Blue Book: Kleine Ausstellung am US-Nationalarchiv erinnert an UFO-Untersuchungen der Air Force

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Zeitgenössische Comic-Darstellung von UFO-Sichtungen über Washington 1952 (Illu.). Copyright/Quelle: National Archives, Records of Headquarters US Air Force (Air Staff).

Zeitgenössische Comic-Darstellung von UFO-Sichtungen über Washington 1952 (Illu.).
Copyright/Quelle: National Archives, Records of Headquarters US Air Force (Air Staff).

Washington (USA) – Man stelle sich das einmal vor: Im Bundesarchiv in Koblenz würde eine Ausstellung darüber informieren, wie sich die Bundesbehörden und Militärs vor rund 50 Jahren um eine wissenschaftliche Erforschung des UFO-Phänomens bemüht waren. In Deutschland, wo es von jeher offiziell kein staatliches und militärisches Interesse an UFOs gibt, unvorstellbar. In den USA ist so etwas möglich und tatsächlich erinnert das “National Archives Museum” mit einer kleinen Ausstellung von Dokumenten derzeit daran, dass die UFO-Untersuchungen der Air Force im Rahmen des legendären „Project Blue Book“ vor 50 Jahren eingestellt wurden.

Vom 5. Dezember 2019 bis zum 8. Januar 2020 erinnern die “National Archives” der USA an den 50. Jahrestag der Beendigung von “Blue Book”, das als Nachfolgeprojekt der UFO-Untersuchungen im Rahmen des 1947 gestarteten “Project Sign” und “Project Grudge” (1949) 1951/52 ins Leben gerufen wurde, um die zahlreichen Sichtungen und Berichte unidentifizierter Flugobjekte (nicht nur) in den USA wissenschaftlich zu untersuchen.

Zur kleinen Ausstellung von Blue-Book-Dokumenten erläutert das Museum des US-Nationalarchivs folgendes:

“Der Bericht über eine ‚Fliegende Untertasse‘ im Luftraum der USA (Anm. GreWi: gemeint ist wohl die Pressemitteilung der US Air Force, man habe nahe Roswell eine Fliegende Untertasse geborgen) löste seit 1947 eine Welle der “UFO Hysterie“ und Untersuchungen der Bundesbehörden über unidentifizierte Flugobjekte aus. Mehr als 20 Jahre lang analysierte die U.S. Air Force UFO-Sichtungen und alle damit einhergehenden Bedrohungen der Sicherheit der USA – hauptsächlich im Rahmen des 1952 gestarteten ‚Project Blue Book‘.

Grafik über einen vermuteten Zusammenhang zwischen Medienberichten über UFOs und gemeldeten UFO-Sichtungen zwischen Juni und September 1952. Copyright/Quelle: National Archives, Records of Headquarters US Air Force (Air Staff).

Grafik über einen vermuteten Zusammenhang zwischen Medienberichten über UFOs und gemeldeten UFO-Sichtungen zwischen Juni und September 1952.
Copyright/Quelle: National Archives, Records of Headquarters US Air Force (Air Staff).

Project Blue Book beendete seine Untersuchungen vor 50 Jahren, aber die amerikanische Faszination an UFO blieb und bleibt erhalten. Die (jetzt ausgestellten) Dokumente wurden von ‘Project Blue Book’ zusammengetragen und werden in Erinnerungen an Jubiläum dieses Meilensteins und an die fortwährende Neugierde der Amerikaner nun in der East Rotunda Gallery gezeigt.“

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Hintergrund
Nach “Project Sign” (1947) und “Grudge” (1949-1951) war “Blue Book” die dritte und offiziell letzte von insgesamt drei Studien der US-amerikanischen Luftwaffe über “unidentifizierte Flugobjekte”. Laut Angaben der U.S, Air Force (USAF) wurden von 1951 bis 1969 im Rahmen von “Project Blue Book” 12.618 Sichtungsfälle dokumentiert. 701 dieser Fälle – und damit die seither vielfach zitierten rund 5,5 Prozent – blieben nach Abschluss der Untersuchungen offiziell “ungeklärt”. UFO-Forscher konnten allerdings bei späteren Durchsichten der Blue-Book-Akten deutlich mehr ungelöste Fälle identifizieren.

J. Allen Hynek. Quelle: Northwester University Archives

J. Allen Hynek.
Quelle: Northwester University Archives

Mit dem „Condon Committee“ berief die USAF dann eine von „Blue Book“ unabhängige Untersuchungskommission unter der Leitung von Edward Condon von der Universität Colorado ein, die die bis dahin gesammelten Unterlagen über UFO-Vorfälle auswerten. 1969 wurde das „Project Blue Book“ beendet.

Im Januar 1969 kam das Komitee kam dann zu seiner veröffentlichten Schlussfolgerung über die Irrelevanz der UFO-Sichtungen für Wissenschaft und Forschung und der Überflüssigkeit weiterer Untersuchungen und lieferte so der USAF eine wohlfeile Begründung zur Beendigung von Blue Book

Für die an Blue Book (und darüber hinaus) beteiligten Wissenschaftler widersprach das jedoch den aus den Untersuchungen tatsächlich ableitbaren Folgerungen diametral: So schrieb der Astronom J. Allen Hynek, der als wissenschaftlicher Berater sowohl „Sign“, „Grudge“ als auch „Blue Book“ zugerarbeitet hatte: “Der Condon-Bericht hat nichts beigelegt”, nannte die Condon-Einleitung “einzigartig schräg” und schrieb, dass es “vermieden wurde, zu erwähnen, dass im Innern des Berichts ein verbleibendes Rätsel verankert zu finden sei. Das Condon-Komitee sei nicht in der Lage gewesen, angemessene Erklärungen für mehr als ein Viertel der untersuchten Fälle zu liefern. Hynek behauptete weiter, dass „Condon die Art und den Umfang des Problems nicht verstehe “. Der Bericht habe gar nicht erst „versucht festzustellen, ob UFOs wirklich ein Problem für den Wissenschaftler darstellten, ob physisch oder sozial.”

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Über den Umgang mit UFO-Sichtungen und offiziellen UFO-Akten in Deutschland und Europa

Quelle: National Archives Museum

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