Archäologen finden erstes megalithisches Monument in Zentralfrankreich

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Das Luftbild der Ausgrabungsstätte zeigt das Steinhügelgrab und einige der Menhire. Copyright/Quelle: Denis Gliksman / INRAP

Das Luftbild der Ausgrabungsstätte zeigt das Steinhügelgrab und einige der Menhire.
Copyright/Quelle: Denis Gliksman / INRAP

Veyre-Monton (Frankreich) – Megalithische Monumente wie die Menhir-Reihen von Carnac in der Bretagne sowie zahlreiche Dolmen und Hügelgräber, machen Frankreichs Küsten zu einem Eldorado für Archäologie- und Megalith-Begeisterte. Hingegen war im zentralfranzösischen Hinterland bislang kein entsprechend komplexes Monument bekannt. Jetzt aber haben Archäologen die erste derartige Anlage in der Auvergne entdeckt.

Wie das Team im Ivy Thomson vom “Institut National de Recherches Archéologiques Préventives“ (INRAP) aktuell berichtet, handelt es sich um das erste derartige Gesamtmonument aus einem Steinhügelgrab (Cairn), ausgerichteten Menhiren und Bildstelen dieser Art, das bislang nicht nur in der Auvergne sondern in ganz Zentralfrankreich entdeckt wurde.

Der weiblich-anthropomorph gestaltete Bild-Menhir. Copyright/Quelle: Nina Parisot / INRAP

Der weiblich-anthropomorph gestaltete Bild-Menhir.
Copyright/Quelle: Nina Parisot / INRAP

Entdeckt wurde die Anlage bei Straßenarbeiten nahe Veyre-Monton (Puy-de-Dôme), zwischen Lyon und Bordeaux im vergangenen September. Sie besteht aus rund 30 umgestürzten Basalt-Menhiren, die einst entlang einer 150 Meter langen Reihe aufgestellt waren, fünf in einer Hufeisenform arrangierten Menhiren, einem abschließenden kleinen Rund aus sechs Steinen und einem abgerundeten Kalksteinmenhir, der zu einer annähernd menschenähnlichen (weiblichen?) Form behauen wurde.

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„Ähnliche anthropomorphe Statuen sind in Frankreich selten und eher aus der Mittelmeerregion (Okzitanien, Provence und Korsika) bekannt. Der hiesige Bild-Menhir unterscheidet sich aber dennoch von seinen südlichen Gegenstücken: Er ist eher grob bearbeitet, vergleichsweise klein und die engstehenden Brüste gleichen eher nördlicheren Beispielen aus der Schweiz und der Bretagne.

Da die 1-1,6 Meter hohen Steine der Menhir-Reihe kleiner werden, je weiter südlich sie aufgestellt wurden, gehen die Archäologen davon aus, dass sie absichtlich in einer Nord-Süd-Ausrichtung ausgerichtet wurden. Zusätzlich zu der Steinsetzung entdeckten die Archäologen ein 14 Meter langes und 6,5 Meter breites Steinhügelgrab (Cairn) mit einem einzigen, darin bestatteten Skelett eines großen Mannes.

Draufsicht auf das Steinhügelgrab mit Skelett. Copyright/Quelle: Denis Glilsman / INRAP

Draufsicht auf das Steinhügelgrab mit Skelett.
Copyright/Quelle: Denis Glilsman / INRAP

Alle Bauten, Mehire wie auch das aus rund 30 Tonen Steinen zusammengetragene Grab, wurden einst – offenbar gezielt und absichtlich – umgestürzt, eingeebnet und mit Schutt und Erde bedeckt. Offenbar, so vermuten die Archäologen, handelte es sich dabei um eine Art frühgeschichtliche Bilderstürmerei. Ohne weitere Belege, bleibt die Frage nach den Tätern, deren Motiven und Absichten jedoch weiterhin unbeantwortet.

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„Alleine das Grab hat monumentale Ausmaße“, berichtet Thomson. „Es brauchte viele Menschen, um es zu errichten – beinhaltet aber dennoch nur eine einzige Person. Zweifelsohne hatte dieser Mann also eine hohe gesellschaftliche Stellung.“

Während eine genaue Datierung der Anlage noch aussteht, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits feststellen, dass einige der verwendeten, bis zu einer Tonne schweren Steine aus der weiteren Umgebung stammen und schlussfolgern deshalb, dass die Errichtung der Anlage das gemeinschaftliche Werk mehrerer lokaler Gemeinschaften war.

Weitere Ansicht der Anlage aus der Bodenperspektive. Copyright/Quelle: Denis Gliksman / INRAP

Weitere Ansicht der Anlage aus der Bodenperspektive.
Copyright/Quelle: Denis Gliksman / INRAP

Derzeit stehe man noch vor vielen Fragen, aber schon jetzt sei klar, dass der Fund von großer Bedeutung sei, so Thomson abschließend. „Der Bau dieser megalithischen Konstruktionen bedurfte vieler Arbeiter und einer gemeinschaftlichen Planung und Durchführung.“

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Quelle: INRAP

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