Bigfoot-Experte erklärt die von der indischen Armee entdeckten „Yeti-Fußspuren“

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Stammen diese Spuren im Schnee des Makalu-Barun Nationalparks von einem Yeti? Wohl eher nicht. Copyright: ADG PI - INDIAN ARMY

Stammen diese Spuren im Schnee des Makalu-Barun Nationalparks von einem Yeti? Wohl eher nicht. Copyright: ADG PI – INDIAN ARMY

Saarbrücken (Deutschland) – Ein Tweet der indischen Armee hat international für Aufsehen und größtenteils Spott gesorgt, will man doch im Schnee des Himalayas auf Spuren des Yetis gestoßen sein. Tatsächlich zeigen sich nicht nur selbsternannte Yeti-Skeptiker von den Fußspuren amüsiert, sondern auch ausgewiesene Experten bezweifeln, dass es sich hier um Spuren des legendären Schneemenschen handelt. Für Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) hat der Bigfoot-und Yeti-Forscher und anerkannte Experte für den Gang von Primaten, der Anatom und Anthropologe Dr. Jeffrey Meldrum von der Idaho State University die Fotos der indischen Armee kommentiert.

In besagtem Tweet erklärt das offizielle Öffentlichkeitsbüro der Indian Army und des Verteidigungsministeriums, eine Bergsteiger-Expedition der indischen Armee habe zum ersten Mal die mysteriösen Fußspuren des mythischen Yetis entdeckt. Die bereits am 9. April im Schnee des Makalu-Barun Nationalparks im Osten Nepals – einer Gegend, in der schon zuvor Yetis gesichtet worden sein sollen – entdeckten Spuren maßen demnach 32×15 Zoll (Inches), was 82x38Zentimetern entspricht.

Da der besagte Twitter-Account der „Indian Army“ von fast sechs Millionen Menschen gefolgt wird, war ein internationales Medieninteresse ebenso abzusehen wie zahlreicher Hohn und Spott, der seither gerade in den sozialen Netzwerken auf die indische Armee zurückfällt.

Das Menschen, die sowieso an der Existenz des legendären Schneemenschen im Himalaya zweifeln, für derartige Entdeckungen und Behauptungen nicht mehr als Spott und Häme übrig haben ist nicht verwunderlich. Doch was sagen ausgewiesene Befürworter der Existenz des Yetis, Kryptozoologen (also jene Forscher, die Tiere suchen, deren Existenz zwar anhand von Legenden und Augenzeugenberichten – nicht jedoch wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen ist) und ausgewiesene Experten für Spuren aufrechtgehender Primaten zu den von den Soldaten entdeckten Fußabdrücken im Schnee.

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Dr. Jeffrey Meldrum vereint alle diese Eigenschaften wie kaum ein anderer Forscher und anerkannter Wissenschaftler in einer Person. Denn neben seiner Tätigkeit als Anatom und Antropologe an der Idaho State University gilt Meldrum auch international als einer der Experten für die Fuß-Morphologie und aktive Fortbewegung von Primaten. Zugleich steht er wie nur wenige anerkannte und respektierte Wissenschaftler auch öffentlich für seine evidenzbasierte Überzeugung über der Existenz der angeblich in den nordamerikanischen Wäldern lebenden „Waldmenschen“, die landläufig als „Bigfoot“ und „Sasquatch“ bekannt sind, sowie für deren Gegenstücke in Russland und Asien, die u.a. als Almas, Yeren oder eben auch als Yeti bezeichnet werden.

Auf Anfrage von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) zeigte sich Meldrum angesichts der aktuellen Fotos aus Indien allerdings eher kritisch und erklärt:

„Tatsächlich sehen diese Abdrücke eher wie das Schrittmuster eines galoppierenden Vierfüßers aus. Ich vermute, dass es sich um die Spur eines laufenden Bären handelt.“

Quelle: Dr. Jeffrey Meldrum

Quelle: Dr. Jeffrey Meldrum

Hinzu erläutert Meldrum seine Interpretation der aktuellen Spuren im Himalaya (siehe obige Abb. u.) gegenüber GreWi mit einem Schaubild (siehe obige Abb. o.) zu genau solchen Laufspuren eines Bären. Die Pfeile markieren dabei jeweils zunächst die vollständige „aufgesetzte rechte fordere Tatzenspur“, die aus Sicht einer Yeti-Deutung die Ferse darstellen würde. Der Rest bzw. vordere Teil des vermeintlichen Yeti-Fußes wird dann, laut Medrum, durch die „Kombination der Spuren der linken Vordertatze und der beiden Abdrücke der hinteren Tatzen gebildet, die im Schnee zu einer Fläche verdrückt und verschmolzen wurde“ (siehe Abb.). Genau auf diese Weise erkläre sich denn auch der erste Eindruck, dass es sich lediglich um die Fußabdrücke eines, bzw. lediglich des rechten vermeintlichen Yeti-Fußes, also eines großen Primaten, handelt.

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Hintergrund
Meldrum selbst gehört auch zu den Kritikern der 2017 veröffentlichten Ergebnisse der DNA-Analysen angeblicher Gewebeproben des Yeti, die allesamt zu dem Schluss kamen, dass diese nicht vom Schneemenschen, sondern von asiatischen Bären stammten.

“Grusel-Präparat” eines “Yeti-Bären” aus den 1930er Jahren im Rheinhold Messner Museum.

“Grusel-Präparat” eines “Yeti-Bären” aus den 1930er Jahren im Rheinhold Messner Museum.

Was in den internationalen Medien als weiterer Schlag gegen die Theorie von der Existenz des Yetis regelrecht gefeiert wurde, war Kryptozoologen selbst eigentlich nicht neu und das Ergebnis angesichts der konkret untersuchten Proben selbst für Fürsprecher der Existenz des Yetis als noch unbekannter Tierart im Himalaya nicht überraschend.

Entsprechend deutlich fiel denn auch die Kritik an der Studie, ihrer Aussagen und Schlussfolgerungen durch Experten aus: “Es steht gar nicht in Frage, dass die Folklore um die mögliche Existenz einer hominiden Art im Himalaya bis zu einem gewissen Grad mit Sichtungen und Begegnungen von Bären vermischt wurde“, so Meldrum damals und führte dazu gegenüber GreWi weiter aus: „Diese Publikation kann aber nur schwer als das letzte Wort in der Frage um die Identität des Yeti betrachtet werden. (…) Die vorliegenden Informationen zeigen, dass von den meisten der untersuchten Proben auch schon zuvor einwandfrei bekannt war, dass sie von Bären stammen. Beispielsweise stammt eine der untersuchten Proben von dem abscheulich präparierten Bären, den das ‘Messner Museum’ als Yeti-Bären zeigt.” Kurz: Wenn man bekannte Bärenproben genetisch analysiert, sollte man sich nicht wundern, wenn diese Analysen diese Proben dann auch als die von Bären ausweisen (…Grewi berichtete).

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