Buchneuerscheinung: „Paläo-SETI – Über die Methodik der Präastronautik, ihre Fehler und was trotzdem dran sein könnte“

Titelabbildung des neuen Buches „Paläo-SETI“ von André Kramer. Copyright: André Kramer, GEP
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Titelabbildung des neuen Buches „Paläo-SETI“ von André Kramer. Copyright: André Kramer, GEP

Titelabbildung des neuen Buches „Paläo-SETI“ von André Kramer.
Copyright: André Kramer, GEP

Lüdenscheid (Deutschland) – André Kramer ist Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens. In seiner jüngsten Publikation geht es aber nicht um unbekannte Flugobjekte, sondern um die Theorie, dass in alter Zeit außerirdische Lebewesen auf der Erde landeten und die Menschen auf eine höhere Stufe der Zivilisation beförderten. Eine Rezension.

– Bei der folgenden Rezension handelt es sich um einen GreWi-Gastbeitrag von Dr. Ralf Bülow.

Vor 55 Jahren, im November 1967, trat Erich von Däniken zum ersten Mal ans Licht der Öffentlichkeit. Auf dem UFO-Weltkongress in Mainz hielt er einen Vortrag über Außerirdische in der Antike und früher. Im Februar 1968 erschien sein Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ und etablierte die Lehre der Präastronautik. Danach erhielt die Erde in vor- und frühgeschichtlichen Zeiten mehrmals Besuche von unbekannten Wesen aus dem All. Sie hoben die menschliche Intelligenz durch gezielte Mutationen an, und ihre Aktionen wurden in Religionen, Mythen und Legenden sowie Bauten und Kunstwerken verewigt (vgl. Erich von Däniken, „Beweise“, Düsseldorf 1977). Das alles gilt es nun zu erforschen. Die entsprechende Disziplin wird manchmal Paläo-SETI genannt, wobei das Kürzel bekanntlich für Search for Extraterrestrial Intelligence steht.

Mit seiner Theorie schuf der Schweizer Autor ein europäisches Gegenstück zur amerikanisch determinierten UFOlogie. Während diese 75 Jahre nach dem Start – durch die Sichtung Fliegender Untertassen im Juni 1947 – floriert und gar die Höhen der Politik erklomm, steckt die Prä-Astronautik in der Krise. Sie kann nicht wie die UFO-Fans zur rechten Zeit neue Beobachtungen vorweisen, sondern nur auf alte Belege zurückgreifen, die sich so oder anders deuten lassen. Oder um André Kramer zu zitieren: „Ganz deutlich setzt seit Mitte der 1990-er Jahre aber auch eine gewisse Stagnation ein. Obgleich sich bis heute dutzende Autoren in dem Metier bewegen, Bücher und Zeitschriftenartikel schreiben, Vorträge halten und so weiter, kommen seither keine wesentlichen neuen Erkenntnisse hinzu. Oft drehen sich die Beiträge um Themen, die schon seit Jahrzehnten durch die Szene geistern, werden diese ‚Indizien‘ immer wieder aufs Neue gedreht und gewendet, doch wirklich neue Impulse und ein gesteigerter Erkenntnisgewinn sind nicht zu beobachten.“

Damit sind wir bei Kramers jüngst von der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) herausgegebenen und bei Book on Demand (BoD) erschienen Buch „Paläo-SETI“, das gleich zwei Untertitel mitbringt, „Über die Methodik der Prä-Astronautik, ihre Fehler und was trotzdem dran sein könnte“ und „Methodenbausteine für die Suche nach den Spuren Außerirdischer in der Vergangenheit“. Der erste deckt ganz gut den Hauptteil des Werks ab, der eine umfassende Kritik des Fachs darstellt. André Kramer lässt an der gegenwärtigen Prä-Astronautik kein gutes Haar und weiß das auch zu begründen. Ein Paläo-Beweis nach dem anderen fällt seiner Axt zum Opfer, die Linien von Nazca, die Luftschlachten der Mahabharata, das Raumschiff des Hesekiel, Heroen, Göttersöhne und Goldflugzeuge und ebenso Menhire, Monumente und maltesische Cart Ruts.

Ähnlich ergeht es den beliebten Das-sieht-aus-wie-Vergleichen, und Kramer erinnert an die Prä-Astronautik-Skandale der 1970er Jahre von Tatunca Nara bis Pater Crespi. Als Fazit heißt es auf Seite 492: „Fehler können sicherlich geschehen und sollten in einem ernsthaften Fachdiskurs aufgedeckt und revidiert werden. Unverzeihlich ist es aber aus forschungsethischer Sicht, Indizien anzubringen, gerade wenn hier ein hoher Grad an Evidenz suggeriert wird, und diese nicht in dem gebührenden Maße recherchiert und auf ihre Exaktheit geprüft zu haben.“ Ein positives Gegenstück dazu ist Kramers Analyse der diversen Cargo-Kulte, und beeindruckend sind die Berichte und Fotos von seinen Reisen.

Weitere Bücher von André Kramer

Was bleibt für die Zukunft? Das finden wir auf den Seiten 493 bis 506 unseres Buches, die etwas zu den zitierten Methodenbausteinen sagen. Hier formuliert André Kramer Grundannahmen für eine seriöse Paläo-SETI-Forschung. Sein zentrales Paradigma lautet, dass ein Kontakt zu einer außerirdischen Zivilisation – falls er tatsächlich stattfand – die Erdmenschen beeinflusste und „zu tradierten oder archäologisch erfassbaren Spuren geführt haben kann, die einen solchen Kontakt nahelegen“ (S. 499). Das klingt allerdings nicht viel anders als bei Erich von Däniken.

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Ernst zu nehmen sind Kramers Aufruf zur Selbstreflexion der Paläo-SETI-Gemeinde und seine Idee für ein kritisches Publikationsorgan. Denn: „Es bleiben Rätsel, bleiben offene Fragestellungen und Möglichkeiten.“ (S. 501). Das Buch schließt mit einem solchen „echten“ Rätsel, dem präkolumbianischen Fliegerspiel, bei dem mutige Voladores an Seilen um einen hohen Pfahl kreisen. Ein ähnliches Spiel existierte offenbar auch im alten Skandinavien. Gab es einen gemeinsamen Ursprung? Und wenn ja, kam die Idee vielleicht von den Sternen? Fragen für eine neue oder erneuerte Prä-Astronautik. Wir können André Kramers Werk empfehlen, sehen aber Probleme bei der Zielgruppe. Für das normale Erich-von-Däniken-Publikum ist es sicher zu radikal, und die erhoffte neue Paläo-SETI-Generation muss sich erst herausbilden. Ein Anfang ist auf jeden Fall gemacht.

Über den Autor
André Kramer, Jahrgang 1982 und Sozialpädagoge in der Sozialpsychiatrie, ist seit Jahren in der Grenzwissenschaft als Autor aktiv. Er ist Vorstandsmitglied und Pressesprecher der GEP und hat u. a. das Buch „Vorsicht Verschwörung!“ verfasst.

André Kramer
Paläo-SETI – Über die Methodik der Prä-Astronautik, ihre Fehler und was trotzdem dran sein könnte –  Methodenbausteine für die Suche nach den Spuren Außerirdischer in der Vergangenheit
Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V., Lüdenscheid 2002 / BoD
ISBN 978-3-923862-44-3, 556 Seiten, 1. Auflage 2022, 39,99 €

© Dr. Ralf Bülow für grenzwissenschaft-aktuell.de