Analysen bestätigen: „Meteor“ vor Papua-Neuguinea kam von außerhalb unseres Sonnensystems

Elektronenmikroskopaufnahme der Sphärule „SPH7“ von der 8. Tauchfahrt. Copyright: Avi Loeb
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Elektronenmikroskopaufnahme der Sphärule „SPH7“ von der 8. Tauchfahrt.Copyright: Avi Loeb

Elektronenmikroskopaufnahme der Sphärule „SPH7“ von der 8. Tauchfahrt.
Copyright: Avi Loeb

Cambridge (USA) – Im vergangenen Juni suchten Forschende um den Harvard-Astronom Professor Avi Loeb nach Fragmenten eines 2014 über Papua-Neuguinea detektierten und vermutlich in den Südpazifik gestürzten Meteors. Die ermittelten Eigenschaften dieses Objekts deuteten schon zuvor darauf hin, dass es nicht aus dem Sonnensystem stammte und dass es sich von bekannten Meteoriten und Asteroiden unterscheidet. Am Meeresgrund fanden die Wissenschaftler tatsächlich kugelförmige Kleinstfragmente, deren Analyse nun vorliegt und kommende Woche veröffentlicht werden sollen. In einem CNN-Interview gab Avi Loeb nun erste Einblicke in diese Ergebnisse.

Wie Loeb im Interview mit CNN-Journalist Michael Smerconish erläuterte, zeigen die jüngsten Analysen der rund 700 kugelförmigen Kleinstfragmente (Sphärulen), die entlang des errechneten Absturzpfades des Meteors „CNEOS 2014–01–08“ gefunden werden konnten, dass der Mutterkörper ursprünglich tatsächlich „von außerhalb unseres Sonnensystems stammt“. Schon diese Erkenntnis sei “historisch”, so Loeb auch gegenüber “GreWi-Herausgeber Andreas Müller. “Es ist das erste Mal, dass Wissenschaftler Material eines noch größeren Objekts in Händen halten, das von außerhalb unseres eigenen Sonnensystems stammt.“ Formell sollen diese Ergebnisse in der kommenden Woche bekannt gegeben werden, vermutlich am kommenden Dienstag.

Hintergrund
Die Daten zu dem Objekt „CNEOS-2014-01-08“ zeigen, dass es kaum mehr als einen Meter groß war, als es in die Erdatmosphäre eintauchte. Bei diesem Feuerritt durch die Atmosphäre entfachte es gerade einmal ein bis zwei Prozent der Energie der Hiroshima-Bombe. Für gewöhnlich können Meteore interstellarer Herkunft anhand ihrer deutlich höheren Geschwindigkeit von der Mehrheit an Meteoriten, die aus dem Sonnensystem stammen, unterschieden werden.

Der wahrscheinliche Fundort von CNEOS 2014–01–08 für die erste Expedition des Galileo-Projekts (Illu.). Copyright: Galileo Project

Der wahrscheinliche Fundort von CNEOS 2014–01–08 für die erste Expedition des Galileo-Projekts (Illu.).
Copyright: Galileo Project

Anhand der Beobachtungsdaten des US-Space Commands konnten Loeb und Kollegen auch auf die Materialstärke des Objekts schließen: „Zu unserer eigenen Überraschung ist dieser Wert für CNEOS-2014–01–08 zwanzig Mal größer als die höchste bislang gemessene Stärke von felsigen Gesteinsmeteoriten und doppelt so groß wie die der robustesten Eisenmeteoriten“, kommentierte Loeb und fasste die ersten Analyseergebnisse wie folgt zusammen: “Der erste interstellare Meteor kann also kein Gesteinsmeteorit gewesen sein und glich somit nicht der Mehrheit der meisten Asteroiden im Sonnensystem“ (…GreWi berichtete).

Zunächst beantworte die bevorstehende Publikation die Frage, ob das geborgene Material von außerhalb des Sonnensystems stammt oder nicht. Ein nächster Schritt werde dann sein, zu zeigen, ob es sich um einen – wenn auch interstellaren – gewöhnlichen Gesteinsbrocken handelt, oder aber um ein technologisches Artefakt, ein technologisches Instrument. Diese Frage könne anhand der Zusammensetzung des Materials beantwortet werden, so Loeb weiter.

Prof. Avi Loeb Copyright/Quelle: Galileo Project

Prof. Avi Loeb
Copyright/Quelle: Galileo Project

„Dann können wir sagen, ob es sich um einen Felsen oder ein technisches Gerät handelte. Ein technisches Gerät wird vermutlich Knöpfe besitzen, die wir drücken können“, so Loeb bildhaft.

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„Die gute Nachricht ist aber die, dass wir über die Möglichkeiten verfügen, diese Daten zu erheben und genau das zu untersuchen. Es ist also keine Frage von Science-Fiction, es geht nicht darum, ob und was die Leute davon halten und ob Politiker vor dem Kongress darüber reden. Wissenschaftler können diese Frage überprüfen. Es geht nicht darum, ob der Mainstream in Wissenschaft und Gesellschaft, Menschen in den Medien oder in den sozialen Kanälen daran ‚glauben‘ oder nicht.“

…GreWi wird natürlich umgehend berichten.

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Rechercherquelle: CNN, Avi Loeb

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