Zwergplanet, Super-Erde oder Brauner Zwergstern: Astronomen melden Entdeckung zweier noch unbekannter großer Himmelskörper im Sonnensystem

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Bei Beobachtungen des Alpha-Centauri-Systems mit der ALMA-Teleskopanlage entdeckten Astronomen 2014 und 2015 ein bislang unbekanntes astronomisches Objekt.

Copyright: Liseau et al.

Onsala (Schweden) – Mit der Teleskopanlage des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) haben schwedische und mexikanische Astronomen gleich zwei Objekte entdeckt, die sie für bislang noch unbekannte Himmelskörper unseres Sonnensystems halten. Was genau die Astronomen entdeckt haben, ist indes noch nicht sicher und abhängig von der noch unbekannten genauen Entfernung der Objekte zur Sonne. Neben Zwergplaneten, könnte es sich auch um ferne Super-Erden oder sogar um Braune Zwergsterne handeln.

Wie das Team um Rene Liseau von der Chalmers University of Technology vorab auf „ArXiv.org“ berichtet, konnten man bei Beobachtungen mit ALMA im Juli 2014 und im Mai 2015 (s. Abb.o.) ein bislang unidentifiziertes astronomisches Objekt ausfindig machen und zugleich technisch-instrumentelle Fehler als Erklärung für die Beobachtung ausschließen.

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Während erste Beobachtungen zunächst die Vermutung nahe legten, dass es sich um einen weiteren Stern des Alpha-Centauri-Systems handeln könnte, der dann das Doppelsternsystem zu einem Dreifachstern machen würde, sprechen nach eingehender Prüfung die meisten Beobachtungsmerkmale dafür, dass es sich sehr viel wahrscheinlicher um ein Objekt im weit entfernten äußeren Bereich unseres eigenen Sonnensystems handelt.

Als mögliche Erklärungen nennen die Astronomen entweder

– einen weniger als 100 Astronomische Einheiten (AU/AE = Entfernung Erde-Sonne) von der Sonne entfernten Zwergplaneten von in etwa der Größe des transneptunischen und knapp 1000 Kilometer durchmessenden Objekts Sedna;

– um eine rund 300 AE entfernte sogenannte Super-Erde (also um einen Felsplaneten von der bis zur 10-fachen Größe der Erde). In diesem Fall entspräche das Objekt wohl am ehesten dem lange gesuchten sogenannten Planet-X.

– oder aber um einen etwa 20.000 AE entfernten Braunen Zwergstern als stellarer Begleiter unserer Sonne handeln, wie er unter der Bezeichnungen „Nemesis“ schon seit langem von einigen Astronomen vermutet und gesucht wird.

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Eine weitere Beobachtung eines ebenfalls noch nicht genauer identifizierten Objekts vermeldet nahezu zeitgleich ein weiteres schwedisches Team aus Astronomen der Universitäten Uppsala und Onsala ebenfalls mittels eines vorab auf „ArXiv.org“ veröffentlichten Artikels.

Auch dieses Team um Wouter. H. T. Vlemmings hat mit der ALMA-Teleskopanlage eine sich schnell bewegende neue Quelle entdeckt und deren Eigenschaften beschrieben.

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Die ALMA-Beobachtungen vom März und April 2014 zeigen das noch unbekannte Objekt auf den O/O-Koordinaten.

Copyright/Quelle: Vlemmings et al.

Nach eingehender Analyse kommen die Astronomen auch hier zu dem Schluss, dass es sich bei der auf die Bezeichnung „Gna“ getauften Quelle um ein Einzelobjekt handelt und erläutern dazu weiter:

„Soweit es keine bislang unbekannten aber signifikanten Probleme mit dem ALMA-Instrumenten selbst gibt, gehen wir davon aus, dass wir ein bislang unbekanntes Objekt in unserem Sonnensystem entdeckt haben.

Derzeit befindet sich Gna entweder in einer Entfernung von 12-25 Astronomischen Einheiten und besitzt eine Größe von etwa 220-880 Kilometern.
(Anm. GreWi: Damit entspräche seine Entfernung etwa 1,8 bis 3,75 Milliarden Kilometern. Zum Vergleich: Pluto ist rund 4,8 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Das Objekt würde dann wohl am ehesten die Kategorie von transneptunischen Objekten bzw. kleinen Zwergplaneten fallen. Zum Vergleich: Der zum Zwergplaneten degradierte Pluto hat einen Durchmesser von 2370 Kilometern.)

Alternativ könnte es aber auch deutlich größer sein und wäre dann ein planetengroßes schwerkraftmäßig ungebundenes Objekt auf einer Distanz von rund 4000 AE.

Derzeit noch nicht gänzlich auszuschließen, wenn auch auf der Grundlage der Beobachtungsdaten eher unwahrscheinlich, sei aber auch noch ein rund 0,3 Parsec (9.26 Billionen Kilometer = knapp 1 Lichtjahr) von der Sonne entfernter variabler Stern. (Anm.GreWi: Zum Vergleich befindet sich der derzeit sonnennächste Stern bzw. das Sternsystem Alpha Centauri 4,3 Lichtjahre von der Erde entfernt).

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