1,4 Millionen Jahre Steinwerkzeuge in der Ukraine könnten älteste in Europa sein

Ansichten der Steinwerkzeuge aus Korolewo. Copyright/Quelle: Roman Garba (via X)
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Ansichten der Steinwerkzeuge aus Korolewo.Copyright/Quelle: Roman Garba (via X)

Ansichten der Steinwerkzeuge aus Korolewo.
Copyright/Quelle: Roman Garba (via X)

Prag (Tschechien) – Faustkeile, die bereits in den 1970er-Jahren nahe Korelewo in der Westukraine entdeckt wurden, konnten nun auf ein Alter von rund 1,4 Millionen Jahre datiert werden und sind damit die ältesten Steinwerkzeuge, die in Nordeuropa gefunden wurden. Die Datierung zeigt, wie weit verbreitet und erstaunlich anpassungsfähig die frühen Menschen tatsächlich waren.

Wie das Team um Roman Garba von der tschechischen Akademie der Wissenschaften und Mads Faurschou Knudsen von der dänischen Aarhus Universitet, aktuell im Fachjournal “Nature” (DOI: 10.1038/s41586-024-07151-3) berichtet, handelt es sich um gezielt behauene Faustkeile und Schneiden aus vulkanischem Gestein. In Abwesenheit weiterer Funde sei bislang jedoch noch unklar, welche Menschenart die Werkzeuge einst durch Abschlagen erstellt hat. Die Forschenden vermuten allerdings, dass es sich um Vertreter von Homo erectus handelte.

Bei ihrer Arbeit nutzten die Forschenden um Garba zwei unterschiedliche auf dem sehr langsamen Zerfall seltener radioaktiver Isotope (Aluminium-26 und Beryllium-10) basierenden Datierungsmethoden. Diese nutzen deren Zerfall als Wechselwirkung mit kosmischer Strahlung, wenn diese auf quarzhaltige Ablagerungen trifft.

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Mit der Datierung auf mehr als eine Million Jahre rücken die Funde in eine Kategorie mit ähnlichen Funden in Spanien. Die ältesten bislang überhaupt gefundenen Steinwerkzeuge stammen hingegen aus Ostafrika und wurden auf ein Alter von 2,8 Millionen Jahre datiert.

Die neue Datierung der Funde aus der Ausgrabungsstätte Korelewo in der Oblast Transkarpatien seien deshalb so bedeutend, weil es auf jeden Fall die ältesten Funde derart weit nördlich sind. Auf diese Weise legen die Steinwerkzeuge nahe, dass die frühen Menschen schon damals in der Lage waren, sich nicht nur im milden Klima der iberischen Halbinsel lebten, sondern sich auch an widrige Umweltbedingungen anzupassen und überleben konnten. Gemeinsam belegen die europäischen Funde, dass Europa womöglich von Ost nach West besiedelt wurde. Damit würden sie der bisherigen Vorstellung widersprechen, wonach die Besiedlung Europas im Süden begann. Auf jeden Fall zeigen die Funde eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit dieser frühen Menschen, schreiben die Autoren und Autorinnen abschließend.

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Recherchequelle: Nature, R. Garba via X

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