Ältestes menschliches Begräbnis in Afrika entdeckt

Außenansicht des geborgenen Hauptblocks mit dem auseinandergebrochenen Teilskelett (l.) und Außenansicht der linken Seite von Mtotos Schädel und Unterkiefer (r.). Copyright: Martinón-Torres, et al., 2021
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Außenansicht des geborgenen Hauptblocks mit dem auseinandergebrochenen Teilskelett (l.) und Außenansicht der linken Seite von Mtotos Schädel und Unterkiefer (r.). Copyright: Martinón-Torres, et al., 2021

Außenansicht des geborgenen Hauptblocks mit dem auseinandergebrochenen Teilskelett (l.) und Außenansicht der linken Seite von Mtotos Schädel und Unterkiefer (r.).
Copyright: Martinón-Torres, et al., 2021

Jena (Deutschland) – In der kenianischen Höhle Panga ya Saidi haben Archäologen und Archäologinnen eine rund 78.000 Jahre alten menschliche Grabstätte gefunden. Das Kindergrab ist das älteste bislang gefundene Beispiel für eine gezielte Bestattung auf dem afrikanischen Kontinent und reiht sich ein in die wachsende Zahl an Hinweisen auf frühe komplexe soziale Verhaltensweisen des Homo sapiens ein.

Wie das internationale Forschungsteam aus Archäologen und Archäologinnen um Professor Nicole Boivin vom Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und Dr. Emmanuel Ndiema vom Nationalmuseun Kenia in Nairobi aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: s41586-021-03457-8) berichten, handelt es sich um das Grab eines zweieinhalb- bis dreijährigen Kinds, das vor rund 78.000 Jahren in gebückter Haltung in einem flachen Grab direkt unter dem schützenden Felsüberhang am Eingang der Höhle begraben wurde.

Während auf dem afrikanischen Kontinent schon zuvor die frühesten Hinweise auf die Lebensweise von Homo sapiens gefunden wurden, sind Belege für frühe Bestattungen in Afrika sehr selten und zudem oft nicht eindeutig. Daher ist nur wenig über den Ursprung und die Entwicklung der solcher Praktiken auf dem Kontinent bekannt, auf dem unsere Art einst entstand. Der Fund des Kinderskelettes in der Panga ya Saidi-Höhle, ändert dies nun und gibt Aufschluss darüber, wie die Menschen in der afrikanischen Mittleren Steinzeit mit ihren Toten umgingen.

Blick in die Panga ya Saidi Höhle. Copyright: Mohammad Javad Shoaee

Blick in die Panga ya Saidi Höhle.
Copyright: Mohammad Javad Shoaee

Erste Knochen des Kindes wurden bereits 2013 bei Ausgrabungen in der Höhe gefunden, aber erst 2017 wurde die kleine Grube mit den Knochen vollständig freigelegt: „Etwa drei Meter unterhalb des heutigen Bodens der Höhle gelegen, enthielt die flache, kreisförmige Grube eng zusammengedrängte, stark zersetzte Knochen, die vor Ort stabilisiert und mit Gips ummantelt werden mussten“, berichtet die Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts.

Das Skelett des Kindes, das die Forschenden auf den suahelischen SpitznamenMtoto“ (Kind) tauften, war mitsamt seiner letztlichen Körperhaltung auf wundersame Weise erhalten geblieben.

Künstlerische Rekonstruktion des beigesetzten Mtoto (Illu.). Copyright: F. Fuego

Künstlerische Rekonstruktion des beigesetzten Mtoto (Illu.).
Copyright: F. Fuego

Alles deute zudem darauf hin, dass der Körper unversehrt bestattet wurde und die Verwesung direkt in der Grube stattfand, in der die Knochen gefunden wurden.

Auch die mikroskopische Analyse der Knochen und des sie umgebenden Erdreichs bestätigte „dass der Körper unmittelbar nach der Bestattung mit Erde bedeckt wurde und er in der Grube verweste. Das sind klare Hinweise darauf, dass Mtoto kurz nach seinem Tod und bewusst bestattet wurde“, so die Forschenden.

Da Mtoto auf der rechten Seite liegend und mit zur Brust gezogenen Knien gefunden wurde, geht das Team zudem davon aus, dass das Begräbnis sorgfältig vorbereitet und der Körper hierfür eng umhüllt wurde. „Noch bemerkenswerter ist, dass die Position des Kopfes in der Grube darauf hindeutet, dass er auf einer Unterlage gelegen haben könnte, zum Beispiel auf einem Kissen. Vermutlich hat die Gemeinschaft irgendeine Form von Bestattungsritus durchgeführt.”

Virtuelle Rekonstruktion der Homininreste von Panga ya Saidi am Fundort (links) und Rekonstruktion der ursprünglichen Position des Kindes zum Zeitpunkt des Fundes (rechts) Copyright: Jorge González/Elena Santos

Virtuelle Rekonstruktion der Homininreste von Panga ya Saidi am Fundort (links) und Rekonstruktion der ursprünglichen Position des Kindes zum Zeitpunkt des Fundes (rechts)
Copyright: Jorge González/Elena Santos

Mithilfe der Thermolumineszenzdatierung-Datierung, mit der ermittelt werden kann, wann Mineralkörner im Boden zum letzten Mal dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, konnten die Archäologen und Archäologinnen auch das Alter der Bestattung des Kindes sicher auf 78.000 Jahre datieren.

Es handelt sich also um die älteste bekannte Bestattung eines Menschen in Afrika. Spätere Bestattungen aus der Steinzeit Afrikas enthalten ebenfalls junge Individuen – vielleicht ein Hinweis, dass die Körper von Kindern zu dieser Zeit besonders behandelt wurden.

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In den archäologischen Schichten, in denen die menschlichen Überreste gefunden wurden, fanden die Forschenden auch Steinwerkzeuge, die der afrikanischen Mittleren Steinzeit zugeordnet werden konnten – einer sehr typischen Technik, die verschiedenen Hominin-Spezies zugeschrieben wird. „Die Verbindung zwischen der Bestattung dieses Kindes und den Werkzeugen der Mittleren Steinzeit hat einen entscheidend Beleg geliefert, dass Homo sapiens, im Gegensatz zu anderen Arten von Homininen, diese markante Technik herstellte”, erklärt Ndiema.

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Obwohl die Entdeckung Mtotos nun den frühesten Beweis für eine Bestattung in Afrika darstellt, reichen Bestattungen von Neandertalern und modernen Menschen in Eurasien bis zu 120.000 Jahre zurück und umfassen Erwachsene ebenso wie einen hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen. „Die Gründe für das Fehlen von vergleichbar frühen Bestattungen in Afrika bleiben rätselhaft, möglicherweise beruhen sie auf Unterschieden in den Bestattungspraktiken oder dem Mangel an Feldforschung in großen Teilen des afrikanischen Kontinents.“

Die Bestattung von Panga ya Saidi zeige, dass die Beerdigung der Toten eine kulturelle Praxis ist, die Homo sapiens und Neandertaler gemeinsam haben”, sagt Professor Michael Petraglia vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena abschließend. „Dieser Fund wirft Fragen nach dem Ursprung und der Entwicklung von Bestattungspraktiken zwischen zwei eng verwandten menschlichen Arten auf und danach, inwieweit sich unsere Verhaltensweisen und Emotionen voneinander unterscheiden.”




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Quelle: Max-Planck-Gesellschaft

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