Marsbeben könnten Roten Planeten lebensfreundlich machen

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Blick auf dem Kegel des Marsvulkans Olympus Mons

Copyright: NASA

New Haven (USA) – Eine neue Studie zeigt, dass Marsbeben im Untergrund des Roten Planeten genügend Wasserstoff erzeugen könnten, sodass zumindest hier noch heute mikrobisches Leben gedeihen könnte.

Während die meisten Tiere und Pflanzen ihre Energie aus der chemischen Reaktion von Sauerstoff und organischen Verbindungen wie Zucker beziehen, nutzen zahlreiche Mikroben eine ganze Bandbreite verschiedener chemischer Reaktionen, etwa zwischen Sauerstoff und Wasserstoff, um so auch in großen Tiefen unter der Erde zu gedeihen.

In einer aktuell im Fachjournal „Astrobiology“ (DOI: 10.1089/ast.2015.1405) veröffentlichten Studie erläutern Forscher um Sean McMahon von der Yale University nun, dass durch das Aneinanderreiben von Gesteinen während Erd- bzw. Marsbeben genügend Wasserstoff freigesetzt wird, dass auch auf dem Roten Planeten Mikroben im Untergrund davon leben könnten.

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„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sogenannte hydrogenotrophe Mikroorganismen, wie sie auf der Erde bis zu 20 Prozent der Biomasse ausmachen könnten, auch auf der Grundlage des möglicherweise von Marsbeben freigesetzten Wasserstoffs im Marsuntergrund gedeihen könnten“, so die Forscher. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass sich in Tiefen von rund 5 Kilometern heute noch große Reste des einstigen Oberflächenwassers des Mars befinden.

Allerdings gibt es auf dem Mars, auf dem es heute keinen aktiven Vulkanismus oder Plattentektonik mehr gibt, deutlich weniger Beben als etwa auf der Erde. Dennoch reiche der von der NASA-Sonde „Mars Global Surveyor“ gemessene Durchschnitt von Beben der Stärke 2 alle 34 Tage und einem Beben der Stärke 7 alle 4.500 Jahre aus, um Jährlich bis zu 10 Tonnen Wasserstoff über den Planeten zu verteilen. Diese könnten dann ausreichen, um zumindest in regelmäßigen Abständen Taschen von Mikroorganismen mit der notwendigen Lebensenergie auszustatten.

„Zwar könnte auf diese Weise nur eine kleine Menge an Biomasse erhalten werden, unser Ergebnis fügt aber ein weiteres Puzzleteilchen zur Vorstellung einer haltbaren Biosphäre auf dem Mars hinzu“ so McMahon. „Wenn wir uns Mikroorganismen auf der Erde betrachten, so finden wir auch hier Beispiele, die extrem lange Zeit in einem vermeintlich leblosen, ruhenden Zustand verbringen können, dann aber erneut zum Leben erwachen, sich reproduzieren und dann erneut für weitere 10.000 Jahre schlafen.“

In ihren Experimenten mit verschiedenen Gesteinstypen haben die Forscher auch entdeckt, dass selbst vermeintlich wasserfreie Gesteine, durch Reibung Wasserstoffgas freisetzten können: „Die Reibung scheint Wasserstoff freizusetzen, der normalerweise im Stein chemisch gebunden ist. Wie genau das passiert, müssen weitere Untersuchungen noch zeigen.“

Schon 2018 könnte die Theorie schon vor Ort, auf dem Roten Planeten auf die Probe gestellt werden. Dann startet die NASA-Sonde „InSight“ zum Mars und wird dort unter anderem die seismische Aktivität genau vermessen. „Dann wissen wir auch genau, ob es tatsächlich genügend Marsbeben gibt, als das von dem hierbei freigesetzten Wasserstoffgas mögliche Marsmikroben gedeihen können“, so McMahon abschließend.

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