Analyse und Datierung bestätigen Teile einer Reliquienlegende um Franz von Assisi

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Künsterische Darstellung des  Hl. Franz von Assisi (Illu.).

Copyright: Gemeinfrei

Odense (Dänemark) – Eine Textilreliquie im Kloster von Folloni, nahe Montella, gilt Gläubigen als Stück jenes einst gefüllten Brotsacks, den ein Engel im Auftrag des Heiligen Franz von Assisi im Jahr 1224 vor die Klostertür gebracht haben soll. Wissenschaftler haben eine Probe der Reliquie nun chemischen Analysen und einer Radiokarbondatierung unterzogen. Die Ergebnisse der Analysen passen zur Legende. Einen Beweis für die mystische Qualität des Stoffs wollen die Wissenschaftler aus ihrer Studie allerdings nicht ableiten.

Wie das Team um Professor Kaare Lund Rasmussen von der Syddansk Universitet aktuell im Fachjournal “Radiocarbon” (DOI: 10.1017/RDC.2017.13) berichtet, bestätigte zunächst die Radiokarbondatierung (C-14) das legendäre Alter des untersuchten Fragments und datiert dieses in die Jahre 1220-1295.

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Hintergrund
Laut der mittelalterlichen Legende soll der gefüllte Brotsack auf wundersame Weise vor den Toren des Klosters erschienen und von Franziskus selbst gesandt worden sein, obwohl dieser sich zu dieser Zeit in Frankreich aufhielt – dafür aber einen Engel mit dem Beutel zum Kloster geschickt haben.

In diesem Reliquiar werden die Textilfragmente im Kloster von Folloni aufbewahrt.
Copyright/Quelle: sdu.dk

300 Jahre lang soll der umgearbeitete Beutel dann dem Kloster als Altardecke gedient haben, bevor diese teilweise aufgeteilt und an verschiedene Kirchen und kirchliche Institutionen in Italien verteilt wurden. Seit mehr als 700 Jahren lang werden die letzten Fragmente im Kloster nun schon als Reliquie des dem Heiligen zugeschriebenen Wunders aufbewahrt und verehrt.

“Tatsächlich bestätigen unsere Analysen nun, dass zumindest das Alter des Stoffs mit der Legende übereinstimmt”, erläutert der Archaeo-Chemiker Rasmussen. Und auch der einstige Inhalt des Beutels scheint die christliche Geschichte zu bestätigen: Eine Analyse des Stoffs nach Rückständen von Ergosterol und damit einem sog. Biomarker für Materialien, die typisch für Prozesse des Brauens, Backens oder der Landwirtschaft sind, belegt, dass Brot mit dem Sackstoff in Kontakt war. “Zwar wissen wir nicht genau wann das passierte, aber es scheint unwahrscheinlich, dass es nach 1732 war”, erläutern die Forscher um Rasmussen. Damals wurden die Fragmente geschützt aufbewahrt. Viel wahrscheinlicher sei es, dass der Stoff in den 300 Jahren zuvor mit Brot in Berührung gekommen war. “Zu diesem Kontakt könnte es natürlich ebenso gekommen sein, als der Stoff als Altartuch verwendet wurde. Vielleicht aber eben auch in jener kalten Winternacht anno 1224”, so der Forscher.


Das nach einem Erdbeben 1732 neuerbaute Kloster von Folloni.

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“Wissenschaftliche Analysen können eine Legende oder den Glauben nicht beweisen”, erklärt der Wissenschaftler abschließend: “Was die Wissenschaft aber kann, ist ein Objekt entweder als falsch oder anhand von physikalischen oder chemischen Beweisen mit einer Legende übereinstimmend in Verbindung zu bringen. (…) Wie der Brotsack einst vor die Tür des Kloster gelangte, das ist vielleicht eher eine Frage des Glaubens als eine Frage der Wissenschaft.”

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