SETI-Signal oder Neutronenstern? Astronomen orten sechs weitere Radioblitze aus gleicher Quelle

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Künstlerische Abbildung der Ortung eines schnellen Radioblitzes mit dem Parkes-Radioteleskop (Illu.).

Copyright: Swinburne Astronomy Productions

Montreal (Kanada) – 2007 orteten Astronomen erstmals „schnelle Radioausbrüche“, sogenannte Fast Radio Bursts (FRBs) aus den Tiefen des Alls. Sowohl in Archivdaten als auch anhand neuerer Beobachtungen wurden seither weitere der nur wenige Millisekunden andauernden Radioblitze aufgefangen. Jetzt bestätigen Astronomen die Ortung von sechs weiteren FRBs aus identischer Quelle wie 11 frühere Blitze. Während die Mehrheit der Astrophysiker von einer astrophysikalischen Quelle, wie Ausbrüchen eines Neutronensterns ausgehen, spekulieren andere weiterhin darüber, ob es sich um ungewöhnlich starke künstliche Signale einer fernen Zivilisation handeln könnte.

Wie das Team um Paul Scholz von der McGill University vorab via ArXiv.org und aktuell im „Astrophysical Journal“ (DOI: 10.3847/1538-4357/833/2/177) berichten, fanden sie fünf dieser Signale in den Beobachtungsdaten von 2015 des Green Bank Telescopes in West Virginia und das sechste in denen des Radioteleskops von Arecibo auf Puerto Rico, mit dem 2012 diese FRB-Quelle erstmals geortet wurde. Es folgten zehn weitere Signale im Mai und Juni 2015.

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Während seit 2001 FRBs aus unterschiedlichen Quellen geortet wurden, handelt es sich bei der Quelle mit der Bezeichnung „FRB 121102“ um die einzige, die wiederholt Radioblitze von sich gibt. Die Astronomen haben sie in unvorstellbaren rund 3 Milliarden Lichtjahren Distanz im Sternbild Fuhrmann (Auriga) verortet.

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Die dynamischen Spektren der sechs neu entdeckten Signale aus der FRB-Quelle 121102.

Copyright: Scholz et al.

Somit ist zumindest Zweierlei über die Quelle bekannt: Um was auch immer es sich dabei handelt – sie sendet ein unglaublich starkes Signal in Richtung Erde, und es handelt sich nicht um das Signal eines einmaligen kosmischen Ereignisses, wie etwa einer Kollision massereicher Objekte oder einer Explosion.

Statt allerdings an ein künstlichen Signal, das dann von einer weit entfernten intelligenten Quelle gesendet werden, bzw. gesendet worden sein müsste, vermuten die Autoren des aktuellen Fachartikels jedoch Ausbrüche eines jungen Neutronensterns und damit den Kern eines einstigen Riesensterns, als Quelle der schnellen Radioausbrüche. Auf alle Fälle sei es „besonders wichtig, mehr über die Quelle dieser FRBs herauszufinden“.

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