Erdartiger „Venus-Zwilling“ in kosmischer Nachbarschaft entdeckt

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Künstlerische Darstellung des venusartigen Planeten „GJ 1132b“ um einen Roten Zwergstern (Illu.).

Copyright /Quelle: Dana Berry / CfA

Cambridge (USA) – Gerade einmal 39 Lichtjahre von der Erde entfernt, haben Astronomen einen erdartigen (wenn auch weniger erdähnlichen) Felsplaneten entdeckt. Während es auf seiner ofenheißen Oberfläche für Leben, wie wir es zumindest von der Erde kennen, zu heiß ist, ist der Planet aufgrund seiner Nähe ein ideales Ziel für genauerer Untersuchungen der Zusammensetzung seiner Atmosphäre und Oberfläche. Jetzt hoffen die Astronomen auch auf weitere Planeten in dem System – vielleicht sogar in der lebensfreundlichen „habitablen Zone“ des uns nahen Sterns.

Wie das Team um David Charbonneau vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/nature15762) berichtet, handele es sich bei dem Planeten mit der Bezeichnung „GJ 1132b“ zwar nicht um den lange gesuchten „Erdzwilling“, dafür aber immerhin um ein Gegenstück zu unserer Venus. Während es auf der Oberfläche des Planeten mit 230 Grad Celsius also deutlich zu heiß für erdänliches Leben wäre, scheint der Planet aber immer noch vergleichsweise kühl genug zu sein, um über einer Atmosphäre zu verfügen, wie sie etwa mit dem Weltraumteleskop „Hubble“ und zukünftigen Observatorien genauer untersucht werden könne.

„Dieser Planet wird wahrscheinlich zu einem der bevorzugten astronomischen Beobachtungsziele der nächsten Jahre“, vermutet der Mitentdecker Zachory Berta-Thompson vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

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GJ 1132b, umkreist den Roten Zwergstern GJ 1132, der etwa ein Fünftel der Größe unserer Sonne aufweist und deutlich kühler und lichtschwächer als diese ist. Insgesamt strahlt der Rote Zwerg nur etwa das 1/200stel der Lichtmenge unserer Sonne ab. Der jetzt entdeckte Planet umkreist diesen Stern einmal alle 1,6 Tage auf einer Distanz von nur 2,24 Millionen Kilometern und damit deutlich dichter als der 57 Millionen Kilometer von unserer Sonne entfernte innerste Planet des Sonnensystems Merkur.

Durch die große Nähe entstehen auf der Oberfläche von GJ 1132b Temperaturen bei denen jede Form von Wasser unmittelbar verdampfen würde. Dennoch ist die Temperatur gering genug um eine Atmosphäre um den Planeten zu ermöglichen. Zudem ist die Temperatur deutlich kühler als jeder andere bislang entdeckte und bestätigte felsige Planet um einen fernen Stern. Zum Vergleich: Bekannte erdartige Exoplaneten wie etwa CoRoT-7b und Kepler-10b bringen es auch siedende Oberflächentemperaturen von über 1.000 Grad.

Messungen mit dem HARPS Spektrografen zeigen, dass GJ 1132b mit einem Durchmesser von 14720 Kilometern rund 16 Prozent größer ist als die Erde und etwa 60 Prozent mehr Masse auf die Waage bringt. Die sich aus diesen Werten ergebende Dichte des Planeten deutet daraufhin, dass er eine erdartige felsige Zusammensetzung besitzt. Auch die Schwerkraft auf GJ 1132b dürfte mit der auf der Erde zu vergleichen sein: „Ein Mensch würde hier nur etwa 20 Prozent mehr wiegen als auf der Erde“, so die Forscher.

Da sein Zentralgestirn kleiner ist als unsere Sonne, ist dieser Planet im Verhältnis zu seinem Stern relativ groß und kann so trotz seiner dichten Nähe zu seinem Stern besser beobachtet und untersucht werden, als die Mehrzahl der bislang entdeckten erdartigen Exoplaneten. Schon jetzt haben die Entdecker deshalb Beobachtungszeiten mit den Weltraumteleskopen „Hubble“ und „Spitzer“ beantragt, um eine potentiell vorhandene Atmosphäre genauer untersuchen zu können. Auch das für 2018 geplante James-Webb-Weltraumteleskop wird GJ 1132b mit Sicherheit genauer unter die Lupe nehmen.

Die Existenz von GJ 1132b lässt die Astronomen aber auch hoffen, dass es in diesem System noch weitere, bislang unentdeckte Planeten geben könnte – vielleicht sogar innerhalb der lebensfreundlichen „habitablen Zone“. Weitere intensive Beobachtungen des Systems auf der Suche nach weiteren dortigen Planeten laufen derzeit schon auf Hochtouren.

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