Blanke Sonne – Steht uns ein neues Maunder-Minimum bevor?

02884
Bereits seit Tagen zeigt die Sonnenscheibe keine Anzeichen von Sonnenflecken auf.

Copyright: NASA/SDO/HMI

Hagen (Deutschland) – Schon seit fünf Tagen in Folge zeigt sich unsere Sonne ohne auch nur den kleinsten Sonnenfleck – entsprechend niedrig ist die Sonnenaktivität. Experten und Beobachter vermuten, dass sich die Sonne nach ihrem derzeitigen Zyklus auf ein ausgedehntes Aktivitätsminimum zubewegt, das vergleichbar mit dem sogenannten Maunder-Minimum ausfallen könnte.

Allerdings wären die Auswirkungen eines Maunder-Minimums auf das Klima im 21. Jahrhundert eher gering, kommentiert Dominik Zgrzendek in einem ausführlichen Artikel zum Thema auf „Sonnen-Sturm.info„.

„Die Anzahl von Sonnenflecken schwankt mit einer Periode von rund 11 Jahren, einem Sonnenfleckenzyklus“, erläutert Zgrzendek. „Am meisten Sonnenflecken sind um die Jahre des Aktivitätsmaximums (zuletzt April 2014) zu beobachten, während um das Aktivitätsminimum (zuletzt 2008 und nächstens um 2020) für Monate kein einziger Fleck auf der Sonne auszumachen ist.“

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen GreWi-Newsletter bestellen +

Die Gesamtanzahl der Sonnenflecken wird mit der „Sonnenfleckenrelativzahl“ angegeben, die sich aus der Summe der zehnfachen Anzahl Fleckengruppen und aller Einzelflecken ergibt. Rund um die Aktivitätsmaxima kann diese Zahl kurzzeitig 300-400 erreichen.

Schon im ersten Halbjahr 2014 wiesen die geglätteten Sonnenfleckenrelativzahlen ein Maximum auf, so dass sich die Sonne derzeit in einer absteigenden Phase ihres Zyklus befindet. In dieser Phase sei es normal, dass sich tage- oder sogar wochenlang kein einziger Sonnenfleck auf der Sonnenscheibe zeigt – dann aber plötzlich wieder Flecken auftauchen.

Schon zuvor hatten Sonnenforscher anhand von Beobachtungsdaten vorhergesagt, dass die Sonne wohl schon bald in eine Ruhephase eintreten könnte, wie sie dem sogenannten Maunder-Minimum im 17. Jahrhundert gleichen könnte.

Das „Maunder-Minimum“ fällt zeitlich mit der „Kleinen Eiszeit“ – einer Periode von niedrigeren Temperaturen zusammen, in der insbesondere die Winter in Europa deutlich kälter waren. Zusätzlich zur minimalen Sonnenaktivität machen Wissenschaftler für diese „Kleine Eiszeit“ eine Abnahme der Treibhausgaskonzentration seit dem Jahr 1600, starke Vulkanausbrüche im 17. Jahrhundert sowie der langsame Rückgang der sommerlichen Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel durch die Veränderung der Erdbahnparameter verantwortlich, die kühlend auf das Klima wirkten.

02887
Das Gemälde „Eisvergnügen“ von Hendrick Avercamp zeigt einen zugefrorenen Kanal in den Niederlanden im Winter 1608. Der Höhepunkt der sog. Kleinen Eiszeit ging mit einem 70 Jahre andauernden Minimum solarer Aktivitäten, dem sog. Maunder Minimum, einher. Künstlerische Darstellungen solcher Szenen sind nur aus der Zeit zwischen 1565 und 1640 bekannt.

Copyright: gemeinfrei

„Da der aktuelle Sonnenzyklus mit der Nummer 24 eben begonnen hat, wäre dies ab etwa 2020 der Fall. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Prognose bewahrheitet“, so Zgrzendek.

Auf die Frage, wie sich ein erneutes Maunder-Minimum nun jedoch in unserem 21. Jahrhundert auf das Klima auswirken würde, haben Stefan Rahmstorf und Georg Feulner  vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bereits 2010 in einer Studie aufgezeigt (…GreWi berichtete). Darin zeigen sie, „dass ein neues großes Minimum maximal zu einer Abkühlung von 0,3°C im Jahr 2100 führen könnte – relativ zu einer erwarteten Erwärmung aufgrund des Klimawandels von rund 4°C“, und fügen aber erläuternd hinzu, dass dieser Wert für den Temperaturanstieg natürlich von Annahmen über zukünftige Emissionen ab abhänge.

+ Aktuelle Informationen über die Sonnenaktivität +
www.Sonnen-Sturm.info

Demnach könnte ein neues Maunder-Minimum aufgrund einer ruhenden Sonne im 21. Jahrhundert die globale Erwärmung kaum abschwächen würde und selbst wenn, nur  vorübergehende Effekte haben würde, da alle bekannten großen Sonnenminima nach einigen Jahrzehnten wieder zu Ende waren.

© grenzwissenschaft-aktuell.de