Außerirdisches Leben könnte sich von kosmischer Strahlung ernähren

04088
Das Bakterium Desulforudis audaxviator gedeiht in 2,8 Kilometern Tiefe, fernab von Licht, Sauerstoff und Kohlenstoff alleine durch die Nutzung radioaktiver Strahlung.

Copyright: NASA

Seattle (USA) – Die Entdeckung von Mikroben in einer südafrikanischen Goldmine, die sich von der Strahlung radioaktiven Uraniums ernähren, lässt Astrobiologen darüber spekulieren, ob außerirdisches Leben vielleicht auch an bislang für Leben gänzlich ungeeigneten Orten gedeihen könnte, in dem es von eigentlich schädlicher natürlicher radioaktiver oder kosmischer Strahlung zehrt.

Das stabförmige Bakterium Desulforudis audaxviator (D. audaxviator) lebt in einer Tiefe von rund 2,8 Kilometern – abgeschlossen von allem, was irdisches Leben für gewöhnlich am Leben hält: Licht, Sauerstoff und Kohlenstoff. Ähnliche Bedingungen sind leicht auch an zahlreichen bislang als lebensfeindlich geltenden Orten in und außerhalb unseres Sonnensystems leicht vorstellbar – besonders auf Himmelskörpern wie etwa dem Mars, deren Oberfläche nicht von einem Magnetfeld vor solarer und kosmischer Strahlung geschützt wird.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen GreWi-Newsletter bestellen +

Bislang bekanntes, irdisches Leben bezieht seine Lebensenergie auf eine von zwei Arten: Pflanzen und einige Bakterien erhalten ihre Energie durch das Sonnenlicht, mit dessen Hilfe sie aus Wasser und Kohlenstoffdioxid den Zucker Glucose und Sauerstoff produzieren. Tiere – und damit auch wir Menschen – beziehen ihre Energie durch den Verzehr von organischer Materie (Pflanzen und Fleisch) und nutzen damit sozusagen jene Energie, die in dieser bereits gespeichert ist.

D. audaxviator hingegen nutzt einen dritten Weg, in dem es seine Energie aus der Radioaktivität von Uranium im Felsgestein der Mine bezieht. Hierbei bricht die Strahlung des zerfallenden Uraniums Schwefel- und Wassermoleküle im Gestein auf und erzeugt dabei molekulare Fragmente wie Sulfate und Wasserstoffperoxide, deren Energie das Bakterium nutzt und teilweise auch wieder abgibt. Der Großteil der so gewonnenen Energie nutzt D. audaxviator zur Reproduktion und für innere biologische Vorgänge, aber auch zur Reparatur der von der gleichen Strahlung verursachten biologischen Schäden.

Von D. audaxviator inspiriert spekulieren Forscher um die Astrobiologin Dimitra Atri vom Blue Marble Space Institute of Science in einem aktuellen Fachartikel im “Journal of the Royal Society Interface” (DOI: 10.1098/rsif.2016.0459), ob Leben auch auf anderen Welten nicht genau das gleiche tun könnte, wie Desulforudis audaxviator in der irdischen Mine.

Die hierzu notwendigen radioaktive Quellen könnte sowohl aus dem Innern von Planeten und Monden stammen, oder aber auch in Form galaktisch-kosmischer Strahlung von außen auf die Oberfläche einwirken.

Schon die Oberfläche unseres Nachbarplaneten Mars ist aufgrund der nur dünnen Atmosphäre und eines nicht vorhandenen planetaren Magnetfeldes eine potentieller Heimstätte von Bakterien wie D. audaxviator. Die die Oberfläche des Mars erreichende kosmische Strahlung reicht laut den Berechnungen der Forscher um Atri schon aus, um entsprechende Mikroorganismen mit der notwendigen Lebensenergie zu versorgen.

Auch die Jupiter- und Saturnmonde Europa und Enceladus, sowie zahlreiche weitere Monde und Exoplaneten kommen somit für Leben in Frage, wie es bislang nur schwer vorstellbar galt.

Da galaktisch-kosmische Strahlung jedoch weniger Energie liefert als direkt einwirkende solare Strahlung, dürfte Leben auf dieser Grundlage vergleichsweise klein und einfach sein – eben vergleichbar mit Desulforudis audaxviator. Dennoch könne angesichts des Bakteriums in der südafrikanischen Mine “nicht ausgeschlossen werden, dass solches Leben auch anderenorts existiert.”

In zukünftigen Studien wollen Atri und Kollegen nun Desulforudis audaxviator jenen simulierten Strahlungsdosen aussetzen, wie sie auf den Mars, Europa und andere bekannte Welten einwirken. “Desulforudis audaxviator beweist uns, dass das Leben nahezu überall dort gedeihen kann, wo es irgendeine Form von Energiequelle gibt” erklärt Atri und zitiert abschließend das wohl berühmteste Zitat aus dem Hollywood-Film “Jurassic Park”: “Das Leben findet einen Weg.”

© grenzwissenschaft-aktuell.de