‘Ancient Apocalypse’ und die hässliche Schlacht zwischen Alternativ- und Mainstream-Archäologie

Graham Hancock. Copyright/Quelle: G. Hancock
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Graham Hancock. Copyright/Quelle: G. Hancock

Graham Hancock.
Copyright/Quelle: G. Hancock

von Greg Taylor

Bei diesem Text handelt es sich um eine vom Autor ausdrücklich genehmigte deutschsprachige Übersetzung eines Originalartikels Greg Taylor, durch grenzwissenschaft-aktuell.de (GreWi), der am 20.12.2022 auf „DailyGrail.com“ unter dem Titel„‘Ancient Apocalypse’ and the Ugly Battle Between Alternative and Mainstream Archaeology“ erschien. Die darin formulierten Meinungen und Ansichten sind die des Autoren.

Mit der Veröffentlichung von „Ancient Apocalypse“ unter der Regie von Graham Hancock auf Netflix hat die „Alternativarchäologie“ den Mainstream mit Sicherheit im großen Stil erreicht (…auch wenn einige behaupten, dass dies schon durch die History-Channel-Serie „Ancient Alien“ geschehen sei). Die achtteilige Dokumentarserie ist weltweit ein Hit und nimmt die Zuschauer mit auf ein weltumspannendes Abenteuer, spektakuläre antike Denkmäler zu besuchen, um langsam ihre Kernbotschaft zu enthüllen: Eine „verlorene“ fortgeschrittene antike Zivilisation könnte durch einen Kometen-/Asteroideneinschlag zerstört worden sein und dass dasselbe Schicksal könnte jederzeit auch uns Widerfahren.

Diejenigen, die Grahams Bücher gelesen haben, von dem fast drei Jahrzehnten alten „Fingerprints of the Gods“ (dt. Die Spur der Götter : das sensationelle Vermächtnis einer verschollenen Hochkultur) bis hin zu den neueren „America Before“ und „Magicians of the Gods“ (dt. Die Magier der Götter: Die vergessene Weisheit einer verschollenen Erdzivilisation), werden mit den meisten der behandelten Themen und den besuchten antiken Stätten, wie den indonesischen Bergruinen von Gunung Padang oder der atemberaubend alten Tempelanlage Göbekli Tepe in der Türkei, ebenso vertraut sein, wie mit der umstrittenen Theorie einer globalen Überschwemmung nach der letzten Eiszeit, der jüngeren Dryas usw.

„Ancient Apocalypse“ zeigt die antiken Stätten, die besucht werden, auf wunderschöne Weise – die Serie ist eine reine Augenweide für diejenigen, die sich für Geschichte interessieren, mit hervorragenden hochauflösenden Aufnahmen von Orten, die viele zuvor nur über Fotos gesehen haben, und neuen Blickwinkeln durch Drohnenaufnahmen. Gepaart mit Computerrekonstruktionen hinzu, die zeigen, wie die Orte und Bauwerke vielleicht einst ausgesehen haben könnten (obwohl ich der Meinung bin, dass es in einigen dieser Fälle wichtig ist, das „vielleicht“ hervorzuheben), und die gesamte visuelle Darstellung machen diese Serie sehenswert – selbst wenn der Ton abstellt.

Rekonstruktion von Gunung Padang aus „Ancient Apokalypse“

Mit eingeschaltetem Ton erwartet die Zuschauer jedoch ein weiterer Leckerbissen: Graham Hancocks exzellente Erzählstimme. Wer ihm schon einmal zu diesen Themen zugehört hat, weiß, dass er mit seiner flüssigen und eloquenten Sprache hervorragend auf den Punkt kommt. Und er hat ganz sicherlich einige aufregende Theorien parat, wobei „Ancient Apocalypse“ den Fokus auf die einer „verlorenen“ Zivilisation der Antike legt, die eine Botschaft der Warnung für zukünftige Generationen hinterlassen haben soll.

Das Problem mit „Ancient Apokalypse“

Für mich wurde die gesamte Erfahrung, die Serie zu sehen, jedoch durch ein paar Dinge getrübt: Erstens die ständige Darstellung von Archäologen als „Feind“. Es gibt nichts Einfacheres und vielleicht Profitableres, als einen zu verteufelnden Gegner zu schaffen und die Debatte in ein „wir gegen die“ zu polarisieren. Wir diesen Diskursverlauf in der Social-Media-Ära gesehen, wenn toxische Influencer und Politiker ein riesiges Publikum gewonnen haben, hauptsächlich indem sie ihre Gegner als böse darstellten und sie entmenschlichten.

Es ist ein äußerst gefährlicher Weg, und ich fühlte mich jedes Mal unwohl, wenn es in dieser Serie passierte.

Ich bin mir nicht sicher, ob dies eine beabsichtige Strategie der Produzenten war oder ein Ergebnis von Grahams Teilnahme an Shows und Podcast wie etwa „Joe Rogan Experience“, wo eine grundsätzlich gegensätzliche Sichtweise zu ausgewiesenen Experten und Authoritäten gefördert wird. Gerade in den ersten Minuten von „Ancient Apocalypse“ wird uns von Graham erzählt, dass seine Ideen die „sogenannte Experten“ verärgern; an anderer Stelle bemerkt er „die extrem defensive, arrogante und bevormundende Haltung der Mainstream-Akademie“. Gewiss, mehr als nur eine Andeutung dieser Einstellung war schon in Grahams letztem Buch „America Before“ zu finden (und es war mir schon damals unangenehm). Obwohl dieser konträre Ansatz natürlich bis zu Hancocks Konfrontationen mit Personen wie dem Ägyptologen Zahi Hawass in den 1990er Jahren zurückreicht (eine Auseinandersetzung, die wie gesagt sowohl Hancock als auch Hawass zugutegekommen sein mag), scheint dieser Ansatz jetzt fast dominant zu jener Botschaft geworden zu sein, die Graham vermitteln möchte. Die eigentlichen Theorien treten teils in den Hintergrund.

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Das bedeutet aber nicht, dass Graham keinen guten Grund hat, einigen Archäologen und Skeptikern gegenüber antagonistisch zu sein (mehr dazu später). Aber in dieser Serie wird dieses Potenzial auf das Maximum ausgeschöpft. In eigentlicher jeder wird dies deutlich und Archäologen werden dämonisiert. Das ist hässlich und lenkt von der Serie ab. Es verallgemeinert die Aussagen jener Archäologen, die einst billige Schüsse auf Hancock abgegeben haben mit denen anderer Archäologen, die neues Wissen in ihrer Rolle als Torwächter (Gatekeeper) tatsächlich unterdrückt haben, allgemein zu „den Archäologen“ – obwohl Graham selbst in Wirklichkeit großen Respekt vor der Arbeit der meisten Archäologen hat, wie er es selbst sogar in seinem letzten Interview mit Joe Rogan deutlich machte:

„Ich möchte nicht jemand sein, der die Archäologie einfach komplett wiederlegt – die Archäologie hat im Laufe der Jahre eine Menge fantastischer und wichtiger Arbeit geleistet, und ich könnte das, was ich tue, nicht ohne die Arbeit der Archäologen tun. Aber es ist diese Gatekeeper-Rolle, die aufgebrochen werden muss.“

Zu Grahams letzter Anmerkung über die Rolle dieser Informationswächer: Häresie ist notwendig, damit die Wissenschaft vorankommt. Die Orthodoxie verfestigt sich in vielerlei Hinsicht, von der Finanzierung der Forschung bis hin zu Gruppenzwang, Gruppendenken und einfach nur „sehen, wonach man sucht“. Aber es gibt auch eine Gefahr – besonders in der heutigen Zeit, mit der „Demokratisierung“ des Informationsaustauschs über das Internet (hier ist es bemerkenswert, dass es eine Reihe von Fällen in „Ancient Apocalypse“ gibt, wo die Serie zu Interview-Einspielern mit verschiedenen Podcasts wie JRE und London Real greift) – um auch alle und jede vermeintlich ketzerische Ideen als wahrscheinlich anzunehmen. So funktioniert Wissenschaft aber nicht, und Experten sind aus gutem Grund auch „Gatekeeper“ – denn sie kennen sich größtenteils in ihrer Materie sehr gut aus. Ja, auch sie können stecken bleiben, sich verfahren, wenn sie falsche Ideen verteidigen, die manchmal zum Mainstream geworden sind, aber in den meisten Fällen haben sie Recht. Das Gegen-den-Strom-Schwimmen sollte als hilfreiches Werkzeug verwendet werden, um diese falschen Ideen aufzubrechen, die es geschafft haben, sich im orthodoxen Denken zu verankern, aber nicht als fundamentalistische Ideologie, innerhalb derer man blind jede Idee glaubt, nur weil sie sich der Orthodoxie widersetzt.

Graham selbst bemerkte in seinem Buch „America Before“, dass seine Theorie über eine fortgeschrittene Zivilisation, die eine Apokalypse kommen sah, „reine Spekulation“ sei. Das ist der richtige Ansatz. Nehmen sie mir diese Bemerkung nicht übel, aber als Außenstehende sollten wir damit rechnen, herausgefordert zu werden. Denken Sie daran: Sie übernehmen ein angesammeltes Wissen, über das viele Menschen einen Konsens erzielt haben, und selbst wenn dieser Konsens falsch ist – was hier und da unweigerlich der Fall sein wird – sollte von jenen, die behaupten, dieses falsche Wissen ad absurdum führen zu können, dann doch erwartet werden, dass auch Sie solide Beweise dafür vorlegen, warum es falsch ist, und in der Lage sein, die neuen Behauptungen einer genauen Prüfung Ihrer Theorie standhaft auszusetzen. Als Ketzer braucht man auch Demut und Zweifel (und vielleicht etwas Humor) über die eigenen Ansichten. Anderenfalls unterscheiden Sie sich selbst nicht von jener höhnischen Orthodoxie, an der Sie eigentlich Anstoß nehmen?

Archivbild: Zahi Hawass (l.) im Streitgespräch mit Graham Hancock (r.).Quelle: G. hancock

Archivbild: Zahi Hawass (l.) im Streitgespräch mit Graham Hancock (r.).
Quelle: G. hancock

Allerdings: Als jemand, der mehrere Jahrzehnte damit verbracht hat, zuzusehen, wie die orthodoxe Archäologie Graham attackierte – manchmal direkt ad hominem – war es für mich auch verständlich, wie es kommen konnte, dass er sich allmählich in einer Ansicht von „Orthodoxie als Feind“ verwurzelt haben könnte. Und mit der Veröffentlichung von „Ancient Apocalypse“ helfen nun auch einige der orthodoxen Reaktionen auf die Serie nun, seinen Standpunkt zu belegen (obwohl in einem Teufelskreis ein Teil dieser Reaktion durch seine eigene boshafte Herangehensweise in der Serie ausgelöst worden sein könnte).

Ein Archäologe deutete an, Grahams alternative Ansichten seien Wahnvorstellungen, die sich aus seinem Konsum von Cannabis und Ayahuasca ergeben. Andere Kritiker sagten, er verbreite „einen gefährlichen rassistischen Mythos“ (oder expliziter gesagt, er sei „ein rassistischer Scheißhaufen“). Wiederum andere Kommentatoren gerieten vollständig Panikmodus und erklärten, „Ancient Apocalypse“ sei „die gefährlichste Show auf Netflix“. Archäologen mögen sie sein, aber sie haben nicht viel Sinn für Psychologie und dafür, wie man die Öffentlichkeit auf seine Seite zieht … Wenn zu mir jemand sagt, eine Serie sei das Gefährlichste auf Netflix, dann schaue ich mir erstrecht auch noch den letzten Mist dieser Serie an.

Als jemand, der Graham begegnet ist und ihn schon ziemlich lange kennt (obwohl ich ihn nicht als engen persönlichen Freund bezeichnen würde), erscheinen mir diese Angriffe selbst hysterisch und völlig falsch. In den letzten Jahren haben sich orthodoxe Archäologen/Skeptiker stark auf jene Angriffsstrategie verlegt, die behauptet, „alternative Geschichtstheoretiker sind Rassisten“. Zweifellos hat das Feld eine lange Geschichte der Assoziation und des Einflusses dieser Ideen, daher sollten diese alten Theorien immer mit Vorsicht behandelt werden – und die Motivationen moderner „Einflussfaktoren“, die diese Ideen vorantreiben, genau unter die Lupe genommen werden. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass „alle alternativen Geschichtstheoretiker“ rassistische Scheißkerle und Nazis sind. Tatsächlich sind schon viele orthodoxe Archäologen und Kritiker wissenschaftlicher Randgebiete in genau diese Falle getappt (ob aus Versehen oder absichtlich). Der exakt gleiche Vorwurf könnte wahrscheinlich gegen die Bereiche Archäologie, Evolutionstheorie und Genetik erhoben werden, die alle eine Geschichte haben, die entweder rassistische Ansichten gefördert haben oder von Rassisten für ihre eigenen Ideologien verwendet wurden. Und da Hancock selbst Teil einer multiethnischen Beziehung und Familie ist – und ein langjähriger Unterstützer der Rechte der Ureinwohner und dessen, was die meisten als „linksgerichtete“ Ideen bezeichnen würden –, liegt jeder, der ihn auf persönlicher Ebene mit dieser Anschuldigung konfrontiert schlichtweg falsch und macht dabei ehrlich gesagt keine besonders schlaue Figur.

Darüber hinaus gibt es, wie Graham in der Serie betont, viele wirkliche Beispiele dafür, dass Archäologie und Historiker falsch liegen und auch länger als nötig an diesen falschen Ideen festhalten, wie zum Beispiel, der Sturz der „Clovis first“-Doktrin und das, obwohl viele Archäologen diese jetzt als Beispiel dafür verwenden, wie sie neue Theorien annehmen. Ich selbst bin alt genug, um zu wissen, wie lange diese Abkehr gedauert hat und auf welchen Widerstand man dabei gestoßen ist – sogar einige von Grahams Kritikern stellen offen fest, dass es eine „Clovis-Mafia“ gab, die die falsche, orthodoxe Ansicht ihrer Zeit lange verteidigten). Selbst bei Theorien, die möglicherweise nicht die gleiche historische Bedeutung haben, wie die immer noch umstrittene „Orion-Korrelationstheorie“ der Pyramiden von Gizeh, die vor etwa 3 Jahrzehnten von Robert Bauval (Anm. GreWi: In ihrem Buch „The Message of the Sphinx: A Quest for the Hidden Legacy of Mankind” / dt. “Der Schlüssel zur Sphinx – auf der Suche nach dem geheimen Ursprung der Zivilisation“, verweisen die Autoren auf eine Übereinstimmung der Positionen der Pyramiden mit Sternen im Orion.) vorgebracht wurde, scheint es kein Ende des energischen und unlogischen Widerstands zu geben, nur weil es sich um unorthodoxe Theorien handelt, die von Außenseitern des Berufsstandes aufgestellt wurden.

Die Notwendigkeit eines Advokaten des Teufels

Und hier, denke ich, ist der Vorteil, da draußen einen Graham Hancock da zu haben, der Bücher schreibt und Dokumentarfilme macht. Klar: Er ist am besten, wenn er seine eloquente Stimme substanziellen Ideen von Außenstehenden verleiht (sie mögen nicht unbedingt richtig sein, aber sie verdienen ernsthafte Aufmerksamkeit) und frischen Ideen innerhalb der Archäologie selbst, die die orthodoxe Sichtweise in Frage stellen. Von der Sphinx-Verwitterungstheorie von John Anthony West und Robert Schoch und der erwähnten Orion-Korrelationstheorie von Robert Bauval bis hin zu Entdeckungen antiker Ruinen in Amerika, der Cerutti-Mastodon-Kontroverse, der ‚Younger Dryas Impact Theory‘ und der Vorstellung von verlorenen, überschwemmten Kulturen der Eiszeit. Wenn er „gute Schwierigkeiten“ macht, bringt Graham meiner Meinung nach viel zu Stande.

Sobald er jedoch versucht, eine einzige übergreifende Theorie zu beweisen, die alle Punkte verbindet, kommt es zu vielen falsch verbundenen Punkten und er scheint sich zu oft auf schwächere Theorien und schlechte Forschung zu verlassen, die von dem anderen faszinierenden Material ablenken, das er eigentlich hat – und dies war mein zweites Probleme mit „Ancient Apocalypse“. Zum Beispiel fand ich Dinge wie die Beweise für die „Asteroidenwarnung“ von Gobekli Tepe, die in Episode 5 präsentiert wurden, extrem schwach (ich habe zuvor über dieses Thema geschrieben) – und zahlreiche Episoden stützten sich (meiner Meinung nach) auf ähnlich schwache Beweise. Das Einbeziehen von Beweisen dieser Qualität verschwendet nicht nur die Zeit des Publikums, sondern schadet einem selbst, da es einen einfache Angriffspunkte bietet und das Publikum dazu bringen könnte, alles, was sonst präsentiert wird durch die „Schuld durch Assoziation“ abzulehnen.

Irgendwie ist das ironisch, weil Gobekli Tepe selbst wie ein Gewinn für Graham zu sein scheint – eine megalithische Kultur aus der Zeit vor 10.000 Jahren, ganz so, wie er es in seinen frühen Arbeiten vorhersagte. Es besteht also gar keine Notwendigkeit, sich zu überfordern, zu etwas anderem zu machen, in dem man etwa anhand der äußerst spekulativen Sternenkarte des Forschers Martin Sweatman nutzt. Das Gleiche gilt für andere Bereiche, in denen seine Schriften geradezu prophetisch erscheinen, wie etwa die Idee, dass Hochwassermythen historische Erinnerungen sein könnten. Und Grahams hochkarätige Warnung vor den Gefahren eines die Zivilisation beendenden Asteroidenschlags ist selbst eine würdige Mission für sich und hätte viele weitere Beweise und spektakuläre Orte und Bilder gehabt, die hätten verwendet werden können.

Ein unmöglicher Traum?

Ich habe einen (wahrscheinlich naiven) Traum von Graham Hancock und Archäologen, die zusammenarbeiten – nicht unbedingt einer Meinung sind, aber freundliche und faszinierende Debatten mit guter Laune führen – die die Öffentlichkeit dazu bringen, sowohl mehr über das zu erfahren, was wir über unsere Vergangenheit wissen, als auch zu lernen gleichzeitig unser Wissen herauszufordern und uns auf gesunde Spekulationen einzulassen. Wie ich bereits gesagt habe, ob Archäologen es mögen oder nicht, Graham Hancock ist einer der besten Publizisten auf diesem Gebiet (ich habe von vielen orthodoxen Archäologen gehört, die derzeit eine Abneigung gegen Graham und/oder seine Theorien hegen, die nichtsdestotrotz zugeben, dass sie sich durch ihn zum ersten Mal für das Studium der Archäologie interessiert haben). Die orthodoxe Archäologie könnte seine Ideen als Sprungbrett nutzen, um mit seinem Publikum in Kontakt zu treten und es dazu zu bringen, Ideen detaillierter zu untersuchen und vielleicht sogar schließlich zum Beruf beizutragen.

Zum Thema

Leider scheint das anhand von „Ancient Apocalypse“ und seinen Episoden unwahrscheinlich. Wie ich schon sagte, fand ich die Serie gegenüber Archäologen unnötig aggressiv (und selbst in den laufenden Debatten gab es meiner Meinung nach – in unserem modernen „Social-Media-Zeitalter“ – ein schlechtes und potenziell gefährliches Verhalten, wie z. B. das Teilen der Namen und der E-Mail-Adresse des Serpent-Mound-Kontakts (…GreWi berichtete) durch Hancock, wo man ihm die Drehgenehmigung verweigerte, während er selbst die Daten seiner eigenen Leute verschleierte. Umgekehrt gab es andere Personen, die haufenweise gefälschte negative Rezensionen von Akademikern organisierten, um die Serie zu kritisieren. Es gibt einen Punkt, an dem wir bei der Erörterung fremder Ideen die Pflicht haben, zu bekräftigen, dass es sich um Spekulationen handelt – wir stellen anomale Beweise fest und werfen spekulative Ideen in die Runde – aber nicht, weil diese Ideen dadurch per se wahrscheinlich wahr sind und Archäologen es deshalb Feinde dieser Ideen sind. Sondern weil solche Konfrontation oft zu negativen, realen Konsequenzen für die Angegriffenen führen und das auf beiden Seiten.

Wie die Forscherin Steph Halmhofer betont, ähnelt diese Darstellung von Archäologen als Feind und Graham als Opfer den Taktiken, die in der Verschwörungserzählungen verwendet werden, um ein Publikum aufzubauen – durch die Verstärkung des „wir gegen die“ und die Idee, dass die Wahrheit absichtlich versteckt wird (der Beweis, der vorgelegt wird, gilt dann oft nur als die Spitze des Eisbergs – selbst wenn es nicht immer einen Eisberg gibt). Wenn Leute wie der schreckliche Daily Caller und Matt Walsh begonnen haben, ihre Ideen zu nutzen, um Teile ihres Publikums für politische Zwecke zu lenken, so sollten wir vielleicht erkennen, dass und wann wir uns vielleicht auf das falsche Territorium gewagt haben…

Aber wie bereits erwähnt, gab es schlechten Benimm und Verhalten nicht auf einer Seite. Eine Reihe von Archäologen und Skeptikern haben sich viele Jahre lang unausstehlich verhalten und nicht gerade als Werbung für Menschen gedient, die von Graham Hancocks Büchern inspiriert wurden. Und die Angriffe in den Medien gegen die Sendung, von denen viele von ein paar archäologischen Gegnern von Hancock kamen, haben umgekehrt die orthodoxen Ansichten nicht in ein gutes Licht gerückt. Wenn überhaupt, so haben sie damit in der heutigen Zeit des Konträrismus und der Anti-Experten-Stimmung wahrscheinlich sogar viel mehr Menschen auf die Seite von Graham Hancock getrieben.

Aber es gibt doch noch etwas Hoffnung. Ich habe eine Reihe von Archäologen gesehen, die sich mit der Popularität der Serie beschäftigt haben, und die „guten Probleme“ begrüßen, die Graham Hancock für das Forschungsfeld beitragen könnte. So etwa der Archäologe Bill Farley von der Southern Connecticut State University:

Wie Farley sagt: „Es ist nichts falsch daran, groß zu denken und groß zu träumen, und ich stimme denen zu, die gesagt haben, dass dies hilfreich sein kann, um eine Wissenschaft dazu zu bringen, ihren Horizont zu erweitern und ihren Horizont zu erweitern.“ Es ist jedoch auch wichtig, dem Publikum klar zu machen, dass sie eine Mischung aus interessanter Wissenschaft und Spekulation anbieten, und es ist absolut unerlässlich, dass sein Publikum nicht davon überzeugen, dass diejenigen, die nicht mit den eigenen Ansichten übereinstimmen, deshalb keine „Feinde“ sind.

 

Greg Taylor ist der Herausgeber des Online-Magazins „DailyGrail.com” und Autor zahlreicher Beiträge und Bücher, unter anderem von “Stopp Worrying. There Probably is an Afterlife“.

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