Amateurarchäologe findet phallusförmige Frauenfigurine aus der Eiszeit nahe Waldstetten

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Vier Ansichten der Frauenfigur von Waldstetten Copyright/Quelle: Simon Fröhle / Universität Tübingen

Vier Ansichten der Frauenfigur von Waldstetten
Copyright/Quelle: Simon Fröhle / Universität Tübingen

Tübingen (Deutschland) – Ein Amateurarchäologe hat nahe der Gemeinde Waldstetten in Baden-Württemberg eine kleine Quarzitfigur entdeckt, die gleichzeitig einen stark vereinfachten Frauenkörper wie auch einen Phallus darstellt. Das Alter des Fundes wurde auf ca. 15.000 Jahre und damit in die Eiszeit datiert.

Wie Archäologen um Professor Harald Floss der Universität Tübingen auf einer Pressekonferenz berichteten, entspreche die Frauenfigur dem Typ Gönnersdorf und zeigt – aus einer anderen Perspektive betrachtet – vermutlich einen Phallus. „Figuren dieser Art sind bereits aus Fundstätten in Europa bekannt“, berichten die Forscher, „erstmals wurde nun ein Exemplar im Ostalbkreis gefunden.“

Geborgen wurde die Figur durch den Amateurarchäologen Adolf Regen. Insgesamt hatte er an die Wissenschaftler ca. 2000 Funde übergeben, von denen ein Teil aus dem Magdalénien stammt, einer Kulturstufe zum Ende der Altsteinzeit (ca. 18.000-12.000 v. Chr.) und vom Ende der letzten Eiszeit.

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Die Figur selbst (s. Abb.) ist knapp sechs Zentimeter groß und besteht aus einem Quarzitgeröll, das so auf der Fundstelle nicht vorkomme. Der Form nach entspricht sie den so genannten Frauenfiguren vom Typ Gönnersdorf, die nach einer Fundstelle am Mittelrhein benannt und stark stilisiert sind: „Von der natürlichen Form des Gerölls inspiriert, machen hier nur wenige eingravierte Linien aus einem typisch geformten Stein ein Kunstwerk“, erläutert die Pressemitteilung der Tübinger Universität. „Die Darstellung reicht von anatomisch annähernd vollständigen Darstellungen bis hin zu Figuren, die nur aus Rumpf und Gesäß bestehen.“

Auch der Fund nahe Waldstetten zeigt nur einen Oberkörper ohne Kopf, einen dominanten Mittelteil mit Gesäß und einen verkürzten Unterkörper im Profil. Mit einer umlaufenden Gravierung im oberen Bereich folgt er zudem einer Tradition der zweigeschlechtlichen Darstellung, die aus der europäischen Eiszeitkunst bekannt ist, berichten die Archäologen. Zugleich könne die Figur als männliches Geschlechtsteil interpretiert werden.

„Diese Art der Abstrahierung zeichnet die Kunst am Ende der Eiszeit aus. Unser Typ Frauenfigur hat wenig mit den üppigen so genannten Venusfiguren aus der früheren Epoche des Gravettien gemein“, erläutert Floss weiter. „Frauenfiguren des Typs Gönnersdorf folgten in ihrer geografischen Verbreitung der des Magdalénien und finden sich von den Pyrenäen bis nach Osteuropa.“ In Süddeutschland kenne man sie zum Beispiel vom Petersfels bei Engen im Hegau. „Die Figur von Waldstetten ist als ein solches Kunstwerk einzuordnen. Dafür sprechen die absolut typische Form, die Lage in einer Konzentration von magdalénienzeitlichen Funden und mehrere umlaufende Gravierungen, die von Menschen angebracht wurden.“

Die umlaufenden Gravierungen wurden eindeutig von Menschen angebracht. Copyright: Stefan Wettengl / Universität Tübingen

Die umlaufenden Gravierungen wurden eindeutig von Menschen angebracht.
Copyright: Stefan Wettengl / Universität Tübingen

Harald Floss leitet ein archäologisches Großprojekt zur Erforschung des Freilandpaläolithikums in Baden-Württemberg, das vom Landesamt für Denkmalpflege, der baden-württembergischen Förderstiftung Archäologie und dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg gefördert wird. Eine Schwerpunktregion ist der Ostalbkreis, der in der Altsteinzeitforschung bislang wenig im Mittelpunkt stand. Durch eine Kooperation mit dem „Arbeitskreis Eiszeit in Schwäbisch Gmünd“ waren Floss und sein Team auf die Fundstelle in Waldstetten aufmerksam geworden.

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Die Frauenfigur ist erst der zweite Fund eines Eiszeitkunstwerkes im Ostalbkreis, nach der Skulptur einer Dasselfliegenlarve aus Gagat von der Kleinen Scheuer im Rosenstein (Stadt Heubach). Die Waldstettener Funde werden derzeit von den Doktoranden Simon Fröhle und Stefan Wettengl an der Universität Tübingen untersucht. Eine zukünftige Intensivierung der Forschungen in der Region ist geplant.

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Quelle: Universität Tübigen

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