Archäologen entdecken eiszeitliche “Riesen-Faustkeile“ in Kent

Die Archäologin Letty Ingrey bei der Vermessung der „Riesen-Faustkeile“ von Frindsbury. Copyright: Archaeology South-East/ UCL
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Die Archäologin Letty Ingrey bei der Vermessung der „Riesen-Faustkeile“ von Frindsbury.Copyright: Archaeology South-East/ UCL

Die Archäologin Letty Ingrey bei der Vermessung der „Riesen-Faustkeile“ von Frindsbury.
Copyright: Archaeology South-East/ UCL

Frindsbury (Großbritannien) – Bei Ausgrabungen in der britischen Grafschaft Kent haben Archäologinnen und Archäologen ungewöhnlich große eiszeitliche Stein-Faustkeile entdeckt. Die Größe der Artefakte übersteigt die normaler handlicher Werkzeuge so sehr, dass die Archäologen angesichts der Funde an der üblichen Handhabung zweifeln.

Wie das Team um Dr. Matt Pope und Letty Ingrey von der Unversity College London (UCL) aktuell im Fachjournal Internet Archaeology (DOI: 10.11141/ia.61.6) berichten, gelangen ihnen die Funde bei Grabungsarbeiten an einem Bauplatz der Maritime Academy School in Frindsbury. Hier stießen die Archäologinnen und Archäologen oberhalb des Medway Valley auf rund 300.000 Jahre alte eiszeitliche Sedimente und fanden darin rund 800 Steinartefakte.

Zu diesen Funden gehören auch „zwei extrem große Feuersteinmesser“, die die Forschenden als „Riesen-Faustkeile“ bezeichnen. Für gewöhnlich sind diese Steinwerkzeuge derart geformt und groß, dass sie in der namensgebenden Faust gehalten werden können und etwa zum Schlachten von Tieren und der Fleischverarbeitung genutzt wurden.

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Die beiden nun beschriebenen Riesen-Faustkeile haben zwar auch die übliche Form, sind aber deutlich größer als vergleichbare Funde. „Wir bezeichnen solche Faustkeile immer dann als ‚riesig‘, wenn sie länger sind als 22 Zentimeter“, erläutert Ingrey. „Hier haben wir gleich zwei solcher riesigen Funde. Der größere der Beiden misst 29,5 Zentimeter und gehört damit zu den größten derartiger Funde in Großbritannien.“

Tatsächlich sind derart große Faustkeile schon aus früheren Ausgrabungen in den Regionen Thames und Medway bekannt. „Diese Faustkeile sind so groß, dass man sich kaum vorstellen kann, wie man sie leicht hätte halten und benutzen können. Vielleicht erfüllten sie eine weniger praktische oder eher symbolische Funktion als andere Werkzeuge, eine klare Demonstration von Stärke und Können. Derzeit wissen wir noch nicht, warum oder von welchen Menschenarten so große Werkzeuge hergestellt wurden. Vielleicht liefern uns diese neuen Funde weitere Antworten darauf”, so Ingrey.

Detailansicht der „Riesen-Faustkeile“ von Frindsbury.Copyright: Archaeology South-East/ UCL

Detailansicht der „Riesen-Faustkeile“ von Frindsbury.
Copyright: Archaeology South-East/ UCL

Die Forschenden gehen davon aus, dass der Fundort vor rund 300.000 Jahren sowohl von Neandertalern als auch von den frühesten modernen Menschen auf den britischen Inseln bewohnt wurde. Zur damaligen Zeit war das hügelige Medway Valley dicht bewaldet und bot Rotwild und Wildpferden, vielleicht auch eiszeitlichen Löwen und europäischen Waldelefanten eine Heimat.




Tatsächlich handelt es sich bei den aktuell gefundenen Riesen-Faustkeilen“ um die ersten derartiger Funde, die gemeinsam mit derart umfangreichen Beifunden entdeckt wurden, von denen sich die Forschenden nun weiter Hinweise auch auf den Nutzen der beiden Riesenwerkzeuge erhoffen.

Recherchequelle: UCL

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