Auch Haie nutzen Erdmagnetfeld wie eine Karte

Kleine Hammerhaie im Testbecken. Copyright: Bryan Keller
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Kleine Hammerhaie im Testbecken. Copyright: Bryan Keller

Kleine Hammerhaie im Testbecken.
Copyright: Bryan Keller

St. Teresa (USA) – Nachdem die Navigation entlang der Signaturen des Erdmagnetfeldes bereits bei zahlreichen Tierarten zu Lande und zu Wasser nachgewiesen werden konnte, zeigen neue Untersuchungen, dass auch Haie für ihre langen Reisen durch die Meere das planetare Magnetfeld wie eine Karte zur Orientierung nutzen.

Wie das Team um Bryan Keller vom Coastal and Marine Laboratory an der Florida State University und der Naturschutzorganisation „Safe Our Seas Foundation“ aktuell im Fachjournal „Current Biology“ (DOI: 10.1016/j.cub.2021.03.103) berichten, war bislang unklar, wie Haie derart erfolgreich durch die Ozeane navigieren können. „Unsere Untersuchungen zeigen nun, dass auch Haie einen Sinn für das Erdmagnetfeld besitzen, der ihnen bei ihren jährlichen Langstreckenmigrationen durch die Meere wie ein GPS dabei hilft, den richtigen Weg zu finden.“

Da bereits bekannt war, dass Haie einen Sinn für elektromagnetische Felder haben, hatten Forschende bereits zuvor vermutet, dass die Raubfische auch für geomagnetische Felder empfindlich sein könnten. Genau diese Theorie haben Keller und Team nun in einem Versuchsaufbau untersucht.

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In ihren Experimenten in einem Becken nutzten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die vergleichsweise kleinen Schaufelnasen-Hammerhaie (Sphyrna tiburo), die auch als “Kleine Hammerhaie” und dafür bekannt sind, dass sie alljährlich an bestimmte Orte zurückehren.

Tatsächlich kehren Hammerhaie jedes Jahr in die gleichen Flussmündungen zurück. „Dieses Verhalten zeigt, dass die Tiere sozusagen wissen, wo sie zuhause sind und dorthin auch trotz langer Reiserouten stets zurückfinden“, erläutert Keller. „Für uns stellte sich die Frage, ob Hammerhaie diese Leistung vielleicht aufgrund einer magnetischen Karte vollbringen?“

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Um diese Frage zu beantworten, untersuchten die Forscher und Forscherinnen 20 junge, in freien Gewässern gefangene Kleine Hammerhaie und setzten sie magnetischen Bedingungen aus, wie sie Orten entsprachen, die Hunderte von Kilometern vom jeweiligen Fangort entfernt vorherrschen. Auf diese Weise wollten die Forschenden versuchen vorherzusagen, wie sich die Haie gemäß den Magnetfeldern ausrichten – sollten sie für diese empfindlich sein. So sagten die auf der Theorie basierenden Vorhersagen eine nach Norden gerichtete Orientierung der Tiere in einem südlichen Magnetfeld und umgekehrt voraus, weil die Tiere vermutlich versuchen würden, ihre wahrgenommene Fehlplatzierung auszugleichen. Würde also das simulierte Magnetfeld dem des Fangortes entsprechen, so sagten die Forschenden keine Veränderung der Ausrichtung der Tiere voraus. Tatsächlich trafen den auch alle Voraussagen der Forschenden zu.

Das Team um Keller vermutet nun auch, dass sich die Fähigkeit der Haie gemäß magnetischer Felder zu navigieren, auch zur Populationsstruktur von Haien beiträgt. Schließlich könnten die Beobachtungen an den Hammerhaien auch Fähigkeiten anderer Haiarten erklären. So ist etwa der Große Weiße Hai dafür bekannt, zwischen Südafrika und Australien hin und her zu wandern und Jahr für Jahr immer wieder an die gleichen Orte zurückzukehren. “Es ist doch schon erstaunlich, dass ein Hai 20.000 Kilometer durch die dreidimensionalen Ozeane zurücklegen kann und dennoch immer wieder an die gleichen Orte gelangt. In einer Welt, in der wir Menschen satellitengestütztes GPS für eine solche Leistung verwenden, ist eine solche Fähigkeit doch wirklich beeindruckend.“

In nächsten Untersuchungen wollen Keller und sein Team ergründen, wie und ob sich menschengemachte Magnetfelder, etwa verursacht durch Unterseekabel, auf die Fähigkeit der Hai auswirkt. Zudem wollen sie herausfinden, ob sich Haie vielleicht nicht nur auf ihren langen Reisen, sondern auch im Alltag an magnetischen Signaturen orientieren.




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Quelle: Cell Press

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