„Brennbares Eis“ liefert Hinweise auf mögliches außerirdisches Leben auf eisigen Welten

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Eines von unzähligen, im Innern von Methanhydratlagern entdecktes Mikrohabitat, wie es von seinen Entdeckern aufgrund seiner Form als „Todesstern“ bezeichnet wird. Copyright/Quelle: Snyder et al. (Natur Scientific Report 2019) / University of Abderdeen

Eines von unzähligen, im Innern von Methanhydratlagern entdecktes Mikrohabitat, wie es von seinen Entdeckern aufgrund seiner Form als „Todesstern“ bezeichnet wird.
Copyright/Quelle: Snyder et al. (Natur Scientific Report 2019) / University of Abderdeen

Tokyo (Japan) – Im Innern kleinster, in Methaneis eingeschlossener Blasen aus Öl und Waser, haben Biologen sogenannte Mikrohabitate, also Lebensräume von Mikroben entdeckt. Auf diese Weise zeigen die Forscher, wie und wo in eisigen Welten Leben existieren könnte.

Die winzigen Blasen entdeckte das Team um Dr. Glen T. Snyder und Professor Ryo Matsumoto von der japanischen Meiji University im Innern großer Hydratflöße im Japanischen Meer, die als “brennbares Eis” oder Methanhydrat bekannt sind und entstehen, wenn Eis Methan in seiner Molekülstruktur bindet.

Wie das Team aktuell im Fachjournal „Nature – Scientific Reports“ (DOI: 10.1038/s41598-020-58723-y) berichtet, hatten sie zuvor das Methanhydrat als potentielle Energiequelle untersucht, die weniger Abfallkohlenstoff als herkömmliche fossile Brennstoffe emittiert. Hierzu schmolzen sie zunächst das Hydrat auf, um das so entweichende Methangas zu untersuchen. Hierbei entdeckten die Wissenschaftler dann ein ungewöhnliches Pulver, das aus mikroskopisch kleinen Sphäroiden, also kleinsten Kügelchen, teilweise mit sonderbaren dunklen Kernen bestand (siehe folgenden Abbildung) und anschließend analysiert wurden.

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Mithilfe von Analysetechniken, die an der Universität von Aberdeen entwickelt wurden und für kleine Probenmengen geeignet sind, gelang es dann Dr. Stephen Bowden von der University of Aberdeen nachzuweisen, dass in den Mikroumgebungen im Methanhydrat Öl zersetzt wird.

Das in den Kernproben gelöste Material beinhaltet Mineralaggregate auf nahezu reinem Dolormit (a). Schon im Lichtmikroskop zeigen sich in einigen dieser Aggregate dunkle Einschüsse (b). Die sich bei weiteren Analysen als die beschriebenen Mikrohabitate erwiesen (u.a.c-f). Copyright/Quelle: Snyder et al. (Natur Scientific Report 2019) / University of Abderdeen

Das in den Kernproben gelöste Material beinhaltet Mineralaggregate auf nahezu reinem Dolormit (a). Schon im Lichtmikroskop zeigen sich in einigen dieser Aggregate dunkle Einschüsse (b). Die sich bei weiteren Analysen als die beschriebenen Mikrohabitate erwiesen (u.a.c-f).
Copyright/Quelle: Snyder et al. (Natur Scientific Report 2019) / University of Abderdeen

“In Kombination mit den anderen von meinen Kollegen gesammelten Beweisen zeigten meine Ergebnisse, dass hier selbst bei fast gefrorenen Temperaturen und unter extrem hohen Drücken lediglich mit Schweröl und Salzwasser als Nahrungsquelle das Leben florierte und seine Spuren hinterließ“, so Bowden.

“Das Methan im ‘Methanhydrat’ wird bekanntermaßen gebildet, wenn Mikroben organische Substanzen auf dem Meeresboden abbauen“, führt Snyder weiter erläuternd aus. “Was wir aber nie erwartet hätten, waren Mikroben, die weiterhin darin wachsen und diese Sphäroide produzieren, während sie die ganze Zeit in winzigen, kalten, dunklen Taschen aus Salzwasser und Öl isoliert sind. Das verändert mit Sicherheit unsere Sicht bei der Frage und Suche nach Leben selbst auf kalte und dunkle Orte und eröffnet einen faszinierenden Hinweis auf die potentielle Existenz von Leben auf derartig anderen Welten.“

Auch Bowden erklärt, die Entdeckung habe seine Meinung in der Frage nach außerirdischem Leben auf kalten Planeten und Monden verändert: „Vorausgesetzt es gibt Eis und ein wenig Hitze, dann könnten alle kalten Planeten selbst in den äußeren Regionen von Planetensystemen derartige Mikrohabitate beherbergen, in denen Mikroben ihre eigenen winzigen kleinen Atmosphären und Ökosysteme erschaffen, Mikrohabitate wie jene, die wir hier entdeckt haben.”

Quelle: University of Aberdeen, Nature

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