Buchneuerscheinung: Seelenvermächtnis – Udo W.: Mein zweites Leben

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Buchumschlag

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Meßkirch (Meßkirch) – Ein Beweis für Reinkarnation – oder die Verbindung zweier Seelen über Tod und Zeit hinweg? Die Autoren einer jetzt erschienen Dokumentation waren einem Phänomen auf der Spur, für das es ihrer Ansicht nach keine Erklärung gibt.

Einer der beiden Autoren – der 44Jährige Udo Wieczorek aus dem Raum Ulm – war bereits als Kind und später als Jugendlicher immer wieder von Albträumen geplagt, in denen er selbst dramatische Kriegsszenen durchleiden musste. Als sich dies im Erwachsenenalter fortsetzte und immer wiederholte, sah er sich bei der Spurensuche im Hochpustertal, unweit der berühmten Drei Zinnen, (Südtirol), seiner eigenen Vergangenheit im Dolomiten-Kriegsjahr 1915 gegenüber: obwohl im jetzigen Leben nie zuvor dort gewesen, fand er alte Pfade, kannte Häuser und konnte auf historischen Fotos die Namen von längst verstorbenen Menschen benennen.

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Als ihn während eines Recherche-Aufenthalts in dem Gebirgsdorf Sexten ein neuerlicher Albtraum befiel, skizzierte er nach dem Erwachen eine markante Stelle in einem alten Schützengraben aus dem Ersten Weltkrieg. Und weil sich ihm die Perspektive auf die umgebende Berglandschaft eingeprägt hatte, gelang es ihm zusammen mit seiner Ehefrau, diese Stelle ausfindig zu machen – auf dem nahen Berg Seikofel, auf dem im Sommer 1915 die Front zwischen Österreich-Ungarn einereits und Italien andererseits heftig umkämpft war. Was er dort in jenem völlig überwucherten, kaum noch begehbaren Schützengraben hinter einer vermoosten und mit Flechten überwucherten Natursteinmauer zutage förderte, würde die Bezeichnung „sensationell“ verdienen, doch vermeiden die beiden auf Sachlichkeit bedachten Autoren solche Begriffe.

Dennoch: Der Fund ist unglaublich. Es handelt sich um ein handschriftliches Dokument, das in einer völlig verrosteten Blechdose steckte, die wiederum in einen vermoderten Feldpostsack gewickelt war. Ein Soldat, der mit “Vinz” unterschrieb, hat nach schwerer Verwundung an zwei Tagen (13. und 14. August 1915) in der damals üblichen Kurrentschrift unter anderem festgehalten (buchstabengetreu zitiert): “Seit Tagen brasselt furchtbares feindliches Feuer auf unsere Reihen. Verluste belaufen sich auf viele treue Kammeraden. Wenn das so weitergeht, sind wir alle bald nicht mehr unter den Lebenden.” Er schreibt von einer “Schandtat”, die sich an der nahen Rotwand zugetragen habe und die er offenbar nicht überwinden konnte.

Dabei handelte es den Recherchen der Autoren zufolge um den Tod seines einstigen Jugendfreundes Josef, der auf der gegnerischen italienischen Seite hatte kämpfen müssen, dann aber als “Überläufer” die Fronten wechseln wollte und dabei versehentlich von Vinz erschossen wurde. Eine schreckliche Szene, die Wieczorek aus einigen seiner Albträume kannte. Der im Sterben liegende Vinz schien seinen Aufzeichnungen zufolge zu ahnen, dass “jemand nach meinem Tod an dieser Stelle … vielleicht 1995, 1997 oder 1998 im August oder September seine Geschichte” erfahren werde. Mysteriös: Genau dies sollten die Monate und Jahre sein, in denen die Wiecoreks erfolgreich auf Spurensuche gingen.
Weiter schrieb Vinz, vermutlich an den Finder seiner Botschaft gerichtet: “Doch sollte jener Mann einmal an dieser Stelle stehen und diese Zeilen noch entziffern können, so besinne er sich danach, dass dieser Gang, den ich nicht mehr tun kann, auch für ihn der  Friede sein wird. So gehe er hernach, gewiß weiß er schon wohin, und gebe dem armen, einst so geliebten Josef den letzten Frieden.”

Für Wieczorek hatten nach diesem Fund die Albträume aufgehört.  Als der Co-Autor der Dokumentation, der Journalist Manfred Bomm (ebenfalls aus dem Raum Ulm), Wieczoreks Erlebnis erfuhr, überzeugte er ihn davon, der Angelegenheit akribitsch genau auf die Spur zu gehen. Bomm ließ das dünne, rot-bräunliche, mit einer Wachsschicht überzogene Dokument von dem weithin bekannten Papierexperten Prof. Dr. Ing. Lothar Göttsching (hat einst die gefälschten Hitlertagebücher entlarvt) vom Intitut für Papierfabrikation an der Technischen Universität Darmstadt analysieren. Ergebnis: Die Zusammensetzung des Papiers entspricht jener, wie sie in der Zeit zwischen 1875 und 1960 benutzt wurde.

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In ihrem Buch legen die Autoren chronologisch dar, wie sie bei der Recherche vorgegangen sind, benennen Namen von Gesprächspartnern und berichten über den Besuch bei den Nachkommen des Soldaten Vinz, die noch heute in dessen einstigem Elternhaus wohnen. Dort hat Wieczorek auf vorgelegten Familienfotos „alte Bekannte“ und “Familienangehörige” wieder entdeckt.

Trotz allem hat Udo Wieczorek ganz großen Wert darauf gelegt, dass die Dokumentation “nicht reißerisch” aufgemacht ist. Auch die Art und Weise, wie er selbst seine Träume und “Rückblenden” schildert, wollte er mit seinem eigenen Stil dargestellt wissen – um seine Gefühlswelt dem Leser möglichst authentisch vermitteln zu können.

Ihre “Dokumentation des Unerklärlichen” wollen die beiden Autoren so verstanden wissen: “Dies ist kein Buch, das um jeden Preis überzeugen will. Es ist ein Buch, das alle denkbaren und undenkbaren Ansichten toleriert. Dies ist ein Buch, das denjenigen, der es liest, vielleicht ein klein wenig verändert.”

Für die Autoren selbst ist der Fall unter anderem deshalb so besonders, da er sich nicht “irgendwo auf der Welt” zugetragen habe, “sondern mitten unter uns”, weshalb der Betroffene gemeinsam mit Co-Autor Bomm bei den Lesungen auch für Diskussionen zur Verfügung steht.

Über die Autoren:
Udo Wieczorek verbrachte seine Kindheit in Ulm. Seit 2009 ist der ambitionierte Sportlehrer nebenberuflich als freier Autor tätig schreibt Artikel und verfasst Bücher. Mit “Nachthall” debütiertet er 2015 in der Krimiwelt.

Manfred Bomm, geboren 1951 in Eybach, war Journalist unter anderem lange Zeit in Göppingen und Geislingen für Polizei- und Gerichtsreportagen zuständig. Als Autor ist er durch seine Krimis um Hauptkommissar August Häberle bekannt geworden, die sich durch genaue Schilderungen der Polizeiarbeit auszeichnen.