Planet Neun: Astronomen finden weitere Hinweise auf unbekannten Planeten im Sonnensystem


Künstlerische Darstellung eines weiteren Planeten im Sonnensystem (Illu.).

Copyright: NASA

Madrid (Spanien) – Erstmals haben spanische Astronomen die Entfernung der sogenannten Knoten von sogenannten extremen transneptunischen Objekten (ETNOs) von der Sonne genau analysiert und haben dabei Abweichungen von jenen Werten entdeckt, wie sie auf der Grundlage des Modells des uns bekannten Sonnensystems zu erwarten wären. Diese Abweichungen können am besten mit einem planetengroßen Objekt jenseits der Plutobahn erklärt werden. Damit reiht sich auch das Ergebnis dieser Untersuchung in die stets wachsende Reihe von Indizien für die Existenz eines noch unbekannten Planeten im äußeren Sonnensystem ein.

Wie das Team um Carlos de la Fuente Marcos von der Universidad Complutense Madrid aktuell im Fachjournal „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters“ (DOI: 10.1093/mnrasl/slx106) berichtet, haben sie die Abstände sogenannten Knoten der ETNOs, also jener transneptunischen Objekte (TNOs) von der Sonne untersucht, deren durchschnittliche Entfernung von der Sonne mehr als 150 AU (AU/AE = Astronomische Einheit = Abstand Erde-Sonne) beträgt und die niemals die Neptunbahn kreuzen. Als „Knoten“ bezeichnen Astronomen die Schnittpunkte der Bahn eines astronomischen Objekts mit einer Bezugsebene, die im Falle unseres Sonnensystems der Ekliptikebene entspricht. Es sind diese „Knoten“ der Objekte, an denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit der Gravitation anderer Objekte interagieren, am höchsten ist.

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„Wenn es dort draußen nichts gibt, was diese Objekte ablenkt oder stört, so sollten die Knoten dieser ETNOs gleichmäßig verteilt sein, da es dann nichts gäbt, dem sie ausweichen müssten“, erläutert Marcos und führt dazu weiter aus: „Gibt es da aber einen oder mehrere ‚Störer‘, so kann es zu zwei Situationen kommen: Entweder sind diese ETNOs stabil, dann würden sie ihre Knotenpunkte von der Bahn dieses Störers wegwenden. Sind sie aber instabil, so würden sie sich ganz ähnlich wie Kometen verhalten, die mit dem Gasplaneten Jupiter in Wechselwirkung treten und dadurch einen ihrer Knoten der Umlaufbahn des Störers annähern.“

Das Ergebnis der neuen Berechnungen zeichnet nun eigentlich ein recht eindeutiges Bild: Aller Knoten der insgesamt 28 bislang bekannten ETNOs und die von 24 extremen sog. Zentauren (eine Klasse von Asteroid zwischen Jupiter und Neptun), die ebenfalls mehr als 150 AU/AE von der Sonne entfernt sind, ballen sich in bestimmten Entfernugsbereichen um die Sonne.

Darüber hinaus haben die Astronomen auch noch eine Übereinstimmung zwischen den untersuchten Objekten gefunden, wo eigentlich gar keine existieren sollte: zwischen den Positionen der Knoten und ihrer Bahnneigung (Inklination).

„Geht man davon aus, dass die Dynamik dieser ETNOs jener von Kometen gleicht, die mit Jupiter interagieren, so interpretieren wir diese Ergebnisse als Zeichen für die Existenz eines Planeten, der aktiv mit diesen Objekten auf einer Distanz von 300 bis 400 AU/AE wechselwirkt“, so De la Fuente Marcos.

Damit liegt also auch der nun von den spanischen Astronomen beschriebene „Störer“ innerhalb jener Parameter, wie sie zumindest von dem US-Astronomen Scott Sheppard schon 2014 (…GreWi berichtete) und von Mike Brown und Konstantin Batygin für ihren „Planet Nine“ (…GreWi berichtete) vorhergesagt wurden.

Während die jetzt vorgestellten Untersuchungsergebnisse nichts über die erst kürzlich veröffentlichten Theorie eines zweiten noch unbekannten Planeten im inneren äußeren Sonnensystem aussagt, da dieser der Sonne sehr viel näher wäre (…GreWi berichtete).

„Nach der heutigen Definition, müsste ein Körper seine Umlaufbahn von anderen Körper freigeräumt haben, um als wirklicher Planet zu gelten. Selbst wenn dieser Körper also ähnlich groß wäre, wie unsere Erde, könnte er doch von weiteren großen Asteroiden oder Zwergplaneten begleitet werden“, erläutert De la Fuente Marcos abschließend. „Wie dem auch sei, wir glauben, dass die Arbeit von Volk und Malhotra solide Belege für die Existenz eines massereichen Körpers jenseits der sog. Kuiper-Klippe und damit dem weit entferntesten Punkt des Gürtels aus transneptunischen Objekten, ab etwa 50 AU/AE liefert. Wir hoffen, schon bald weitere neue Daten liefern zu können, die auch die Existenz dieses ‚Planeten‘ stützen werden.“

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