GreWi nachgefragt: Anthropologin Mireya Mayor beantwortet Fragen zu möglichen Wärmebildaufnahmen eines Bigfoot

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Das Plakat zur TV-Dokureihe “Expedition Bigfoot”. Copyright: Travel Channel

Das Plakat zur TV-Dokureihe “Expedition Bigfoot”.
Copyright: Travel Channel

Saarbrücken (Deutschland) – Seit vergangenen Dezember sorgen Bilder einer Wärmebildkamera für Aufsehen und Kontroversen – zeigen diese doch möglicherweise einen der legendären nordamerikanischen „Waldmeschen“, die als Bigfoot oder Sasquatch bekannt sind. Die Aufnahmen selbst gelangen einer TV-Expedition in einem Gebiet, das als potentieller Lebensraum der wissenschaftlich noch nicht anerkannten Großprimaten gilt. Da bislang nur kurze Ausschnitte der Wärmebildaufnahmen gezeigt wurden, hat Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) die an der Expedition beteiligte Anthropologin Dr. Mireya Mayor um weitere Informationen zu den Aufnahmen gebeten.

Wie GreWi bereits zuvor berichtete, hatte das Team um den Outdoor-Überlebenskünstler Russell Acord, den Kryptozoologen Ronny LeBlanc und die Anthropologin Dr. Mireya Mayor vom US-amerikanischen „Travel Channel“ mit Hilfe intelligenter Algorithmen anhand von mehr als 10.000 Bigfoot-Sichtungsberichten der vergangenen 50 Jahre ein 35.000 Hektar großes, dicht bewaldetes Gebiet im Zentral-Oregon identifiziert, in dem zu einer bestimmten Beobachtungszeit die Wahrscheinlichkeit für Bigfoot-Sichtungen besonders hoch sein sollte. Um dem legendären nordamerikanischen „Waldmenschen“ auf die Spur zu kommen, nutzte das Team neuste Beobachtungstechnologien und wertete entdeckte Spuren, Fußspuren, Haare und mögliche Bigfoot-Schlafnester aus, die sie in dem vermeintlichen Bigfoot-Habitat fanden. Während dieser „Expedition Bigfoot“ gelangen den Forschern sodenn Wärmebildaufnahmen eines Lebewesens, in denen nicht nur das TV-Team und die beteiligten Wissenschaftler einen bislang einzigartigen Beweis für die Existenz der noch immer mystischen Wesen sehen (…GreWi berichtete).

Die Fragen an Dr. Mireya Mayor stellte GreWi-Herausgeber Andreas Müller.

GreWi: Dr. Mayor, auf Grenzwissenschaft-Aktuell.de habe ich bereits über die unmittelbar nach der ersten Folge von „Expedition Bigfoot“ vieldiskutierten Aufnahmen berichtet. Auch bei den GreWi-Lesern haben diese für die eine und andere Kontroverse und Fragen gesorgt. Können Sie mir mehr über die vollständige Aufnahme berichten – ich vermute, dass das, was die Öffentlichkeit bislang zu sehen bekam, nur ein kleiner Ausschnitt ist?

Dr. Mireya Mayor: Gerne. Es stimmt, was die Öffentlichkeit bislang gesehen hat, ist tatsächlich nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Aufnahme. Was meine Kollegen und ich – darunter weltweit renommierte Primatologen – gesehen haben, ist sehr überzeugend und wir alle stimmen darin überein, das das Video ein großes, aufrechtgehendes Tier bzw. Lebewesen zeigen, das sich deutlich von allem unterscheidet, was nach bisherigem Wissensstand dort draußen (Zentral-Oregon) sein sollte.

Dr. Mireya Mayor
Auf Ihrer Webseite beschreibt sich Dr. Mireya Mayor selbst als Primatologin, Anthropologin, Wildtierexpertin, Tier- und Umweltschützerin, Forscherin, Motivationsrednerin, Autor und TV-Moderatorin.

An der University of Miami studierte sie Anthropologie und Philosophie und erhielt ihren Doktortitel in Anthropologie an der Stony Brook University in New York. Aktuell arbeitet sie als Korrespondentin für den National Geographic Channel. Gemeinsam mit Kollegen entdeckte sie eine kleine Lemurenart auf Madagaskar und arbeitet derzeit mit der dortigen Regierung an der Einrichtung eines Nationalparks zum Schutz der gefährdeten Art.

– Ein LonelyPlanet-Interview mit Mireya Mayor finden Sie HIER

GreWi: Einige Leser haben sich gewundert, welche Technologie für die Aufnahmen verwendet wurde. Zum einen sieht es so aus, als handele es sich um schwarz-weiße Wärmebildaufnahmen, die zunehmende Wärme eigentlich in Weißtönen zeigen sollte, die rote Färbung legt aber etwas anderes nah. Können Sie uns helfen, genauer zu verstehen, welche Technologie genau wir hier sehen?

Dr. Mayor: Es wurde ein thermales Fernglase benutzt, mit dem man auch Videosequenzen aufzeichnen kann. Die Bilder der Aufnahmen sind das Ergebnis einer Übertragung dieser Aufnahmen auf ein externes Betrachtungsgerät via Bluetooth.

Hintergrund

Für eine genauere Spezifikation und Erläuterung der Aufnahmen hat GreWi auch Russel Accord selbst kontaktiert, dem die Aufnahmen gelangen und dazu folgende Erklärung erhalten:
Bei dem Gerät handelt es sich um meine persönliche Ausrüstung und ich habe es direkt von Hersteller erstanden. Es wurde mir also nicht vom Sender zur Verfügung gestellt. Bei dem Gerät handelt es sich nicht um ein grünbeleuchtetes Standard-FLIR-System, wie ich es in vorigen Bigfoot-Dokus verwendet habe. Diese Unterscheidung ist mir angesichts der neuen Aufnahmen besonders wichtig. Bei dem Gerät handelt es sich um ein „Pulsar Accolade XP50“ (siehe Abb. / Coypright/Quelle: Pulsar-nv.com https://www.pulsar-nv.com) mit einer Auflösung von 640×480 Pixeln.

Es erlaubt eine bis zu 25-fachen Vergrößerung dessen, was man durch das Fernglas sieht. Es gibt mehrere Optionen der Farbdarstellung. So kann man etwa zwischen “hot black” (heißem Schwarz) oder “hot white” (heißem Weiß) als Farbkodierung für Wärme bzw. Hitze wählen. Ich selbst bevorzuge aber die Rot-Einstellung “red hot”, mit der die Temperaturunterschiede von Tieren zu ihrer Umgebung oder warmen Orten in roten Farbtönen abgebildet wird. Hier beginnt die Abbildung von Wärme mit Weiß und geht über Orange bis hin zu Rot für die größten Wärmeunterschiede. Weitere Informationen und Spezifikationen zum Gerät finden sich auf der Webseite des Herstellers.

Das zweite Gerät wird zur einfacheren Ansicht der Aufnahmen für mehrere Betrachter genutzt und zeigt (via Bluetooth) genau das, was mit dem Fernglas zu sehen ist. Die Aufnahmen, die in der Sendung zu sehen sind, sind also der Raw-Download dessen, was ich direkt mit dem Pulsar so auch beobachten konnte. Diese Aufnahmen wurden nicht modifiziert oder farblich verändert. Ich habe die Speicherkarte mit den Originaldaten natürlich aufbewahrt. Die gleichen Informationen und Daten sind auch auf dem Bluetooth-Gerät gespeichert, das im Aufnahme-Modus lief.

GreWi: Eine weitere Frage ergibt sich aus dem Umstand, dass die bislang gezeigten Sequenzen offenbar (und wie Sie ja obig schon erläutert haben) mit einer handgesteuerten „Kamera“ (Fernglaskamera) erstellt wurden (in der Sendung sieht man, wie das Pulsar-fernglas auf einem kleinen Stativ platziert, von Acord aber von Hand manuell geführt und bedient wird) und die Aufnahme entsprechend wackelig erscheint. Wie erklärt sich das angesichts des Umstandes, dass die Expedition doch von einem professionellen Fernsehteam begleitet und gefilmt wurde?

Dr. Mayor: Die Aufnahmen wurden von einem unserer Teammitglieder, Russel Accord, bei einem nächtlichen Einsatz im Freien und mit dem beschriebenen und hangeführten Wärmebildfernglas gemacht. So erklärt sich auch deren Eigenschaft. Der professionelle Kameramann begleitete meinen Kollegen und filmte ihn, während er (Russel Acord) seine Feldbeobachtungen durchführte und auf Beweise mittels unserer eigenen Ausrüstung hoffte.

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GreWi: Können Sie uns etwas mehr über den möglicherweise auf den Aufnahmen gebannten Bigfoot sagen? Wie weit war das Wesen von der Kamera entfernt, wie groß schätzen Sie und Ihre Kollegen es ein?

Dr. Mayor: Leider kann ich dazu so lange noch nichts sagen, bis die entsprechende Episode mit diesen Informationen ausgestrahlt wurden.

Zeigt dieses Standbild aus der TV-Doku „Expedition Bigfoot“ die Wärmebildaufnahme eines der legendären nordamerikanischen „Waldmeschen“? Copyright/Quelle: Expedition Bigfoot / TravelChannel.com

Zeigt dieses Standbild aus der TV-Doku „Expedition Bigfoot“ die Wärmebildaufnahme eines der legendären nordamerikanischen „Waldmeschen“?
Copyright/Quelle: Expedition Bigfoot / TravelChannel.com

GreWi: Auf der Grundlage dessen, was bislang öffentlich gezeigt wurde, bemängeln einige Kritiker, dass die Aufnahme alles Mögliche zeigen könnte – einen Menschen, einen aufrechten Bären oder eine ungewohnte Ansicht eines Hirsches? Können Sie zu diesen Vermutungen etwas sagen und dem vielleicht auch Argumente entgegensetzten? Schließlich haben Sie sich ja schon öffentlich relativ deutlich dahingehend geäußert, dass wir hier ein „großes, auf zwei Beinen aufrecht gehendes, primaten- bzw. affenartiges Lebewesen sehen?

Dr. Mayor: Wie ich zu Beginn bereits erwähnt habe, habe ich mich natürlich auch schon mit Kollegen – zwei Primatologen, von denen sich einer auf den aufrechten Gang von Primaten spezialisiert hat – über die Aufnahme ausgetauscht. Wir alle schlussfolgern, dass die Bewegung (des Wesens), die wir hier sehen – etwa die Art und Weise wie die Arme schwingen oder das vertikale Höhenverhältnis zwischen Boden und Brust – mit keinem anderen vor Ort bekannten, also einheimischen Tier (darunter auch Bären, die sich ab und zu aufrecht fortbewegen können) erklärt werden können. Zudem wissen wir anhand der Größe (des Wesens) und anderer Faktoren, die noch veröffentlicht werden, dass es sich auch nicht um einen Menschen handelt.

GreWi: Können Sie Namen der von Ihnen zitierten Kollegen nennen?

Dr. Mayor: Ja. Unter anderem handelt es sich um Dr. Russel Mittermeier, der auch in der Sendung namentlich genannt wird, sowie im Dr. Jeffrey Meldrum, die beide ja auch in der Doku zu Wort kommen.

Hintergrund

Dr. Russel A. Mittermeier ist US-amerikanischer Anthropologe, Primatologe und Herpetologe.
30 Jahre lang führte Mittermeier Feldstudien auf drei Kontinenten durch und bereiste mehr als 20 Länder in hauptsächlich tropischen Regionen. Seine Arbeit konzentriert sich auf Primaten und Schildkröten, auf Schutzgebiete und auf andere Aspekte des Naturschutzes. Er gilt als Experte für die Themenbereiche Biologische Vielfalt, Erhaltung von Ökosystemen, Tropenbiologie und Artenschutz. Seit 1989 ist Mittermeier Präsident der Naturschutzorganisation Conservation International. Darüber hinaus ist er seit 1977 Vorsitzender der Primatenschutzexpertengruppe (Primate Specialist Group) der IUCN Species Survival Commission. Von 1978 bis 1989 war er Leiter des Primatenschutzprogramms des WWF. 1987 wurde er Mitglied in der Linnean Society of New York. Zwischen 1988 und 1989 war er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Biodiversität bei der Weltbank. Seit 1995 ist er Präsident der Margot Marsh Biodiversity Foundation, die sich weltweit für den Primatenschutz einsetzt.
Mittermeier entdeckte einige neue Primatenarten, darunter die Sanje-Mangabe, das Maués-Seidenäffchen und 2010 eine neue Lemurenart aus der Gattung der Gabelstreifenmakis. Er ist Autor mehrerer populärwissenschaftlicher und wissenschaftlicher Sachbücher und verfasste über 300 wissenschaftliche Artikel. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Lemurs of Madagascar“ (1994) und „Hotspots. Earth’s Biologically Richest and Most Endangered Terrestrial Ecoregions“ (1999). Seit 2009 ist er Chefredakteur der neunbändigen Buchreihe „Handbook of the Mammals of the World“, die beim spanischen Verlagshaus Lynx Edicions erscheint.
1988 erhielt Mittermeier die Goldmedaille des San Diego Zoos. 1995 wurde er von Prinz Bernhard der Niederlande mit dem Verdienstorden Order of the Golden the Ark geehrt. 1997 wurde er vom brasilianischen Staatsoberhaupt mit dem Orden vom Kreuz des Südens ausgezeichnet. Der Präsident von Suriname verlieh ihm 1998 den Grand Sash and Order of the Yellow Star. 1998 wurde er in die Liste der „EcoHeroes for the Planet“ des Time Magazines aufgenommen. 2004 erhielt er den Aldo Leopold Award der American Society of Mammalogists. Daneben ist sein Name in den Artepitheta des Mittermeier-Mausmakis (2006 durch Edward E. Lewis), des Mittermeier-Wieselmakis (2006 durch Clément Rabarivola) und des Mittermeier-Nacktgesichtsakis (2014 durch Laura K. Marsh) verewigt. 2016 wurde Mittermeier zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Dr. Jeffrey Meldrum, ist Professor für Anatomie und Anthropologie, als Professor am Department of Anthropology at Idaho State University tätig und gilt international als anerkannter Experte für Fußmorphologie und den Bewegungsabläufen von Primaten. Neben dieser Tätigkeit ist Meldrum für sein wissenschaftliches Interesse am Bigfoot-Phänomen bekannt und gilt hier als einer der wenigen akademischen Bigfoot-Experten. Meldrum ist u.a. Autor eines der Bigfoot-Standardwerke mit dem Titel „Sasquatch – Legend meets Science“.

GreWi: Wie ist der weitere Umgang mit den Aufnahmen geplant? Wird die vollständige Aufnahme in einer Episode zu sehen sein und wird sie nach der Ausstrahlung gemeinsam mit allen wichtigen Hintergrundinformationen, Daten usw. im Original veröffentlicht?

Dr. Mayor: Diese Fragen werden derzeit noch diskutiert. Ich selbst bin allerdings nicht die Rechteinhaberin der Aufnahmen.

Zum Thema

GreWi: Als teilnehmende und anerkannte Wissenschaftlerin und Expertin wurden sie – vor allem aufgrund der möglicherweise bedeutenden Wärmebild-Aufnahmen, die dem Team gelungen sind – mehr oder weniger unerwartet in die Welt von Bigfoot&Co, aber auch deren Kritiker und Skeptiker geworfen, werden seither gezielt mit dieser Thematik assoziiert und ihre Beschäftigung damit auch heftig vom wissenschaftlichen Mainstream kritisiert oder gar belächelt. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Mayor: Ich habe all das bereits in einem Posting auf Facebook kommentiert:

Ich bin die Direktorin der Abteilung für Forschungs- und Wissenschaftskommunikation an der Florida International University (FIU) und nicht nur in dieser Position habe ich einiges an Kritik (an meinem Engagement bei der Erforschung des Bigfoot-Phänomens und Teilnahme an der Sendereihe „Expedition Bigfoot“) erfahren, besonders auch von anderen Wissenschaftlern, die der Meinung sind, dass das Bigfoot-Phänomen einer wissenschaftlichen Untersuchung und Diskussion nicht  wert ist.

Ich selbst habe mich der Untersuchung als Wissenschaftlerin und als Antropologin gestellt – nicht als Bigfoot-Enthusiastin. Ich akzeptiere keine Dinge und Behauptungen, für die es keine Indizien und Beweise gibt. Aber ich glaube fest daran, dass man auch etwas riskieren muss, wenn man Teil einer wissenschaftlichen Entdeckung sein will. Ich mag es, solche Risiken einzugehen.

Forschung ist die Grundlage von Wissenschaft. Ich war immer schon am aktiv forschenden Teil der Wissenschaft interessiert. Kontroverse Diskussionen ziehen mich an, weil ich sie sehr interessant und spannend finde.
Von Beginn an wurde meine wissenschaftliche Laufbahn von der Herausforderung der Suche nach verborgenen und unbekannten Arten geprägt. Das hat mich schlussendlich zur Mitentdeckung einiger der kleinsten Primaten auf unserem Planeten geführt. Zudem ist es mir gelungen, einige anderen Arten zum allerersten Mal überhaupt zu fotografieren und zu filmen.

Die teils sehr alten Legenden rund um Bigfoot, gepaart mit den über 10.000 neuzeitlichen Sichtungsberichten dieser Wesen, haben meine Neugierde geweckt. Ich habe besonders großen Respekt gegenüber den Nordamerikanischen Ureinwohnern und ihren Erzählungen. Und um eine meiner großen Heldinnen, Jane Godall, zu zitieren, als sie gefragt wurde, ob sie glaube, dass Bigfoot existiert: „Die Vorstellung von der Existenz von Bigfoot kann nicht einfach so abgetan werden. Ich bin da eine Romantikerin. Ich wünsche mir, dass Bigfoot existiert. Ich habe Menschen getroffen, die schwören, dass sie einen Bigfoot gesehen haben. Ich denke, es ist schon interessant, dass jeder Kontinent seine Geschichten über Wesen wie den Bigfoot hat. Es gibt den Yeti (im Himalaya), den australischen Yowie, den Wilden Mann Chinas usw. Ich habe Geschichten von Menschen gehört, die ich einfach glauben musste. Ich denke also, dass da etwas ist. Was genau es ist, weiß ich nicht.“

Einige (Kritiker) werden nun sagen, dass “Unzählige Untersuchungen bereits bewiesen hätten, dass es keine Bigfoot gibt und das deshalb jegliche weitere Untersuchung reine Zeitverschwendung ist“. Meiner bescheidenen Meinung nach sind aber beide diese Aussagen falsch. Die Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis für die Nichtexistenz einer Art. Es ist unsere Pflicht als Wissenschaftler, unsere Forschung nicht von unserer eigenen Voreingenommenheit vernebeln zu lassen.

Bis heute gibt es keine handfesten Beweise dafür, dass Bigfoot existiert. Es gibt aber unzählige Berichte und unerklärliche Entdeckungen, die ebenso nicht ignoriert werden können bzw. nicht ignoriert werden sollten. Andere sagenhafte Wesen, wie etwa die sogenannten Hobbits, haben bereits das Reich der Märchen, Legenden und Fabeln verlassen, weil neugierige und hartnäckige Wissenschaftler irgendwann dann doch fossile Beweise für ihre (einstige) Existenz gefunden haben. Jedes Jahr werden Dutzende neuer Arten entdeckt und viele mehr warten noch darauf, entdeckt zu werden.

Wie meine Kollegen, habe ich an dieser „Expedition Bigfoot“ mit Neugier und einem Gespür für das Wundersame und unerwartete Entdeckungen teilgenommen. Wo wäre die Wissenschaft ohne eine solche Neugier und das interessierte Wundern?

Ich habe auch die Stelle der Direktorin für Forschungs- und Wissenschaftskommunikation an der FIU angenommen, weil ich an die Einbeziehung der Öffentlichkeit in Forschung und Wissenschaft glaube. Jenen, die meinen, ich habe mich an das Fernsehen verkauft, kann ich nur folgendes erwidern: „Wissenschaft und Unterhaltung können und sollten gemeinsam existieren. Die Frage, ob das nun hochintellektuell oder anspruchslos ist, geht doch am eigentlichen Punkt vorbei. Frauen und Mädchen haben bislang nur wenige weibliche Forscherinnen als Vorbilder im TV: Ich hoffe, dass wenn sie mich hüfthoch in den Sümpfen des Kongo sehen oder sehen, wie ich von Gorillas bedroht werde, sie dies ebenso inspiriert, wie wenn ich die Wälder Oregon erforsche.

Vielleicht bin ich – ganz wie Jane Godall – auch romantisch. Als Wissenschaftlerin kann ich aber versichern, dass ich mit beiden Füßen fest auf der Erde stehe. Ich bin aber auch offen für Möglichkeiten, weil weder der Geist noch die Wissenschaft Dinge hinter verschlossenen Türen erforschen kann.

GreWi: Dr. Mayor, haben Sie vielen Dank für ihre ausführlichen Antworten.

„Expedition Bigfoot“ wurde bislang noch nicht im deutschen TV ausgestraht und auch mögliche Sendetermine sind bislang nicht bekannt. Die bislang auf dem US-amerikanischen Travel Channel ausgestrahlten Folgen sind allerdings via Youtube zu finden: 1, 2, 3, 4, …5 (neu!)

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Quelle: Grenzwissenschaft-Aktuell.de

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