Am “Höllenloch der Schöpfung” entdecken Forscher Leben selbst in Säuretümpeln


Heiße Quellen in der Danakilsenke.

Copyright: Rolf Cosar (via WikimediaCommons), CC BY 3.0

Bologna (Italien) – An einem von Forschern auch als “Höllenloch der Schöpfung” bezeichneten heißesten und damit unwirtlichsten Orte unserer Erde, haben Wissenschaftler Lebensformen selbst in Säuretümpeln entdeckt.

Die Danakilsenke liegt 100 Meter unter dem Meeresspiegel in der Region Danakil-Somalia – einer der drei größeren Wüstenregionen im Nordosten Afrikas. Es ist eines der weltweit aridesten und zugleich geologisch aktivsten Gebiete. Dennoch wird die Senke von Geologen und Anthropologen als das “Höllenloch der Schöpfung” bezeichnet, da hier fast zwei Millionen Jahre alte Überreste von Hominiden gefunden wurden und neuere Theorien davon ausgehen, dass sich der Homo sapiens in dieser Gegend entwickelt und von hieraus verbreitete, als das Klima noch kühler und feuchter war.

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Mit heute regelmäßigen Tagestemperaturen von bis zu und über 45 Grad Celsius (am Boden wurden schon Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius gemessen!) gilt die Landschaft als eine, wenn nicht sogar “die” heißeste und vermeintlich lebensfeindlichste Regionen unserer Erde. Regen gibt es fast nie und unterhalb der Oberflächenkruste brodelt geschmolzene Magma, die sich in zwei hochaktiven und zahlreichen kleineren Vulkanen immer wieder einen Weg an die Oberfläche bahnt. Neben diesen Vulkankratern prägen auch stark säurehaltige Teiche, Tümpel und Geysire das Bild der Landschaft, die eher an die eines höllenartigen Wüstenplaneten, denn an unsere Erde erinnert. In diesen Tümpeln reagiert das salzige Meerwasser mit vulkanischen Mineralien und erzeugt so bis zu 100 Grad heiße stark säurehaltige Pools aus – und salzhaltiger Säure. Sonstige Wasserspeicher erreichen weltweit einzigartige natürliche pH-Werte von 0,2.

Seit 2013 wird die Region von Wissenschaftlern des Forschungskonsortiums “Europlanet” als Analogie zum Mars erforscht. In Proben, die die Forscher 2016 und im Frühjahr 2017 aus diesen Säuretümpeln entnehmen konnten, entdeckten sie nun erstmals überhaupt die DNA von sogenannten polyextremophilen Bakterien – also von Bakterien, die sich sowohl an extreme Säurehaltigkeit als auch an extrem hohe Temperaturen und einen starken Salzgehalt zugleich angepasst haben.


Blick auf die Dankil-Salztonebene

Copyright: Rolf Cosar (via WikimediaCommons), CC BY 3.0

Wie die Forscher um Barbara Cavalazzi von der Universität Bologna vorab gegenüber der BBC berichtet, konnten die Bakterien sowohl in einer Salzquelle als auch in Tümpeln im Innern des Dallol-Kraters als auch in einem kleinen bis zu 55 Grad Celsius heißen salzhaltigen Teich außerhalb des Kraters nachgewiesen werden, dessen Wasser reich an Kohlenstoffdioxid ist, das von den unterirdischen vulkanischen Aktivitäten freigesetzt wird.

Das Wasser in einem der Säuretümpel erreicht einen Rekord-pH-Wert von nahezu Null und damit der säurehaltigste Ort auf der Erde, an bzw. in dem bislang Leben gefunden wurde.

“Auf dem Mars gibt es Mineral- und Schwefelablagerungen, die denen in der Danakilsenke sehr ähnlich sind und es gibt sogar regelmäßig austretende Salzlake”, kommentiert Cavalazzi die Ähnlichkeit mit den Bedingungen auf dem Roten Planeten. “Indem wir diese extremen Bedingungen hier auf der Erde studieren, unter denen selbst hier noch Leben existieren kann, können wir auch Rückschlüsse darauf ziehen, wo dies vielleicht auch dem Mars der Fall sein könnte.”

– Den vollständigen BBC-Artikel finden Sie HIER

+ + + GreWi-Kommentar
Die Entdeckung zeigt einmal mehr, dass bisherige Konzepte zur Lebensfreundlichkeit von Orten, Regionen, Monden und Planeten, sog. habitable Zonen, überholt sind.

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