Neurowissenschaftler erklären außerkörperliche Erfahrungen mit Schwindel-Störung


Symbolbild: Außerkörperliche Erfahrung (Illu.).

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Aix-Marseilles (Frankreich) – Als außerkörperliche Erfahrung (Out-of-body Experience, OBE) wird die Wahrnehmung bezeichnet, seinen eigenen Körper zu verlassen und diesen sozusagen von außen zu betrachten oder sind in diesem Zustand sogar fortbewegen zu können. Französische Neurologen sehen nun einen Zusammenhang zwischen diesen Erfahrungen bei Patienten mit Schwindelempfindungen, die auf Schäden im Innenohr zurückgeführt werden können. Eine Allgemeinerklärung für OBE lifert aber auch diese Studie nicht.

Wie das Team um Christophe Lopez von der Aix-Marseille Université aktuell im Fachjournal „Cortex“ (DOI: 10.1016/j.cortex.2017.05.026) berichtet, seien OBEs in signifikant erhöhtem Maße bei Personen zu finden, die an Schwindelgefühlen einhergehend mit Problemen des Innenohrs, sogenanntem peripherer vestibulärer Schwindel leiden. Tatsächlich seien die Wahrnehmungen bei dieser Patientengruppe erst nach den ersten Schwindelsymptomen aufgetreten.

Ihre Erlebnisse schildern einige der in der aktuellen Studie beschriebenen Patienten wie folgt: „Es war, als befände ich mich außerhalb meines Körpers. Ich fühlte mich nicht mehr als ich selbst“, oder: „Es war so, als hätte ich mich in zwei Personen aufgeeilt: eine, die ihre Position nicht verändert hatte und eine zweite zu deren rechten, die aber irgendwie merkwürdig ausschaute. Erst als diese beiden Personen wieder miteinander verschmolzen, verschwand auch das Schwindelgefühl.“

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In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler 210 Schwindel-Patienten mit 210 Personen einer nicht von den Symptomen betroffenen Kontrollgruppe: Insgesamt 14 Prozent der Patienten schilderten außerkörperliche Erlebnisse. Unter den gesunden Mitgliedern Kontrollgruppe waren es nur fünf Prozent. Die meisten jener Patienten, die sowohl an den Schwindelgefühlen litten, als auch OBE durchlebt haben wollen, wurden bereits zuvor mit Depressionen, Angstzuständen, Depersonalisation und Migräne diagnostiziert.

Die Forscher vermuten, dass Probleme des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, das auch zur Kontrolle des Gleichgewichts und der Augenbewegungen verantwortlich ist, nicht nur die Schwindelgefühle, sondern auch die des Umherwirbelns, der Benommenheit und des Schwebens verursachen und zugleich dann auch zu Sehstörungen führen können.

Wie es zu der aufgezeigten Verbindung zwischen dem Schwindelgefühlt und den OBEs kommt, wissen die Forscher bislang noch nicht genau zu sagen, die Entdeckung der Übereinstimmung der beiden Symptome bzw. Erscheinungsformen nicht das Ziel sondern nur eine Nebenentdeckung der eigentlichen Studie war.

„Schlussendlich legen unsere Daten auch nur nahe, dass außerkörperliche Erfahrungen bei Schwindelpatienten aus einer Kombination einer Wahrnehmungsstörung, wie sie auf die Fehlfunktion des Gleichgewichtsorgans mit psychologischen Faktoren (Depersonalisation-Derealisation, Depression und Angstzuständen) zurückgehen und neurologischen Faktoren wie Migräne zurückgehen könnten.

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Einzelfallstudie beschreibt Fähigkeit der gezielt herbeigeführter außerkörperlicher Erfahrungen 10. März 2015

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