Agypten: Archäologen wollen schwarzen Sarkophag eines (noch) Gesichtslosen öffnen


Das neuentdeckte Grab von Alexandria.

Copyright: Ministry of Antiquities

Alexandria (Ägypten) – Im Distrikt Sidi Gaber nahe Alexandria haben ägyptische Archäologen eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Neben einem mächtigen, offenbar noch unversehrten und damit ungeöffneten Sarkophag aus schwarzem Granit zeigt eine unvollendete, gesichtslose Büste vermutlich den in diesem Sarkophag Bestatteten. Jetzt soll der rätselhafte schwarze Sarkophag geöffnet und das Geheimnis über seinen Inhalt gelüftet werden.

Wie das ägyptische Antikenministerium berichtete, misst der Sarkophag 1,85 Meter Höhe, 1,65 Meter Breite und 2,65 Meter Länge. Damit handelt es sich um das größte bekannte Exemplar dieser Art, das bislang in Alexandria gefunden wurde. Die unvollendete Büste besteht aus Alabaster und stellt vermutlich die im Sarkophag beigesetzte Person dar. Die Forscher vermuten dahinter einen einstigen Adligen aus Alexandria und datieren das Grab bislang offiziell in die Zeit der Ptolemäer, die nach dem Tod Alexander des Großen im Jahre 323 begann und bis 30 v. Chr. währte.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen und kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Hintergrund: Wer liegt in dem schwarzen Sarkophag?
Seit der Entdeckung spekulieren Wissenschaftler wie Laien angeregt darüber, wer in dem mächtigen Granitsarkophag beigesetzt worden sein könnte.

Einige vermuten sogar schon, es könnte sich um das geheime Grab Alexanders des Großen, dem Gründer (331 v.Chr.) und Namensgeber der Stadt handeln. Obwohl historische Quellen davon berichten, dass Alexander nach seinem Tod im Jahr 323 v. Chr. tatsächlich in oder nahe Alexandria bestattet worden sein soll, ist seine letzte Ruhestätte bis heute unentdeckt.


Weitere Ansichten der gesichtslosen Alabaster-Büste. In der starken Verkleinerung treten die vorgesehenen Gesichtszüge bereits ans Licht.

Copyright: Ministry of Antiquities, Bearb. Grenzwissenschaft-Aktuell.de

Gegenüber „National Geographic“ haben sich zwei an den Ausgrabungen beteiligte Archäologen über die Diskussion um die Identität des hier Beigesetzten anonymisiert geäußert. Beide bezweifeln offenbar die offizielle Datierung des Grabes und vermuten aufgrund dessen ungewöhnlich großen Proportionen, dass der Srakophag eher aus einer früheren pharaonischen Dynasty stammt. Da jedoch zu dieser Zeit Alexandria als Stadt noch gar nicht existierte, könnte der ältere Sarkophag jedoch auch leer hier her gebracht und später verwendet worden sein, spekuliert einer der Archäologen.

Der andere Archäologe vermutet hingegen, es könne sich auch um ein deutlich jüngeres Grab, etwa aus römischer Zeit handeln, die auf die Herrschaft der Ptolemäer folgte. Hierfür spreche die vergleichsweise geringe Tiefe des Grabes und auch der Ort des Fundes – außerhalb der antiken Stadtgrenzen Alexandrias – lasse es unwahrscheinlich erscheinen, dass es sich um ein ägyptisch-königliches Grab handelt.

Tatsächlich sind allerdings derart mächtige Sarkophage aus schwarzem Granit selbst keine Seltenheit: Alleine das Ägyptische Museum im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel zeigt in seiner Ausstellung gleich mehrere, zudem reich verzierte, beeindruckende Exemplare aus der ägyptische Spätzeit.


Zwei Granit-Sarkophage aus der ägyptischen Sammlung des Neuen Museums zu Berlin: Im Vordergrund der Sarkophag des Generals Padi-Iset aus der Spätzeit (746-332 v. Chr.). Dahinter der Granitdiorit-Sarkophag des Anch-Hor, ebenfalls Spätzeit.

Copyright: A. Müller für Grenzwissenschaft-Aktuell.de, Neues Museum Berlin

Aufgrund des noch unversehrten Mörtels zwischen Koffer und Deckel, hoffen die Archäologen, dass der Sarkophag selbst noch ungeöffnet und sein Inhalt damit seit Jahrtausenden unberührt ist.

Bevor der Sarkophag allerdings geöffnet werden kann, soll er in die Werkstätten eines nahem Museums verbracht werden. Da der Sarkophag jedoch in rund fünf Metern Tiefe liegt (s. Abb. l., Copyright: Ministry of Antiquities) und selbst ca. 30 Tonnen wiegt, dürfte das kein leichtes Unterfangen werden. Alleine das Gewicht des Deckels schätzen die Wissenschaftler auf etwa 15 Tonnen. Diskutiert wird derzeit auch eine Blockbergung des gesamten Grabes. Erst wenn diese Probleme technisch gelöst wurden, kann der Sarkophag geöffnet und sein erhofftes Inneres untersucht werden.

…GreWi wird weiterhin berichten.

© grenzwissenschaft-aktuell.de