Neue Theorie erklärt, warum Atheisten (statistisch) intelligenter sind als Gläubige


Symbolbild: Gebet

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Heidelberg (Deutschland) – Die Behauptung sorgt von jeher für Verwirrung und kontroverse Diskussionen: Immer wieder zeigen Studien eine Verbindung zwischen religiösem Glauben und Intelligenz zum Nachteil der Gläubigen im Vergleich zu Atheisten. Jetzt glauben zwei Wissenschaftler den Grund dafür gefunden zu haben.

Tatsächlich zeigt eine Meta-Analyse von 63 Studien zur Korrelation zwischen Glaube und Intelligenz einen „negativen Trend“ bei Gläubigen im Vergleich zu Atheisten. Das Ergebnis sollte aber nicht derart falsch verstanden werden, dass es aussagen würde, religiös gläubige Menschen seien im Einzelfall per se „dümmer“ als Atheisten.

Wie Edward Dutton vom Ulster Institute for Social Research und Dimitri Van der Linden von der Erasmus-Universität Rotterdam aktuell im Fachjournal „Evolutionary Psychology Science“ (DOI: 10.1007/s40806-017-0101-0) berichten, scheine Religion eine besondere Form von Instinkt zu sein, während die Ablehnung dieses Instinkts Atheisten dazu befähige, sich „darüber zu erheben“, was evolutionär wiederum mit erhöhter Intelligenz assoziiert wird.

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Religion, so argumentieren die Forscher, sei eine sogenannte „evolved Domain“ und damit eine besondere Form von Instinkt. Instinkte seien über weitere Strecken unserer Evolution sinnvoll gewesen und haben sich irgendwann als nicht ständig in Frage gestelltes, erbliches Verhaltensmuster etabliert. Mit zunehmender Intelligenz ist der Mensch aber auch und gerade dazu in der Lage, sich selbstbestimmt gegen instinktive Verhaltensweisen entscheiden, wenn etwa Situationen rational Verhaltenmuster und Entscheidungen erfordern. Auf diese Weise, so die beiden Forscher, entstehe die schon seit der Antike immer wieder aufgeführte negative Korrelation zwischen Religiosität und Intelligenz.

„Wenn Religion ein solcher Instinkt ist, dann kann Intelligenz – im Sinne rationaler Problemlösungen – als etwas angesehen werden, mit dem Instinkte überwunden werden können, wodurch der Weg zur intellektuellen Neugier offen ist, der nicht-instinktive Möglichkeiten offenbart“, so Dutton.

Im Gegenzug bedeute Religion als Instinkt aber besonders in Krisenzeiten und Stress auch Vorteile. So belegen Untersuchungen und Erhebungen, dass in Glaubensgemeinschaften Kooperation und selbstloses aber auch soziales Verhalten schneller und stärker verbreitet sind. Auch bekommen Gläubigen Menschen statistisch gesehen mehr Kinder als Atheisten (an die dann der „Religionsinstinkt“ meist wieder weitergegeben wird).

Die beiden Situation zusammengenommen, so erläutern die Forscher abschließend, führten zu jener paradoxen Situation, in der Evolutionsprozesse sowohl höhere Intelligenz als auch stärkere Religiosität gefördert haben, obwohl beide Komponenten zunächst offenbar einander entgegenwirken. Tatsächlich scheint ein Ausgleich zwischen beiden Faktoren der Königsweg zu sein: Dominiert eine der beiden Eigenschaften, so häufen sich auch deren Nachteile.

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