Bausteine des Lebens: Cassini findet Grundlagen von Aminosäuren in Eisfontänen auf Saturnmond Enceladus

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Cassini-Aufnahme des Saturnmondes Enceladus von 2007. Im Gegenlicht werden die Eisfontänen am Südpol des Mondes sichtbar. Copyright: NASA/JPL/Space Science Institute

Cassini-Aufnahme des Saturnmondes Enceladus von 2007. Im Gegenlicht werden die Eisfontänen am Südpol des Mondes sichtbar.
Copyright: NASA/JPL/Space Science Institute

Pasadena (USA) – Anhand der Daten der Saturn-Sonde “Cassini” haben NASA-Wissenschaftler in den von einem verborgenen Ozean gespeisten Eisfontänen des Saturnmondes Enceladus neue Arten organischer Verbindungen identifiziert. Auf der Erde bilden diese Verbindungen die Grundlagen von Aminosäuren – den Bausteinen des Lebens.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass am Grunde des unter einer kilometerdicken Eiskruste verborgenen Ozeans hydrothermale, heiße Quellen Material aus dem noch tieferen Innern des Mondes in den Ozean eingeben, wo sie sich mit dem Wasser vermischen, dass dann durch Spalten und Risse geysirartig an die Oberfläche und kilometerhoch ins All gepresst wird.

Wie das Team um Nozair Khawaja von der Freien Universität Berlin aktuell im Fachjournal „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ (DOI: 10.1093/mnras/stz2280) berichtet, fanden sich die Stickstoff- und Sauerstoffhaltigen Moleküle auf den Eispartikeln der Enceladus-Fontänen. Auf der Erde sind ähnliche Verbindungen Teil der chemischen Reaktionen, die Aminosäuren und damit die sogenannten Bausteine des Lebens, produzieren. Hydrothermale Schlote an den irdischen Ozeangründen wiederum liefern die für diese Reaktionen notwendige Energie.

Grafische Darstellung des Weges der organischen Verbindungen an die Oberfläche des Saturnmondes Enceladus (Illu.). Copyright: NASA/JPL-Caltech

Grafische Darstellung des Weges der organischen Verbindungen an die Oberfläche des Saturnmondes Enceladus (Illu.).
Copyright: NASA/JPL-Caltech

Ähnliches, darauf deuten mehrere frühere Studien hin, dürfte sich auch am Grunde des Enceladus-Ozeans zutragen. Auch hier existieren also die Voraussetzungen zur Entstehung von Aminosäuren: “Wenn die Bedingungen stimmen, so könnten die nun detektierten Moleküle aus den Tiefen des Enceladus-Ozeans stammen und durch die gleichen Reaktionen entstanden sein, wie wir sie von der Erde kennen“, erläutert Khawaja und führt weiter aus: „Derzeit wissen wir noch nicht, ob das Leben jenseits der Erde auch auf Aminosäuren angewiesen ist. Der Nachweis diese Moleküle (in den Enceladus-Fontänen) ist aber ein wichtiges Teilchen bei der Beantwortung dieser Frage.“

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Die Forscher und Forscherinnen um Khawaja analysierten die Daten des „Cosmic Dust Analyzer“-Instruments (CDA) an Bord der Sonde, die bis 2017 das Saturnsystem erforschte und mit dem CDA-Massensprektrometer Eispartikel analysierte, die durch die Fontänen ins All gepresst und in den sogenannten E-Ring um Saturn eingelagert wurden.

Die Entdeckung ergänzt frühere Ergebnisse des Teams um Khawaja, das bereits im vergangenen Jahr große, komplexe kohlenstoffreiche organische Moleküle in den Enceladus-Fontänen entdeckt hatte, von denen sie ebenfalls ausgehen, dass sie aus dem verborgenen Ozean stammen (…GreWi berichtete).

„Diese neue Entdeckung beschreibt nun kleinere und lösliche organische Bausteine und damit potentielle Vorgänger für Aminosäuren und andere Bausteine des irdischen Lebens“, erläutert Khawajas Mitautor Jon Hillier und Frank Postberg ergänzt abschließend: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es im Enceladus-Ozean reaktive Bausteine gibt und das ist ein weiteres wichtiges Puzzleteilchen bei der Frage nach der Lebensfreundlichkeit von Eceladus.“

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Quelle: Jet Propulsion Laboratory, NASA

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