Studie zeigt: Mitgefühl für Fremde kann man lernen

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Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten werden im Februar 1945 in einer vorläufigen Sammelstelle im dänischen Appenrode versorgt. Einige Stunden später wurden diese Frauen und Kinder in vorbereitete Privatquartiere in Nordschleswig gebracht.

Copyright/Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0927-501 / Krämer / CC-BY-SA 3.0

Zürich (Schweiz) – Mitgefühl für fremde Menschen kann man lernen. Überraschend positive Erfahrungen mit Fremden lösen im Gehirn einen Lerneffekt aus und steigern das Mitgefühl. Wie Forscher der Universität Zürich zeigen, reichen schon wenig positive Lernerfahrungen aus, um empathischer zu werden.

„Konflikte zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen gehen häufig auf einen Mangel an Mitgefühl oder Empathie für die jeweils Fremden zurück“, beobachten die Forscher. „Mehr Mitgefühl für Mitglieder anderer Gruppen könnte somit ein friedliches Miteinander fördern.“

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In ihrer Studie haben Forscher der Universität Zürich untersucht, ob Mitgefühl für Fremde erlernt werden kann und wie positive Erfahrungen mit Anderen empathische Hirnreaktionen beeinflussen.

Wie Grit Hein, Philippe Tobler, Jan Engelmann (jetzt am Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour, Nijmegen) und Marius Vollberg von der Universität Zürich aktuell im Fachjournal „PNAS“ (DOI: 10.1073/pnas.1514539112) berichten, haben sie hierzu Hirnaktivierungen von Probanden gemessen.

Diese machten positive Erfahrungen mit einem Mitglied ihrer eigenen Gruppe oder einem Mitglied einer Fremdgruppe. Beim Test erwarteten die Probanden schmerzhafte Schocks am Handrücken. Sie machten dann aber die Erfahrung, dass ein Mitglied der eigenen oder der fremden Gruppe Geld bezahlte, um so den Schmerz für sie zu verhindern. Vor und nach diesen Erfahrungen wurden die Hirnaktivierungen beim Beobachten des Schmerzes einer Person der Eigen- und Fremdgruppe erfasst.

„Zu Beginn der Studie löst der Schmerz des Fremden beim Beobachter schwächere Hirnaktivierungen aus als wenn ein Mitglied der eigenen Gruppe betroffen war“, erläutert die Pressemitteilung der Universität. „Nur wenige positive Erfahrungen mit einer Person der Fremdgruppe führten zu einer deutlichen Erhöhung der empathischen Hirnreaktionen, wenn einer anderen Person der Fremdgruppe Schmerz zugefügt wurde. Die neuronale Empathie nahm umso mehr zu, je stärker das neuronale Lernsignal war, das durch die positive Erfahrung mit dem Fremden hervorgerufen wurde.“

Die erhöhte empathische Hirnreaktion für die Fremdgruppe werde durch ein neuronales Lernsignal getrieben, das durch die überraschend positiven Erfahrungen mit einem Fremden entsteht. „Diese Ergebnisse zeigen, dass positive Erfahrungen mit einem Fremden auf andere Mitglieder dieser Gruppe übertragen werden und die Empathie für diese Gruppe steigern“, sagt die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Grit Hein abschließend.

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