Ägyptologe vermeldet „Durchbruch in der Entzifferung des Voynich-Codes“

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Seiten- und Schriftbeispiele aus dem Voynich-Manuskript. Copyright: Yale University, Beinecke Rare Book and Manuscript Library

Seiten- und Schriftbeispiele aus dem Voynich-Manuskript.
Copyright: Yale University, Beinecke Rare Book and Manuscript Library

Hildesheim (Deutschland) – Nach jahrelanger Forschung will der Ägyptologen Prof. Dr. Rainer Hannig das geheimnisvolle Voynich-Manuskript zu entziffert haben – ein in einer unbekannten Sprache und Schrift verfasstes, spätmittelalterliches Werk, das bislang als „unlesbar“ gilt. Mit dem Anspruch, den „Voynich-Code geknackt“ zu haben, ist der Wissenschaftler allerdings alles andere als allein.

Prof. Hannig gilt als herausragender Experte der altägyptischen Sprache und ist seit vielen Jahren als wissenschaftlicher Berater und zeitweiliger Mitarbeiter am Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim tätig. In diesem Zusammenhang forscht er nicht nur zu ägyptischen Hieroglyphen, sondern auch zu anderen alten Schriften und ihrer Entzifferung. Seit 2017 beschäftigt er sich intensiv mit dem geheimnisvollen Voynich-Manuskript, das als die rätselhafteste Handschrift unserer Zeit gilt.

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Wie das Museum aktuell berichtet, zeigt sich Hanning zuversichtlich, die Schriftzeichen des Voynich-Manuskripts entziffert und die Sprache des Voynich (wie schon zuvor von einigen Forschern vermutet) als Hebräisch identifiziert zu haben. Zudem sei es ihm gelungen, erste Textpassagen zu übersetzen.

Hintergrund
Das aus dem frühen 15. Jahrhundert stammende Voynich-Manuskript wurde nach einem seiner früheren Besitzer, Wilfrid Michael Voynich, benannt, der es 1912 erwarb. Heute befindet es sich in der Beinecke Rare Book & Manuscript Library der Universität Yale, USA. Das Buch ist reich illustriert mit Pflanzendarstellungen, Abbildungen verschiedener Wurzelsorten, Tierkreiszeichen sowie astronomischen und kosmologischen Motiven. Die Schrift ist einzigartig und hat sich bisher allen Entzifferungsversuchen widersetzt. Die einzelnen Schriftzeichen sind gut zu erkennen und ästhetisch eindrucksvoll. Sie bestehen aus einer Kombination aus lateinischen Buchstaben, arabischen Ziffern und unbekannten Zeichen. Da sie wie eine Geheimschrift wirkt, sind insbesondere Kryptologen aus der ganzen Welt von ihr fasziniert. Trotz unzähliger Entzifferungsversuche ist es bislang jedoch nicht ge- lungen, die Schrift zu entziffern, die dadurch vermittelte Sprache zu ermitteln und den Inhalt des Manuskriptes zu entschlüsseln. (Quelle: Roemer- und Pelizaeus-Museum)

Nach einer Analyse der Wortstruktur, Wortlänge und Vokalbestimmung zeigt sich Hannig davon überzeugt, die Sprache durch den Vergleich mit europäischen und außereuropäischen Sprachen als semitisch bestimmen zu können. „Dadurch kamen Arabisch, Aramäisch und Hebräisch in die engere Auswahl, die im Mittelalter als Sprachen der Gelehrten in Europa gebräuchlich waren.“

In seinem bereits letzte Woche vorab online veröffentlichten Artikel stellt der Autor seine bisherigen Ergebnisse samt Übersetzung der ersten Textpassagen Schritt für Schritt vor und legt den Weg zur Entzifferung des Voynich-Manuskriptes allgemeinverständlich dar. Eine englische Übersetzung des Artikels ist in Arbeit und eine Konferenz für interessierte Kollegen und Kolleginnen sowie für Journalisten ist für Anfang August im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim geplant.

Mit seinem Anspruch einer Lösung des Voynich-Rätsels steht der renommierte Ägyptologe allerdings nicht alleine da. Alleine die folgende Liste früherer GreWi-Meldungen zum Thema gibt einen anschaulichen Einblick in die Kontroverse, die sicher auch mit Hannigs Publikation nicht beigelegt sein dürfte.

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Quelle: Roemer- und Pelizaeus-Museum

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