Infrarot-Scans bestätigen verborgene Kammer hinter Grab des Tutanchamun

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Temperaturunterschiede weisen auf einen hinter der reich verzierten Nordwand in der Grabkammer des Tutanchamun liegenden weiteren Raum hin.

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Kairo (Ägypten) – Die ägyptische Altertumsverwaltung hat bekannt gegeben, dass Infrarot-Scans einer Wand in der Grabkammer des legendären Kindkönigs Tutanchamun auf einen dahinter verborgen liegenden Raum hinweisen. Die Messungen bestätigen somit frühere Entdeckungen des Archäologen Nicholas Reeves, der in Rissen und Unebenheiten der Wände Hinweise auf eine verborgene Tür entdeckt hatte. Reeves selbst vermutet, dass sich hinter der reich verzierten Wand das noch unberührte Grab der nicht minder legendären Nofretete verbergen könnte (…GreWi berichtete).

Wie der ägyptische Antikenminister Mamdouh el-Damaty laut einem Bericht von „National Geographic“ berichtete, „legen erste Analysen die Existenz eines Gebietes von unterschiedlicher Temperatur nahe, die sich von den anderen Teilen der nördlichen Wand absetzt.“ Eine mögliche Erklärung für diese Temperaturunterschiede sei der Effekt eines sogenannten Infrarot-Schattens einer offenen Raumes hinter der Mauer.

– Ein Video zu Erstpräsentation der Infrarotuntersuchungen durch el-Damaty finden Sie HIER

Damit stimmt das Ergebnis der Infrarot-Messungen, die die Wand eine Nacht lang bis zum Morgen in Augenschein nahm, mit der Theorie des Ägyptologen Nicholas Reeves – derzeit an der University of Arizona tätig – überein, der seine Vermutung über ein hinter der Wand verborgenes weiteres Königsgrab von einer Anzahl rechtwinklig verlaufender Risse und Unregelmäßigkeiten im kunstvoll bemalten Verputz einer Wand der Grabkammer des Kindkönigs ableitet. Diese wurden erst durch neue Scans der Grabkammer im Jahr 2014 sichtbar (…GreWi berichtete).

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Skizze der von Reeves hinter der Nordwand des Tutanchamun-Grabes vermuteten Kammern.

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Laut Reeves‘ Argumentation kann es sich bei den vermeintlich verborgenen Kammern nur um das Grab eines Vorgängers Tunanchamuns handeln. Doch wer genau das war, ist bis heute selbst unter Ägyptologen umstritten. Von den in Frage kommenden Persönlichkeiten Nofretete, Neferneferuaten und Semenchkare wurden jedoch bislang keine Gräber bzw. Mumien entdeckt.

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Die Büste der Nofretete im Ägyptischen Museum zu Berlin

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Hinter den drei Namen vermuten Reeves und auch andere Ägyptologen ein und dieselbe Person: Nofretete, die Gemahlin des einstigen „Ketzerkönigs“ Echnaton, der die bisherige Götterwelt des Alten Ägyptens durch den Kult der Aton-Sonnenscheibe ersetzte. Vor diesem Hintergrund und der späteren Rückkehr Ägyptens zu seinen alten Göttern, habe Nofretete vor der Regentschaft ihres Stiefsohns Tutanchamun nicht nur zweimal ihren Namen gewechselt, sondern auch den Pharaonenthron bestiegen.

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Dennoch gibt el-Damaty zu bedenken, dass die Ergebnisse noch nicht eindeutig seien. „Es müssen noch eine Reihe weiterer Untersuchungen durchgeführt werden, um das Areal der Temperaturunterschiede genau abzugrenzen. Diese Arbeiten sollen noch mindestens eine Woche lang andauern.

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