Älteste Fußspuren von Vormenschen auf Kreta datiert

Eine von über 50 Fußspuren früher Menschenvorläufer nahe Trachilos auf Kreta. Copyright: Per Ahlberg, Uppsala
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Eine von über 50 Fußspuren früher Menschenvorläufer nahe Trachilos auf Kreta. Copyright: Per Ahlberg, Uppsala

Eine von über 50 Fußspuren früher Menschenvorläufer nahe Trachilos auf Kreta.
Copyright: Per Ahlberg, Uppsala

Tübingen (Deutschland) – 2017 wurden nahe Trachilos auf Kreta mehr als 50 Fußspuren entdeckt, die lange Zeit als Tierspuren, dann aber als jene früher Vormenschen erkannt aber seither auch kontrovers diskutiert wurden. Jetzt haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Spuren auf ein Alter von über sechs Millionen Jahren datiert.

„Die ältesten bekannten Fußspuren von Vormenschen stammen von der Mittelmeerinsel Kreta und sind mindestens sechs Millionen Jahre alt.“ Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team von Forschern aus Deutschland, Schweden, Griechenland, Ägypten und England, unter Leitung der Tübinger Wissenschaftler Uwe Kirscher und Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment der Universität Tübingen.

Wie die Forschenden aktuell im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-021-98618-0) berichten, gelang es ihnen, die Fußspuren mit geophysikalischen und mikropaläontologischen Methoden auf 6,05 Millionen Jahren vor heute zu datieren. Damit handele es sich um den ältesten direkten Hinweis auf einen menschenähnlichen Lauffuß. „Die Spuren sind damit nahezu 2,5 Millionen Jahre älter als die Australopithecus afarensis (Lucy) zugeschriebenen Laufspuren aus Laetoli in Tansania“, berichtet Uwe Kirscher. „Die Abdrücke kommen damit auf dasselbe Alter wie die Fossilien des bereits bekannten aufrecht gehenden Orrorin tugenensis aus Kenia. Von diesem Zweibeiner sind zudem unter anderem Oberschenkelknochen erhalten, jedoch keinerlei Fußknochen oder -spuren.“

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Die Datierung der Fußspuren auf Kreta werfe deshalb ein neues Licht auf die frühe Evolution des menschlichen Laufens vor über sechs Millionen Jahren, so die Autorinnen und Autoren. „Der älteste menschliche Lauffuß besaß einen Fußballen, mit einer anliegenden und robusten Großzehe, sowie sich kontinuierlich verkürzenden Seitenzehen“, erläutert Per Ahlberg, Professor an der Universität Uppsala und Koautor der Studie. „Er hatte eine kürzere Fußsohle als Australopithecus. Ein Fußgewölbe war noch nicht ausgeprägt und die Ferse war schmaler.“

Vor sechs Millionen Jahren war die heutige Insel Kreta noch mit dem griechischen Festland über die Peloponnes verbunden. Nach Ansicht von Professor Madelaine Böhme „ist nicht ausgeschlossen, dass der Erzeuger der Spuren im Zusammenhang steht mit dem möglichen Vormenschen Graecopithecus freybergi“. Fossilien des Graecopithicus aus 7,2 Millionen Jahre alten Ablagerungen im nur 250 Kilometer entfernten Athen hatte Böhmes Team vor wenigen Jahren als eine vorher unbekannte Vormenschen-Art im heutigen Europa identifiziert.

Die fossilen Fußspuren von Trachilos auf Kreta. Copyright: Andrzej Boczarowski

Die fossilen Fußspuren von Trachilos auf Kreta. Copyright: Andrzej Boczarowski

Weitere Ergebnisse der Studie bestätigen zudem jüngste Forschungen und Thesen des Teams Böhme, nach denen vor sechs Millionen Jahren das europäische und vorderasiatische Festland durch eine kurzfristige Sahara-Ausbreitung vom feuchten Ostafrika getrennt waren. So lässt die geochemische Analyse der sechs Millionen Jahre alten Strandablagerungen Kretas darauf schließen, dass Wüstenstaub aus Nordafrika mit dem Wind dorthin transportiert wurde. Das Team kam bei der Datierung von Mineralkörnern in Staubkorngröße auf ein Alter zwischen 500 und 900 Millionen Jahren vor heute. Diese Zeiträume seien typisch für nordafrikanischen Wüstenstaub, so die Autoren.

Neueste Forschungen der Paläoanthropologie legten zudem nahe, dass der afrikanische Menschenaffe Sahelanthropus als Zweibeiner ausgeschlossen werden könne und der aus Kenia stammende, 6,1 bis 5,8 Millionen Jahre alte Orrorin tugenensis der älteste Vormensch Afrikas sei, so Böhme. Kurzzeitige Wüstenbildungen und die geographische Verbreitung früher Menschenvorläufer könnten daher in einem engeren Zusammenhang stehen als bisher vermutet wird: „Einerseits könnte eine Wüstenbildungsphase vor 6,25 Millionen Jahren in Mesopotamien eine Migration europäischer Säugetiere und möglicherweise Menschenaffen nach Afrika initiiert haben. Andererseits könnte die zweitweise Abriegelung der Kontinente durch die Sahara vor 6 Millionen Jahren eine getrennte Entwicklung des afrikanischen Vormenschen Orrorin tugenensis und eines europäischen Vormenschen ermöglicht haben.“ Nach diesem von Böhme „Wüstenschaukel“ genannten Prinzip, steuerten aufeinanderfolgende kurzfristige Wüstenbildungen in Mesopotamien und der Sahara eine Migration von Säugetieren von Eurasien nach Afrika.




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Recherchequelle: Universität Tübingen

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