Sechster Sinn: Forscher findet Hinweise auf Magnetsinn auch bei Menschen

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Grafische Darstellung des Erdmagnetfeldes.

Copyright: Universität Bremen

London (England) – Nach jahrzehntelanger Forschung glaubt ein US-Wissenschaftler Hinweise dafür gefunden zu haben, dass auch wir Menschen über einen Wahrnehmungssinn für die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes verfügen.

Wie Joe Kirschvink vom California Institute for Technology (CalTech) aktuell auf dem Jahrestreffen des Royal Institute of Navigation an der University of London berichtete, zeigen reproduzierbare Experimente, die er und Kollegen durchgeführt haben, dass Menschen einen inneren Magnetsinn besitzen.

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Während der Magnetsinn in den vergangen Jahrzehnten bereits bei zahlreichen Tierarten nachgewiesen werden konnte (…GreWi berichtete, siehe Links zu früheren Meldungen unten), waren die Ergebnisse zur Vermutung, dass auch der Mensch über diesen inneren Kompass verfügen könnte, nicht eindeutig bis zweifelhaft.

Bislang haben Wissenschaftler zwei Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Magnetsinn bei Lebewesen funktioniert: Das sogenannten Magnetit-Modell geht davon aus, dass Magnetit im Innern der entsprechend fühlsamen Organismen vom Erdmagnetfeld beeinflusst wird und bestimmte neurale Kreisläufe kontrolliert. Ein anderes Modell erklärt den Magnetsinn durch sogenannte Chryptochrome in der Retina, also Flavoproteine, die als Fotorezeptoren für blaues Licht fungieren in der Netzhaut fungieren und die durch Sonnenlicht zu radikalen Molekülpaaren werden, die dann wiederum vom Magnetfeld der Erde beeinflusst werden.

– Ausführliche Artikel (in engl. Sprache) zum Thema und den Arbeiten von Joe Kirshvink finden Sie HIER und HIER

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In den Versuchen wurden Probanden, in magnetisch kontrollierbaren Kammern in Kalifornien und Kapan mittels Hirnwellenscans (EEG) untersucht. Der hierzu genutzte faradaysche Käfig ermöglicht sowohl die Abschirmung jeglicher magnetischer Felder, wie auch deren gezielte und kontrollierte Erzeugung als auch das Zulassen des Einflusses des Erdmagnetfeldes auf die sich in ihrem Innern befindliche Testperson.

Laut Kirschvik seien er und seine Kollegen in der Lage gewesen, Veränderungen der Alphawellen-Aktivität im Gehirn von Probanden nicht nur festzustellen und zu dokumentieren, sondern diese Aktivität durch gezielten Einsatz von Magnetfeldern zu reproduzieren.

Während der Wissenschaftler selbst noch einschränkt, dass seine Probandengruppe noch vergleichsweise klein sei und deshalb weitere Untersuchungen notwendig seien, zeigte er sich zuversichtlich, dass anhand der Resultate der Beweis erbracht werden könne, dass auch wir Menschen über einen der beiden bereist bekannten Magnetsinne verfügt.

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