Astronomen sehen in UV-Licht Schlüssel bei der Suche nach außerirdischem Leben


Künstlerische Darstellung der Oberfläche eines Planeten um einen Roten Zwerg (Illu.)

Copyright: M. Weiss/CfA

Cambridge (USA) – Während ultraviolettes Licht für gewöhnlich eher einen schlechten Ruf hat, weil es u.a. Sonnenbrand und damit einhergehende schädliche Effekte beim Menschen verursachen kann, belegt eine neue Studie, dass UV-Licht eine ausschlaggebende Rolle für die Entstehung des Lebens auf der Erde gespielt hat. Damit könnte es zugleich auch eine Schlüsselkomponente bei der Suche nach außerirdischem Leben spielen.

Wie Sukrit Ranjan vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) und Kollegen aktuell im Fachjournal „The Astrophysical Journal“ und vorab via ArXiv.org berichten, könnte es sein, dass Rote Zwergsterne nicht genügend UV-Strahlung abgeben, um damit den Lebensentstehungsprozess auf ihren Planeten überhaupt in Gang zu bringen.

So zeigen jüngsten Untersuchungen, dass bestimmte UV-Werte notwendig sind, um die Bildung der Ribonukleinsäure (RNA) und damit ein Molekül, das jeder bekannten irdischen Lebensform zugrunde liegt, entstehen zu lassen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den tägichen, kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

„Das wäre in etwa so, als hätte man zwar einen ganzen Haufen Brennholz, allerdings kein Feuerzeug, um diesen Haufen zu entfachen“, erläutert Ranjan und führt weiter aus: „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass es einer bestimmte Menge an UV-Licht sozusagen als Feuerzeug bedarf, um das Leben zu zünden.“

In ihren Untersuchungen haben die Forscher Rote Zwerge und diese umkreisende Planeten untersucht, von denen einige auch in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft bekannt sind: Proxima Centauri, TRAPPIST-1 oder LHS 1140 und wie sie den in unserer Milchstraße am häufigsten vorkommenden Sternentyp darstellen.

Anhand von Computermodellen der bislang bekannten Eigenschaften und Merkmalen Roter Zwerge, schätzen die Autoren der Studie, dass die Oberflächen der diese Sterne innerhalb ihrer lebensfreundlichen Zonen umkreisenden Planeten 100 bis 1000 mal weniger UV-Licht ihres Sterns abbekommen als einst die junge Erde.

„Chemische Vorgänge, die jedoch von UV-Licht abhängig sind, könnten sich bei derart geringen Mengen deutlich verlangsamen, zum Erliegen oder gar nicht erst in Gang kommen und auf diese Weise die Entstehung von Leben hinauszögern oder gar nicht erst ermöglichen.“

Laut Robin Wordsworth, einem Mitautor der Studie, ist es bei der Suche nach außerirdischem Leben im Umfeld Roter Zwerge demnach wahrscheinlich notwendig, den idealen Ort zu finden: „An diesem muss es ausreichend UV-Licht geben, um die Entstehung von Leben auszulösen, aber nicht zu viel, als dass dieses UV-Licht die schützende Atmosphäre eines Planeten ins all entfliehen lässt.

Erst kürzlich hatten Wissenschaftler vermutet, dass etwa das TRAPPIST-1-System mit seinen gleich sieben erdgroßen Planeten aufgrund starker Sonnenausbrüche (Flares) derart starker UV-Strahlung des eigenen Sterns ausgesetzt ist, wie sie die Atmosphären der Planeten schädigen könnte (…GreWi berichtete).

Zugleich könnten es aber auch gerade die UV-Strahlung dieser Flares gewesen, die die sonst geringe UV-Strahlung des Zwergsterns kompensiert und Leben auf einem oder mehreren der TRAPPIST-1-Planeten erst in Gang gebracht haben könnte.

„Wir haben noch viel Forschungsarbeit vor uns, um die Faktoren, die es zur Entstehung des Lebens braucht, genau bestimmen zu können“, erläutert ein weiterer CfA-Autor der Studie, Dimitar Sasselov. „Zudem müssen wir noch untersuchen, ob Leben vielleicht auch unter dem Einfluss schwächerer UV-Werte als die auf der Erde entstehen kann. (…) Bislang kennen wir schließlich nur ein Beispiel, wo sich Leben entwickelt hat.“

© grenzwissenschaft-aktuell.de