NASA-Rover offenbart weiteres Mars-Rätsel


Blick auf die sog. Yellowknife Bay Geländeformation im Mars-Krater Gale, die sämtliche Merkmale eines einstigen Seebettes aufweist.

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Copyright: NASA/JPL-Caltech/MSSS

Pasadena (USA) – Neue Daten der mobilen Laboreinheit „Curiosity“ stellen NASA-Wissenschaftler vor ein neues Rätsel: Messungen des Kohlendioxidgehalts in jenem Gestein, das zuvor als eindeutige Hinterlassenschaften einstiger Oberflächengewässer identifiziert wurde, belegen zugleich, dass die damalige Marsatmosphäre eigentlich zu kalt gewesen sein müsste, als das Wasser in flüssiger Form hätte existieren können.

„Auf dem Mars finden sich alle Anzeichen und Beweise dafür, dass der heute kalte und trockene Planet ein deutlich wärmer und feuchter war – dass seine Oberfläche sogar vielerorts von stehenden und fließenden Wassermassen über lange Zeiträume hinweg geformt wurde“, so die NASA. „Allerdings war die damalige Sonne selbst noch rund ein Drittel kälter als heute, weswegen sich Klimamodelle des jungen Mars schwer damit tun, Szenarien vorzuschlagen, wie die Marsoberfläche überhaupt warm genug werden konnte, um besagte Gewässer zu halten.

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Die bislang führende Theorie war jene von einer im Vergleich zu heute deutlich dichteren Kohlendioxidatmosphäre, die wie eine Art Decke aus dem Treibhausgas gewirkt und so die Oberfläche des urzeitlichen Mars erwärmt haben könnte.

Doch genau für dieses Szenario konnte „Curiosity“ bis heute keinerlei Hinweise auf dem Mars finden. Stattdessen sprechen die neusten Daten sogar eindeutig gegen diese Vorstellung – gab es doch vor rund 3,5 Milliarden Jahren demnach viel zu wenig Kohlendioxid in der Marsluft, als dass dieses zu einem Treibhauseffekt geführt haben könnte.

Zudem beruhen die neusten Analysen auf Daten, die anhand des gleichen Gesteins gewonnen wurden, das zuvor eindeutig als Ergebnis eines potentiell sogar lebensfreundlichen Sees im Innern des Gale-Kraters identifiziert werden konnte.

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Statt also die für einen global erwärmenden Treibhauseffekt notwendigen Anteil vorzufinden, geht aus dem Gestein nur ein Anteil von wenigen Dutzend Millibar an Kohlendioxid hervor. (Zur Erläuterung: Ein Millibar entspricht dem tausendsten Teil des Luftdrucks an auf irdischem Meeresniveau = 1 Bar. )

Während die neuen Daten nun zwar zu den theoretischen Modellen passen und deren Aussage bestätigen, dass auch der junge Mars eigentlich nicht warm genug war, um Wasser flüssig zu halten, rätseln die NASA-Wissenschaftler nun also erneut darüber, wie das Wasser dennoch seine eindeutigen Spuren auf dem Roten Planeten hinterlassen konnte.

„Einige Forscher vermuten, dass die Gewässer nicht offen, sondern von einer dünnen Eisschicht bedeckt waren“, erläutert Robert Haberle, vom Ames Research Center der NASA, führt aber weiter aus: „Auf diese Weise könnte es zwar auch zu den heute noch auffindbaren Sedimentablagerungen gekommen sein, aber auf dem Mars finden sich keinerlei der bekannten für Eisdecken charakteristischen Merkmale in den Sedimenten.“

Die Wissenschaftler stehen also vor einem Dilemma, das der Curiosity-Projektwissenschaftler Ashwin Vasavada vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA wie folgt abschließend zusammenfasst:

„Curiosity bewegt sich durch (einstige) Flussbetten, Delta und hunderte Meter von Schlammablagerungen innerhalb einstiger Seen. Es erfordert starke hydrologische Systeme, um diese Sedimente entstehen zu lassen. Zusammen mit anderen Gasen wie Wasserstoff, galt Kohlendioxid bislang als führender Kandidat für einen den Planeten genügend erwärmenden Einfluss. Die neuen Daten widersprechen nun genau diesem Szenario.“

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