdrücke in Sahara-Höhle stammen nicht von Menschen

02204Ungewöhnlich kleine Handabdrücke im Innern der Handnegative erwachsener Menschen wurden bislang als Abdrücke von Babyhänden interpretiert. Sie stammen aber nicht von Menschen.
Copyright: Emmanuelle Honoré

Cambridge (England) – Die „Höhle der Bestien“ (Wadi Sura II) in der ägyptischen Sahara beinhaltet rund 5000 mehr als 7000 Jahre alte Felszeichnungen und wurde für die Darstellungen mysteriöser kopfloser Figuren mit langen Schwänzen, mit häufig nur drei Füßen und stierähnlichen Körpern sowie für zahlreiche menschliche Handabdrücke bekannt. Seit ihrer Entdeckung 2002 sorgten zudem die Abbildung winziger Menschenhände für Rätselraten unter den Forschern. Jetzt zeigt eine neue Analyse, dass es sich dabei gar nicht um – wie bislang vermutet – Abdrücke von Babyhänden handelt. Vielmehr weisen die Handnegative Merkmale von Echsen auf.

Wie Emmanuelle Honoré vom McDonald Institute for Archaeological Research aktuell in der Fachzeitschrift „Journal of Archaeological Science“ (DOI: 10.1016/j.jasrep.2016.02.014) berichtet, finden sich in der Höhle insgesamt 13 kleinste Handabdrücke, eingebettet in die Handflächen der Handnegative von Erwachsenen.

Gegenüber „National Geographic“ berichtet die Forscherin, wie schockiert sie war, als die erstmals bemerkte, wie klein diese „Kinderhände“ tatsächlich waren: „Sie waren sehr viel kleiner als die Hände menschlicher Babys – zugleich waren aber die Finger deutlich zu lang.“

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Anhand eines Proportions- und Maßvergleichs der kleinen Handabdrücke aus der „Höhle der Bestien“ und denen von neu- und frühgeborenen Menschenkindern (im Alter von 26 bis 42 Wochen), zeigte sich eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sich bei den „Babyhänden“ in der Höhle um Menschenhände handelt.

Eine weitere Analyse der kleinen Handabdrücke zeigte zugleich, dass diese aber nicht mit Hilfe von statischen Schablonen angefertigt wurden und es sich tatsächlich um Abdrücke einst lebendiger Hände zu handeln scheint.

Nachdem die Forscherin zunächst Primaten im Verdacht hatte, zeigte sich aber auch hier, dass deren Proportionen nicht mit den kleinen Handnegativen übereinstimmen. Statt dessen fand Honoré eine Übereinstimmung mit den Vorderfüßen von Wüstenwaranen oder jungen Krokodilen.

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Wüstenwaran (Illu.).

Copyright: gemeinfrei

Damit handelt es sich um den ersten Fall von tierischen Handabdrücken an einer verzierten Höhlenwand außerhalb Australiens und Südamerikas. Ob für die Abdrücke jedoch die Füße lebendiger oder bereits toter Tiere verwendet wurden, lasse sich anhand der Darstellungen nicht mehr rekonstruieren.

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