Studie belegt, was Herr- und Frauchen schon immer ahnten: Hunde können menschliche Emotionen erkennen

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Erläuterung des Versuchsaufbaus.

Copyright: University of Lincoln

Lincoln (England) – Was Hundebesitzer schon lange gewusst bzw. geahnt haben, wurde jetzt erstmals in einer wissenschaftlichen Studie bewiesen: Hunde sind in der Lage, auf der Grundlage einer Kombination von unterschiedlichen Sinnesinformationen auf die Gefühlslage von Menschen und anderen Hunden zu schließen. Diese Fähigkeit wurde bislang im Tierreich noch nie zuvor beobachtet.

Wie die Forscher um Dr. Kun Guo,  von der University of Lincoln und Kollegen der University of Sao Paulo aktuell im Fachjournal „Royal Society Journal Biology Letters“ (DOI: 10.1098/rsbl.2015.0883) berichten, zeigte sich zudem, dass Hunde anhand von abstrakten mentalen Darstellungen positiver und negativer emotionaler Zustände auf die Gefühlslage schließen können und bei den entsprechenden Reaktionen auf Menschen und andere Hunde nicht einfach nur erlerntes Verhalten aufzeigen.

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In ihren Experimenten konfrontierten die Forscher 17 Haushunde mit Bildpaaren und Klängen, die jeweils unterschiedliche positive (fröhliche oder verspielte) und negative (ärgerliche oder aggressive) emotionale Gesichtsausdrücke von Hunden und Menschen darstellten (s. Abb.). Diese spezifischen Quellen von Sinneseindrücken – also den Gesichtsfotos und den Audioclips von Stimmen oder Hundegebell – wurden den Tieren simultan und ohne vorheriges Training bzw. Konditionierung vorgespielt.

Wie sich zeigte, verbrachten die Hunde jeweils deutlich mehr Zeit mit dem Betrachten der Fotos, wenn diese auch dem emotionalen Zustand bzw. der Wertigkeit der Tonbeispiele, sowohl von Hunden als auch von Menschen, entsprachen.

Die dadurch demonstrierte Fähigkeit zur Kombination und Integration unterschiedlicher sensorischer Information zeigt für die Forscher, dass die Hunde über ein Gespür für die mentalen Darstellungen von positiven und negativen emotionalen Zuständen anderer verfügen.

Schon zuvor hatten Untersuchungen gezeigt, dass Hunde zwischen verschiedenen Gemütszuständen von Menschen anhand von Gesichtsausdrücken unterscheiden können (…GreWi berichtete). Dies sei aber nicht das gleiche wie das nun nachgewiesene emotionale Erkennen, so Guo und führt weiter aus: „Unsere Studie zeigt, dass Hunde die Fähigkeit haben, mindestens zwei unterschiedliche Quellen sensorischer Informationen in eine folgerichtige Wahrnehmung der Emotionen, sowohl anderer Hunde als auch von Menschen zu integrieren. Diese Fähigkeit erfordert ein System für eine innere Kategorisierung emotionaler Zustände. Diese kognitive Fähigkeit wurde bislang nur bei Primaten nachgewiesen – die Fähigkeit, dies auch artenübergreifend anzuwenden, bislang sogar nur bei uns Menschen selbst.“

„Die Debatte darüber, ob Hunde menschliche Emotionen erkennen können ist schon sehr alt. Viele Tierbesitzer haben schon in Anekdoten davon berichtet, dass ihre Haustiere höchst sensibel auf unterschiedliche Gemütslagen innerhalb ihrer menschlichen Familien reagieren“, kommentiert auch der Mitautor der Studie, Professor Daniel Mills, ebenfalls von der University of Lincoln, erklärt jedoch weiter: „Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zwischen assoziativem Verhalten, etwa einer erlernten angemessenen Reaktion beispielsweise auf eine aggressive oder wohlwollende Stimmlage und dem Erkennen und Unterscheiden unterschiedlicher Hinweise, die in Kombination auf eine bestimmten emotionalen Zustand verweisen. Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass Hunde tatsächlich die Emotionen von Menschen und anderer Hunde erkennen können.“

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Von besonderer Bedeutung für das Verständnis der Ergebnisse sei zudem, dass die Hunde zuvor kein gesondertes Training für die Experimente erfahren hatten. Die Fähigkeit der Hunde zur Kombination unterschiedlicher emotionaler Hinweise scheint also eine natürliche Eigenschaft bzw. Fähigkeit der Tiere zu sein.

„Für eine derart hochsoziale Art, wie Hunde, war die Fähigkeit des Erkennens menschlicher Emotionen von Vorteil und hat sicherlich auch eine wichtige Rolle dabei gespielt, warum wir Menschen gerade Hunde gezähmt haben“, vermuten die Forscher abschließend.

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